BRIC
Kurzporträt: Brasilien

Der Vormarsch der BRIC-Länder in der Weltwirtschaft sei weiterhin beeindruckend, „mit der interessanten Ausnahme Brasiliens“, beobachtet Goldman Sachs (GS) in der neuesten Revision seines BRIC-Konzepts.

HB DÜSSELDORF. Das war vor allem 2005 so: Brasilien zog mit einem mickrigen Wachstum von 2,6 Prozent das Durchschnittswachstum der BRIC-Gruppe auf 7,7 Prozent herunter. Trotzdem bleiben die GS-Experten zuversichtlich, dass Brasilien die Mitgliedschaft im BRIC-Club, dem Elitezirkel der Emerging Markets, verdient. Denn – so lässt sich deren Argumentation verkürzen: Brasilien ist Trittbrettfahrer des rasanten Wachstums in Fernost. Legen China und Indien weiter so zu wie in den letzten Jahren, wird ihnen Brasilien automatisch folgen. Brasilien ist als einer der wichtigsten Rohstoffexporteure weltweit der führende Zulieferer für den Boom in Fernost. Brasilien liefert sowohl Agrarrohstoffe wie Soja, Fleisch, Zucker oder Orangensaftkonzentrat als auch Bergbauprodukte wie vor allem Eisenerz nach Asien.

Weitgehend autonom in seiner Ölversorgung verzeichnet das Amazonasland seit zwei Jahren Rekordüberschüsse in der Handelsbilanz. Mit positiven Folgen für die Stabilität des Landes: Steigende Devisenreserven haben den Risikoaufschlag für brasilianische Anleihen gegenüber vergleichbaren US-Anleihen im Emerging-Market-Bond-Index von JP Morgan von 1 400 Punkte vor drei Jahren auf knapp 300 Punkte gesenkt. Der brasilianische Real wurde 2005 zu einer harten Währung, welche die Inflation in Schach hält. Das Interesse ausländischer Investoren bleibt groß. Sie treiben auch die Börse in São Paulo von einem Rekordindexstand zum nächsten. Zunehmend interessieren sich Privat-Equity-Fonds für brasilianische Unternehmen. Ein Grund ist der große und vergleichsweise hoch entwickelte Binnenmarkt. Die rund 165 Millionen Brasilianer haben mit rund 4 000 Dollar pro Jahr sechsmal so viel Einkommen zur Verfügung wie die Inder. Hauptverantwortlich für das schwache Wachstum sind die niedrige Investitionsquote und steigende Steuern. „Wenn der Staat nicht seine Ausgaben massiv beschneidet, um durch sinkende Zinsen und Verschuldung Platz zu schaffen für private Investoren, wird Brasilien nicht mehr als 3,5 Prozent im Jahr wachsen können“, fürchtet der ehemalige Zentralbankdirektor und Bankier José Júlio Senna. abu

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