Bremer Geschäftsleute bedienen das Kapital ihrer Geldgeber mit Kaffee
Jede Woche grüne Bohnen

Kaffee, Nach Öl der zweitwichtigste Rohstoff der Welt, führt im Vergleich dazu ein Schattendasein. Immerhin ist Kaffee in jüngster Zeit erheblich teurer geworden. Das Anlagekonzept einer Brermer Kaffeefirma bietet Anlegern "Rendite mit Genuss" und zahlt diese in Naturalien aus.

DÜSSELDORF Steigt der Ölpreis mal wieder um 50 Cent, bewegt dies die Märkte. Kaffee, der zweitwichtigste Rohstoff der Welt, führt im Vergleich dazu ein Schattendasein. Immerhin ist Kaffee in jüngster Zeit erheblich teurer geworden. Wer sich gegen solche Preissprünge absichern oder einfach mal etwas Ausgefallenes testen will, kann bei der Bremer Gesellschaft Dieckmann Aroma Kaffee fündig werden. Ihr Anlagekonzept verspricht immerhin Rendite und Genuss gleichermaßen.

Die Idee ist einfach. Weil Kaffee frisch gemahlen und geröstet angeblich am besten schmeckt, braucht der Privathaushalt eine Röstmaschine, um seinen Kaffee selbst zu bräunen. Das passende Gerät haben die Bremer bereits auf den Markt gebracht. Um die Küchenmaschinen europaweit zu verkaufen, benötigen die auf der Nürnberger Erfindermesse goldgekrönten Initiatoren Kapital. Denn schließlich wollen sie bei großen Ketten in den Regalen präsent sein.

Erster Adressat für Risikokapital sind zwar Banken. „Doch die denken in Größenordnungen von 100 Millionen Euro und aufwärts“, winkt Unternehmenssprecher Klaus Schmidt ab. Gedacht ist zuerst einmal an zwei Millionen Euro, gestückelt in 2 000-Euro-Tranchen. Dafür bekommen Anleger ihren „Röstmeister“ im Wert von 249 Euro. Bleibt ein zu verzinsender Anteil von 1 751 Euro übrig.

Damit der vom Kaufmann Manfred Dieckmann und Elektromeister Jörg Hartwich – beide mit jahrzehntelangen Erfahrungen bei Eduscho – entwickelte „Röstmeister“ sofort unters Volk kommt, erwerben Anleger das Recht auf regelmäßige Lieferung von ungerösteten Kaffeebohnen: 300 Gramm pro Woche, wahlweise in den Sorten Brasilia, Guatemala, Kenia oder als bekömmlicheren Espresso im Wert von 2,99 Euro plus jährlich sechs Portionen à 300 Gramm Festtagskaffee. Das entspricht einem recht ordentlichen Konsum, umgerechnet 171,60 Euro pro Jahr und damit einer jährlichen Verzinsung von 9,8 Prozent. „Das sichert uns das Nachfolgegeschäft und den Anleger vor künftigen Preiserhöhungen“, verweist Schmidt auf den defensiven Charakter der Anlage. Denn angesichts steigender Rohkaffee-Notierungen wird der Einzelhandel wohl noch im Mai die Preise erneut anheben.

Nach fünf Jahren können Anleger kündigen und sich den Einsatz abzüglich des Rösters zurückzahlen lassen – oder sich weiter Kaffee liefern lassen. Wer von vornherein auf Nummer sicher gehen will, weil er seinen Kaffeebedarf nicht kennt, kann sich die Rendite auch in bar auszahlen lassen, allerdings bekommt er dann nur 4,9 Prozent. „So ein Fall ist uns bislang aber nach einem Testballon und Verkauf von gut 20 Geräten noch nicht untergekommen“, sagt Dieckmann.

Beispiele für Natural-Renditen gibt es schon länger. „Rendite mit Genuss“ bieten Winzer im italienischen Friaul an. Sie bewirtschaften das Gut und lassen Kapitalanleger am jährlichen Ertrag durch Bar- und Rotweinausschüttungen partizipieren. An der Mosel wirbt Winzerin Sybille Kuntz mit 7,5 Prozent Verzinsung, also einer Rendite, die bei Staats- und Unternehmensanleihen nur für hochspekulative Junk-Bonds (Schrottanleihen) zu erzielen ist. Ausgezahlt wird in Riesling, „pünktlich zur vorweihnachtlichen Geschenksaison“. Die Confiserie im fränkischen Lauenstein offeriert ihren 2 000 Euro teuren Genuss-Schein mit einen „Trüffelzins“ von 8,5 Prozent in handgefertigten Pralinen. Weil aktuell alle Scheine vergriffen sind, überlegt die Geschäftsleitung, neue aufzulegen.

Gelingt den Bohnenröstern, was bei edlen Reben und Pralinen möglich ist? Zumindest die Absatzmärkte sind gigantisch – theoretisch. Kauft nur jeder hundertste Haushalt einen Röster, lassen sich allein in Deutschland 36 900 Maschinen absetzen. Vertraut der gemeine Kaffeetrinker aber weiter der „Krönung“ und gehen die Bremer gar Pleite, weil der fast einen halben Meter lange und zweieinhalb Kilogramm schwere Röster für knapp bemessene Küchen zu sperrig ist, droht allerdings Totalverlust.

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