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Borussias Schlappen drücken die Aktie

Der Dortmunder Fußballclub will das Westfalenstadion künftig besser vermarkten. Auch ein Verkauf der Namensrechte ist möglich.

FRANKFURT/M. Fußballfans beklagen die sportliche Performance. Anleger stöhnen über die der Aktie. Nach turbulenten Wochen startet Borussia Dortmund heute Abend bei Austria Wien in den Uefa-Cup. Läuft im „Cup der Verlierer“ (Franz Beckenbauer) für den einzigen börsennotierten Fußballclub Deutschlands alles nach Plan, dürften nach Einschätzung des WGZ-Bank-Fußballexperten Ingo Süßmilch Erlöse von 20 Millionen Euro in den BVB-Kassen klingeln.

Geld, das der Club nach der misslungenen Champions-League-Qualifikation gut gebrauchen kann. BVB-Vorstandschef Gerd Niebaum schätzt die dadurch verpassten Einnahmen im Gespräch mit dem Handelsblatt auf rund 10 Millionen Euro. Der Image-Schaden dürfte noch größer sein. „Neben dem direkten Einnahmeausfall beurteilen wir insbesondere die Auswirkungen auf die Marke Borussia Dortmund negativ. Es wurde die Chance verpasst, den Markenwert nachhaltig zu steigern“, resümiert WGZ-Bank-Analyst Paul Sibianu.

Mit der verpassten Teilnahme an der Champions-League wurde der Aufwärtstrend der BVB-Aktie - sie notiert aktuell um die 3,30 Euro - vorerst gestoppt. Niebaum sieht darin keinen Grund zur Besorgnis. „Die Anleger trauen uns schon zu, dass wir auch mit schwierigen Herausforderungen fertig werden.“

Davon gibt es derzeit beim BVB einige. Mit der Diskussion um die steuerfreien Nacht- und Feiertagszuschläge, die Borussia Dortmund seinen Spielern gewährt, wurde eine Lawine der Emotionen losgetreten. Jetzt will sogar Finanzminister Hans Eichel den Steuervorteilen der Fußball-Millionäre einen Riegel vorschieben. Niebaum hält dagegen: „Wir bewegen uns voll im Einklang mit dem Steuerrecht, das hat uns das Finanzamt Dortmund ausdrücklich bestätigt. Deshalb gibt es auch keinen Grund, an der bisher geübten Praxis etwas zu ändern“.

Für den Borussen-Vorstand wäre die Steuer-Diskussion schnell vom Tisch, wenn sich der Finanzminister endlich dazu entschließen könnte, die Fußball-Profis als selbstständige Unternehmer zu behandeln und nicht als Arbeitnehmer. „Davor schrecken die Politiker aber zurück, weil sie auf die jährlichen Lohnsteuereinnahmen der Bundesliga-Profis in Höhe von rund 300 Millionen Euro nicht verzichten wollen", meint Niebaum.

Einen Schritt nach vorne hat der BVB beim Thema „Gehaltsverzicht“ gemacht. Die Borussen-Profis erklärten sich zu einem 20-prozentigen Gehaltsverzicht bereit. Das Einlenken der Profis dürfte die Aktionäre genauso zufrieden gestellt haben, wie der kürzlich abgeschlossene Ausrüster-Vertrag mit dem Sportartikel-Giganten Nike, der ab der kommenden Saison in Kraft tritt und dem Club im Laufe von fünf Jahren schätzungsweise 45 Millionen Euro bringen soll.

Weitere Erlösquellen sieht der Verein künftig auch in der „zielgruppengerechten Vermarktung“ des Stadions, dessen Kapazität von 66 800 auf 83 000 Zuschauer ausgebaut wurde. Der Zuschauerdurchschnitt soll dadurch von 63 000 auf 72 000 Zuschauer gesteigert werden. Im Zuge des Ausbaus stehen jetzt zusätzlich 600 so genannte Stammtische zur Verfügung. Hier können etwa Unternehmen für sich und ihre Kunden für die ganze Saison feste Plätze mit Tisch mieten. Kostenpunkt pro Stammtisch: 10 000 Euro.

Auch im Bereich des Sponsoring (“Champions-Partner“) sehen die Borussen im Zeitfenster von ein bis zwei Jahren reichlich Potenzial. Hier wird von Vereinsseite mit Steigerungsraten von 30 Prozent kalkuliert. Reichlich Euros dürften auch fließen, wenn es dem Club gelingt, die Namensrechte am Westfalenstadion zu veräußern - Interessenten gibt es. Ob solche Aussichten den Aktienkurs beflügeln, bleibt abzuwarten. Für Peter Thilo Hasler, Analyst bei der Hypo-Vereinsbank, ist die BVB-Aktie jedenfalls stark unterbewertet. Den Substanzwert des Unternehmens schätzt er zwischen 180 und 240 Millionen Euro, daraus resultiert für Hasler ein „fairer Aktienkurs“ von 8 Euro.

Aktuell schlägt der BVB mit einer Börsenkapitalisierung von circa 60 Millionen Euro zu Buche - da stimmt die Performance nicht.

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