Börsenweisheit
Spekulieren ist kein Spiel mehr!

Die Gleichung ist einfach: Mehr Rendite bedeutet mehr Risiko. In Zeiten von Mini-Zinsen ein Dilemma für Anleger. Ist die Spekulation wirklich eine Maßnahme zum Schutz des Vermögens, wie André Kostolany einst sagte?
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DüsseldorfMit sicheren Zinseinlagen ist nicht mehr viel zu holen. Sparbuch, Tages- und Festgeld machen kaum mehr die Inflation wett. Anleihen von Staaten mit guter Bonität bringen noch weniger. Wer eine lukrative Anlage mit Renditen von vier, fünf oder mehr Prozent sucht, um auch nach Inflation und Spekulationssteuer Geld zu verdienen, muss höhere Risiken eingehen. Schon André Kostolany sagte: „Spekulieren ist kein Spiel mehr, es ist eine Maßnahme zum Schutz des Vermögens.“ Doch hat der Altmeister der Börse damit wirklich recht gehabt? Gilt seine Börsenweisheit vielleicht sogar heute mehr denn je?

Bei Anlageexperten stößt Kostolany auf Unverständnis. „Spekulieren soll eine Maßnahme zum Schutz des Vermögens sein?“,  fragt Lars Edler zweifelnd nach. Der Leiter Asset Allocation bei Sal. Oppenheim gibt eine deutliche Antwort: „Nein.“ Auch Martin Weber, Kapitalmarktexperte an der Universität Mannheim ist kein Freund der riskanten Geldanlage. „Ich weiß nicht, was Kostolany dachte, aber beim Anlegen investiert man, wenn man Geld verfügbar hat und man desinvestiert, wenn man Geld benötigt“, erklärt er. „Auf keinen Fall versucht man wie beim Spekulieren aus kurzfristigem Handeln durch Ausnutzen von – eigentlich zufälligen – Marktbewegungen, Gewinne zu erzielen.“

So kritisch ist Andreas Feiden nicht, im Gegenteil. „Spekulieren heißt letztlich nichts weiter, als dass man auf Basis bestimmter Erwartungen, im einfachen Sinne des Wortes berechnend handelt“, sagt der Geschäftsführer der Fondsgesellschaft Fidelity. Das sollte Voraussetzung für jeden Börsenhandel sein. „Anleger müssen heute nur vor allem damit rechnen, andere – nicht unbedingt höhere – Risiken als gewohnt eingehen zu müssen.“

Übersetzt heißt das: Anleger müssen umdenken, um im Niedrigzinsumfeld nicht mit Sicherheit abzüglich der Inflation Geld zu verlieren. „Ihre bisherige Risiko-Einschätzung müssen sie komplett überprüfen und das Verhältnis von Sicherheit und Rendite neu überdenken“, sagt Feiden. Waren europäische Staatsanleihen bisher am untersten Ende des Risikospektrums einzuordnen, sind heute Ausfälle nicht mehr auszuschließen.

Die Erkenntnis, dass Staatsanleihen von Industrieländern ihren Nimbus als sichere Häfen verloren haben, ist ein wichtiger Wendepunkt. „Wer die logische Konsequenz daraus zieht und auf diese vermeintliche Sicherheit nicht mehr ‚spekuliert’, übergewichtet gut geführte Unternehmen zu Lasten von Staatsanleihen und, innerhalb von Staatsanleihen, die der kaum verschuldeten Wachstumsländer“, sagt der Fidelity-Experte. „Denn die Regierungen der schnell wachsenden Volkswirtschaften haben genau das getan, was die europäischen Länder und Amerika versäumt haben: ihren Schuldenberg abzutragen.“

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Eine Weisheit aus der "guten, alten Zeit"

Kommentare zu " Börsenweisheit: Spekulieren ist kein Spiel mehr!"

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  • Ich finde es immer so interessant, dass beim Thema Börse immer alle behaupten, dass heute alles anders ist und die guten alten Zeiten vorbei sind.
    Wer jetzt kauft und 5-10 Jahre die Aktien hält, der wird sich sicherlich freuen können.

    www.kostolany-analyse.de

  • Au Waia.

    Es ist doch sehr bezeichnend für unsere Welt dass man hinterher rennen muss um das was man sich bereits erarbeitet hat zu erhalten. So ein Unsinn. Daran erkennt man das von dem ohnehin schon durch Steuer und Zinz abgezocktem Lohn am Ende garnichts mehr übrig bleibt. Besonders dann wenn man investiert und auf das falsche Pferd gesetzt hat.

    Man man, was für ein krankes Menschenfeindliches System.

  • "Spekulieren" kommt aus dem Latein und bedeutet wörtlich "Ausschau halten". Das Wort hat heute einen Beigeschmack, aber auch der Anleger hält Ausschau, nämlich nach einer lohnenden Anlage.
    Die Spielregeln der Geldanlage sind heute noch dieselben wie zu Zeiten Kostolany's, Ehre seinem Angedenken. Aber die moderne Kommunikation hat viel verändert. Umfang und Zugang zu Informationen haben eine ungeahnte Steigerung erfahren und die Anlagepalette enorm erweitert. Das stellt neue Ansprüche an den Anleger.
    mondahu kann ein Lied davon singen, da er das Geschäft schon seit über 30 Jahren betreibt. Genügte es damals, gelegentlich eine Börsenzeitung zu kaufen und nachzusehen, was so läuft, ist das heute beinahe täglich notwendig. Das will nicht heißen, daß heute mehr und hektischer umgeschichtet wird, der Rythmus hat sich da nicht groß geändert. Aber man muß ständig auf der Lauer liegen und das Ohr auf der Schiene haben. Glücklicherweise geht das heute auch auf der Liege im Garten unter dem Nußbaum.

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