Börsenweisheit: Warum Privatanleger oft zu spät handeln

Börsenweisheit
Warum Privatanleger oft zu spät handeln

Die Zahl der Aktionäre in Deutschland ist 2015 gestiegen. Ein positives Signal für die Aktienkultur oder doch eher ein Zeichen von Gier und Verzweiflung? Erinnerungen an eine alte Börsenweisheit werden wach.

DüsseldorfNach jahrelangem Siechtum sind die Aktionärszahlen in Deutschland wieder gestiegen. Gut neun Millionen Menschen waren 2015 direkt oder über Fonds in Aktien investiert – immerhin 560.000 mehr als im Vorjahr, hat das Deutsche Aktieninstitut (DAI) errechnet und sieht „positive Signale“ für die Aktienkultur.

Doch bei Experten rufen diese Daten gemischte Gefühle hervor. „Diese Zahlen sind natürlich sehr erfreulich“, sagt Andreas Grünewald, Vorstandsvorsitzender des Verbands unabhängiger Vermögensverwalter (VuV). „Aber sie dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir von einer sehr niedrigen Basis kommen und immer noch zu wenig Menschen in Aktien investieren.“ Noch immer legen nur 14 Prozent der über 14-Jährigen in Aktien an. „Der Weg zu einer nachhaltigen Aktienkultur in Deutschland ist noch weit“, betont auch Chris-Oliver Schickentanz, Chief Investment Officer der Commerzbank. „Wir hinken bei den Aktionärszahlen unseren angelsächsischen Freunden genau stark hinterher wie auch vielen europäischen Nachbarn.“

Trotzdem ist der Anstieg der Aktionärszahlen positiv. Auch wenn die Zahl der Aktionäre noch immer deutlich unter dem Niveau des Rekordjahres 2001 liegt. Im Vergleich zu damals hat nach wie vor jeder vierte Anleger – das sind 3,5 Millionen – dem Aktienmarkt den Rücken gekehrt.

Einige sind aber nun zurückgekehrt. Dass das erst nach einer siebenjährigen Rally an den Märkten passiert ist, verwundert Experten kaum. Sie fühlen sich an eine alte Börsenweisheit erinnert: „Steigen die Kurse, kommen die Aktionäre. Fallen die Kurse, gehen die Aktionäre.“

Vor allem der Dax-Rekord im vergangenen Frühjahr scheint die Deutschen an die Börse gelockt haben. Experten überrascht das nicht. „Unbedarfte Privatanleger tendieren tatsächlich dazu, prozyklisch zu handeln“, sagt Schickentanz. Sie kaufen, wenn die Kurse stark gestiegen sind. Und sie verkaufen, wenn die Kurse fallen.

Das ganze gleicht einem Herdentrieb. Nur leider heißt das auch, dass Privatanleger oft sehr teuer einkaufen und viel zu günstig verkaufen. Auf dem Wochenmarkt würden sie es genau anders herum machen. Doch die Unsicherheit scheint oft zu groß, es fehlt der Mut, in schwachen Börsenphasen einzusteigen.

Und oft dauert es auch, bis Privatanleger einem Trend vertrauen. „Privatanleger agieren leider spätzyklisch“, so Grünewald. Das Interesse an Aktien sei bereits in den sehr guten Börsenjahren 2012 bis 2014 gestiegen, hat er beobachtet. Gehandelt hätten viele Anleger aber erst im vergangenen Jahr – und damit sehr spät.

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