Börsenweisheit
Zeit der Börse den Rücken zu kehren?

Der Blick auf den Kalender zwingt Anleger zum Handeln. Zumindest wenn sie an die alte Weisheit „Sell in May and go away” glauben. Aber erzielen sie wirklich eine Überrendite, wenn sie der Börse im Sommer fernbleiben?
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DüsseldorfSommermonate sind keine guten Börsenmonate. Im Sommerloch sind die Umsätze schwach und die Kurse purzeln. Richtig rund läuft es erst wieder im Herbst. Das zumindest besagt die alte Börsenweisheit „Sell in May and go away. But remember to come back in September“. Glaubt man der Regel, dann erzielen Anleger höhere Kursgewinne, wenn sie ihre Aktienbestände im Mai verkaufen und erst im September auf das Parkett zurückkehren.

Der Klassiker unter den Börsenweisheiten ist aber keinesfalls unumstritten. Wie gefährlich ist es, sich auf die alte Regel zu verlassen? Ungefährlich, glaubt Niels Nauhauser. „Das ist eine der wenigen Börsenregeln, die so klar sind, dass man ihren Nutzen wissenschaftlich überprüfen kann“, sagt der Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Auch für Max Otte steht fest: „In circa drei Viertel aller beobachteten Zeiträume stehen die Börsen im September tiefer als im Mai.“ Die Erklärung dafür sei recht einfach, sagt der Professor und Buchautor, schließlich sei der Sommer die klassische Urlaubssaison. Auch Fondsmanager und Investoren würden dann mit ihren Familien verreisen und eben nicht an der Börse handeln.

Hinzu komme, dass Investoren zum Jahresbeginn traditionell sehr aktiv seien. Nach einigen Monaten gebe es eine „gewisse Abflachung und Ermüdung“. Pünktlich zur Urlaubssaison komme es dann zu Rückschlägen. „Wenn man also jeweils im Mai das Depot auflösen und Ende September zurückkehren würde, könnte man eine Überrendite erzielen“, so Otte. Davon müssten Anleger aber natürlich die Transaktionskosten abziehen. Doch der Börsenexperte räumt ein. „Es funktioniert eben nicht in allen Fällen, so dass man die Strategie über mehrere Jahre eisern durchziehen muss, um in den Genuss der statistischen Überrendite zu kommen.“ 

Nicht viel abgewinnen kann der Börsenweisheit Fondsmanager Christoph Bruns. Der Gründer der Fonds-Boutique Loys ist überzeugt, dass Kalenderzeitregeln lediglich Häufungsbeobachtungen der Vergangenheit sind. „Sie sind wenig fundiert, weshalb sie den Stellenwert von Handlungsheuristiken einnehmen“, sagt er. Heuristik ist die Kunst, mit begrenztem Wissen und wenig Zeit zu guten Lösungen zu kommen.

Kommentare zu " Börsenweisheit: Zeit der Börse den Rücken zu kehren?"

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  • Es läßt sich mit entsprechender Software leicht überprüfen. Jeweils den Index Mitte September zu kaufen und Mitte Mai wieder zu verkaufen bringt nach Spesen keinerlei Überperformance im Vergleich zu Buy-and-Hold. Zumindest nicht, wenn man die letzten 25 Jahre bei DAX oder Dow-Jones-Index betrachtet.
    Dagegen ist der Ansatz "Gewinne laufen lassen - Verluste begrenzen" empirisch belegt. Und es gibt noch andere Strategien die langfristig auf allen Märkten erfolgreich sind ...

  • Falsch, genau in den Wahljahren hat es sich immer gelohnt. Gewählt wurde im November 2008, 2004, 2000!

  • Falsch, genau in den Wahljahren hat es sich bis jetzt immer gelohnt, die Wahl war im November 2008, 2004, 2000!

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