Börsianer denken um
Inland rückt in den Fokus

Die Aktienstrategen ändern auf Grund des beginnenden Wirtschaftsaufschwung in Deutschland ihre Strategie. Empfahlen sie wegen der schwachen Binnennachfrage bisher Aktien von Unternehmen mit hohem Exportanteil, so gehen die Ersten inzwischen in die entgegen gesetzte Richtung.

Die Konjunktur lässt Börsianer umdenken: Aktien mit starkem Geschäft im Inland sind wieder gefragt.

FRANKFURT. „Die Anleger sollten in nächster Zeit wieder verstärkt über Aktien mit einem hohen Heimatanteil nachdenken“ sagt Lars Kreckel von ABN Amro. Chancenreich sind seiner Ansicht nach vor allem Unternehmer, die auf gewerbliche Kunden als Abnehmer setzen. Zumal diese Werte gerade erst entdeckt werden und als moderat bewertet gelten. Insgeheim setzen viele Analysten schon auf Gewinnrevisionen nach oben in den nächsten Monaten.

Letzter Auslöser für den aktuellen Stimmungswandel waren zwei Konjunkturumfragen in der zweiten Februarhälfte. Da hatten die 300 vom Zentrum für europäische Finanzwirtschaft (ZEW) befragten Finanzmarktexperten die aktuelle Lage noch einmal besser als im Januar bezeichnet, als das Marktbarometer bereits den höchsten Stand seit zwei Jahren erreicht hat. Zudem ist gerade der Mittelstand so optimistisch wie seit dem Boomjahr 2000 nicht mehr, was eine Umfrage unter 25 000 Mitgliedern der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) deutlich machte. „Die ökonomischen Daten zeigen, dass Phase II gerade beginnt“, sagt Lars Kreckel (siehe „Das Drei-Phasen-Modell“ am Ende von Seite 2).

Dass gerade der Mittelstand als bedeutendster Kunde wieder stärker zugreifen will, schürt am Aktienmarkt die Nachfrage nach Werten aus Industrie und Maschinenbau. Zudem erhielten sie Unterstützung durch die starken Auftragseingänge der deutschen Anlagen- und Maschinenbauer. Erstmals seit drei Jahren stieg der Anteil heimischer Auftragsgeber deutlich stärker als der aus dem Ausland. Nach Berechnungen der BHF-Bank sollen die Anlageinvestitionen 2006 nach drei rückläufigen Jahren um 1,1 Prozent wachsen, wovon besonders der Bereich „Ausrüstungen“ profitieren soll.

Um als Anleger an diesem Trend teilzuhaben, lohnt es sich vor allem auf Werte aus der zweiten Reihe zu achten. Zwar weisen auch die Deutsche Post (52,3 Prozent) und Continental (37,5 Prozent) ebenfalls einen hohen Anteil an Verkaufen im Inland aus. Nebenwerte wie Techem (86,8 Prozent), DIS Deutscher Industrie Service (97,3 Prozent) und die Indus Holding (64,0 Prozent) sind hier jedoch wesentlich deutschlandlastiger aufgestellt. Aber auch Aktien wie Fraport (85,3 Prozent), Baywa (65,9 Prozent) und Jenoptik (59,2 Prozent), die auf den ersten Blick nicht als typische Profiteure dieser Entwicklung erscheinen, haben zuletzt deutlich an Ansehen bei Investoren gewonnen. Für die Fraport-Aktie, die seit Dezember von einem Niveau von 42 Euro auf 62 Euro angezogen hat, stellt Analyst Pablo Morales de Labra in einer gerade veröffentlichten Studie ein Kursziel von 98 Euro in Aussicht.

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