Brexit-Gefahr

Möglicher EU-Ausstieg bringt Briten auf den Geschmack von Gold

Gold gilt seit jeher als Versicherung gegen unsichere Zeiten. Das bestätigt die Lage in Großbritannien: Vor dem „Brexit“-Referendum decken sich die Briten mit Gold ein – alters- und geschlechtsübergreifend.
Mit Gold wollen sich die Briten gegen einen Währungsverfall nach dem möglichen „Brexit“ absichern. Quelle: Reuters
Gold

Mit Gold wollen sich die Briten gegen einen Währungsverfall nach dem möglichen „Brexit“ absichern.

(Foto: Reuters)

LondonDie Angst vor einem Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union treibt die Briten in die Arme von Goldhändlern. Goldbarren oder Münzen wie die „Britannia“ werden zum gefragten Hafen für das Pfund, dem viele bei einem Brexit einen Kursverlust vorhersagen. Vor allem dann, wenn in Umfragen das Brexit-Lager zulegt, steigt auch der Absatz des Edelmetalls. „Es scheint in den Köpfen der Menschen angekommen zu sein, dass es wirklich zum Brexit kommen kann. Alle unsere Bestände werden aufgekauft, bevor sie auch nur den Laden erreichen“, sagte Ross Norman, Chef der Degussa -Beteiligung Sharps Pixley, einem Goldhandelshaus im Londoner Nobelviertel Mayfair.

Auch die Kundschaft der Läden ändert sich. „Es gibt die Vorstellung des typischen Goldkäufers – männlich, über 45 Jahre alt, reif“, sagt Norman. „Doch die Leute, die jetzt kommen, bringen dieses Bild durcheinander – sie sind oft deutlich jünger, und es sind viel mehr Frauen dabei.“ Vor allem die Nachfrage nach der goldenen Britannia, die als offizielles Zahlungsmittel steuerbefreit ist, sei hoch.

Der Goldhändler ATS Bullion, ebenfalls in London, berichtet über einen Umsatzanstieg um fünf bis zehn Prozent. Der Online-Händler BullionVault.com erklärte, der Kundenzuwachs sei im Juni deutlich höher gewesen als in den Monaten davor. „Wir können das nur auf den Brexit zurückführen“, sagte Chefanalyst Adrian Ash.

Öl steigt weiter, Erdgas schmiert ab
Platz 18: Lebendrind
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So neugierig das Rind auch schaut, sein Wert an der Börse sinkt: Um 15,37 Prozent fielen die Erträge für Lebendrind seit Beginn des Jahres laut „Thomson Reuters/Jeffries CRB Index“ (RJ/CRB-Index). Der Index umfasst 19 verschiedene Futures, die an Warenterminbörsen gehandelt werden, und gilt als Indikator für die zukünftige Entwicklung der Inflation oder die Kostenentwicklung in der Industrie.

Platz 17: Orangensaft
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Gut für Gesundheitsbewusste: Der Orangensaft entwickelt sich zum Preisschlager. Seit Jahresbeginn haben die Preise um 11,04 Prozent nachgegeben.

Platz 16: Erdgas
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Der Verbraucher merkt es meist erst viel später – wenn überhaupt. Doch die Gaspreise sind seit Anfang des Jahres um 9,63 Prozent gesunken. Viele Experten rechnen jedoch mit einem langfristigen Anstieg des Preises, vor allem wegen schwindender Erdölreserven.

Platz 15: Kaffee
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Vom Luxusprodukt zum Alltagsgut: Auch Kaffee wird immer günstiger. Seit Jahresbeginn sanken die Preise zwar weniger stark als bei Lebendrind und Orangensaft – aber immerhin noch um 4,1 Prozent.

Platz 14: Kakao
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Nahezu preisgleich geblieben ist der Kakao – mit einem Rückgang von lediglich 0,12 Prozent seit Januar 2016.

Platz 13: Baumwolle
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Nur leicht teurer wurde dagegen Baumwolle. Der Rohstoff, der vor allem im China, Indien, den USA und Pakistan angebaut wird, verteuerte sich seit Jahresbeginn um 0,76 Prozent.

Platz 12: Weizen
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Er ist das am dritthäufigsten angebaute Getreide der Welt: der Weizen. In vielen Ländern wird er als Brotgetreide verwendet und gilt damit als Grundnahrungsmittel. Seit Januar hat sich der Rohstoff um 1,76 Prozent verteuert.

Zur Brexit-Sorge kommen allgemeine Konjunkturängste. Das treibt den Goldpreis seit Monaten weltweit in die Höhe. Eine Unze kostet inzwischen 870 Pfund, gut 150 Pfund mehr als zu Jahresbeginn . Der Preisanstieg im ersten Quartal war der stärkste seit fast 30 Jahren und beendete einen seit fast drei Jahren anhaltenden Rückgang. Besonders für Briten könnte sich der Einstieg jetzt lohnen, wenn es zum Brexit kommt. Fällt das Pfund in diesem Fall tatsächlich wie erwartet, bringt das Edelmetall bei einem Verkauf mehr Pfund ein. Fachleute sagten zuletzt einen Kursverlust des Pfund von neun Prozent voraus.

Die Briten stimmen am 23. Juni darüber ab, ob ihr Land Teil der EU bleibt oder nicht. Meinungsumfragen zufolge zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab, dessen Ausgang bis zuletzt völlig offen bleiben dürfte. „Wenn die Briten für einen Brexit stimmen“, sagt Tony Dobra, Chef des Goldhändlers Baird, „dann werden wir am 24. Juni besonders viel zu tun haben.“

  • rtr
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