Börsenweisheit
„Ihr Depot ist kein Harem“

Die Übersicht zu verlieren ist nie gut. Nicht im Privatleben und schon gar nicht bei der Geldanlage. Der weltbekannte Investor Warren Buffett gibt Investoren deshalb einen guten Ratschlag mit auf den Weg.
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DüsseldorfWarren Buffett liebt es übersichtlich. „Konzentrieren Sie Ihre Investments“, riet der weltberühmte Investor einmal. „Wenn Sie über einen Harem mit vierzig Frauen verfügen, lernen Sie keine richtig kennen.“ Buffett gilt als einer der erfolgreichsten Investoren aller Zeiten und ist bekannt für eine ganze Reihe von Börsenweisheiten. Oft trifft er damit ins Schwarze und legt Schwächen wie Gier oder allzu kurzfristiges Denken von Anlegern schonungslos offen.  „Ob aber die Konzentration von Investments für die Mehrheit der Anleger ein guter Ratschlag ist, muss bezweifelt werden“, sagt Götz Kirchhoff, Geschäftsführer des Asset-Managers Avana Invest. Auch habe nicht jeder Privatanleger ein solch „geniales Händchen“ bei der Aktienauswahl wie Buffett. Kirchhoff sieht bei dieser Weisheit vor allem ein Problem: „Da bei der Konzentration auf wenige Aktien ein einzelner Fehlgriff stark auf das Gesamtportfolio durchschlägt, dürfte diese Vorgehensweise bei der Mehrheit der Anleger daher eher zu unerfreulichen Ergebnissen führen.“

Max Otte sieht das nicht ganz so kritisch. „Theoretisch hat Buffett recht“, sagt der bekannte Autor und Wirtschaftsprofessor. „Je konzentrierter Sie investieren, desto bessere Renditen sollten Sie erzielen, wobei drei bis vier Titel schon das Minimum sein sollten.“ Doch auch er räumt ein, dass es für nahezu alle Privatanleger sehr schwierig sein wird, die notwendige Tiefe der Analyse und damit das notwendige Selbstvertrauen zu erreichen, um in einem so konzentrierten Portfolio auch schwierige Phasen durchzustehen.

Eine extreme Konzentration sei aber grundsätzlich nicht zu dramatisch, auch deshalb weil viele Unternehmen bereits aus vielen Divisionen oder Geschäftsbereichen bestehen würden und international tätig seien. „Ich hätte zum Beispiel kein Problem damit, in ein Portfolio zu investieren, das nur aus Nestlé, dem meiner Meinung nach sichersten Unternehmen der Welt, besteht“, sagt Otte. „Voraussetzung ist, dass ich die Aktie billig genug erwerbe.“

Mit einem Augenzwinkern bewertet Jean Guido Servais von JP Morgan Asset Management die Parallele zwischen Depot und Harem. „Wir sind in unserem Kulturkreis relativ konzentriert, doch bis die Wahl tatsächlich getroffen ist, können manchmal kostbare Jahre ins Land ziehen“, sagt er. „Ganz so viel Zeit müssen sich Anleger bei der Wahl ihrer Möglichkeiten nicht nehmen.“ Der zeitaufwendige Auswahlprozess sorge zwar für tiefes Wissen, in der Zwischenzeit können aber interessante Chancen übersehen werden und weitere attraktive Alternativen dann vielleicht nicht mehr in Betracht kommen. Das gelte für die Wahl des Partners ebenso wie für die Geldanlage. Tiefgehenden Kenntnisse über die Finanzwelt, deren aktuelle Verfassung und tiefergehende Einblicke seien für professionelle Investoren von elementarer Bedeutung. „Privatanleger, die sich nicht permanent mit den Märkten und ihre Investments auseinander setzen können, sollten sich vielmehr über ihr persönliches Chance-/Risiko-Profil und ihren Anlagehorizont Gedanken machen“, rät er.

Einer, der dieser Börsenregel gar nichts abgewinnen kann ist Niels Nauhauser. „Für Privatanleger ist dieser Rat in etwa so nützlich wie der, man solle sich am Roulette-Tisch erst einmal mit Kugel und Filz bekannt machen, bevor man anschließend auf rot oder schwarz setzt“, wettert der Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Diversifikation, also die Streuung des Risikos auf mehrere Anlageklassen und -produkte, sei zwar deutlich langweiliger, dafür aber langfristig auch viel erfolgversprechender als die Spekulation.

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  • Alle diejenigen, die hier gegen fokussiertes Investieren sprechen, sind wie üblich Fondsmanager. Und warum sagen Fondsmanager so etwas? Antwort: Sie brauchen die Privatanleger für ihre Provisionen und hohen Gebühren wie der Bauer die Milchkuh. Vor drei Jahren habe ich Aktien einer einzigen Unternehmen gekauft, die sich in drei Jahren ver 13 facht hat. Ich habe nur ein durchschnittliches IQ wie jeder Mann und Frau. Man braucht in der richtigen Zeit nur einfach sein gesunden Menschenverstand einsetzen, und ein gutes Unternehmen kaufen. Die richtige Zeit ist die Wirtschafts -u. Finanzkrisen. Das einzige Problem ist der Herdentrieb. Wenn alle (Fondsmanager ein geschlossen) die Lage als gefährlich sehen, kauft so gut wie kein Privatanleger Aktien(aus Angst). Aber wenn man weiß, dass Unternehmen wie Kellogg, Nestle alle Krisen super überstanden haben, warum sollte man in einer Krise deren Aktien nicht fokussiert kaufen, und 30 Jahre halten? Dazu braucht man weder Diversifikation noch Klugschei... wie Fondsmanagern.

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