Bundesanleihen
Deutschland als sicherer Anleger-Hafen

Die US-Schuldenkrise macht Deutschland zum sicheren Anleger-Hafen. Die Zinsen für zehnjährige Bundesanleihen lagen klar unter 3 Prozent. Laut Ifo zahlt sich jetzt Deutschlands Glaubwürdigkeit aus.
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BerlinDeutschland profitiert mit niedrigen Zinskosten von den wachsenden Zweifeln an der Kreditwürdigkeit der USA und vielen Euro-Ländern: Kein anderes großes Industrieland kann derzeit langfristige Kredite so billig aufnehmen. Die Zinsen für zehnjährige Bundesanleihen lagen am Donnerstag bei 2,74 Prozent - zu Monatsbeginn waren es noch mehr als drei Prozent, im April sogar fast 3,5 Prozent. US-Anleihen, die ihre Top-Bonitätsnote wegen der hohen Verschuldung der größten Volkswirtschaft zu verlieren drohen, werden mit 2,9 Prozent gehandelt. Für italienische Bonds sind es sogar knapp 5,7 Prozent. Auch Italien droht eine Herbstufung seiner Bonität.

„Wir sind so etwas wie der sichere Hafen“, sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen Reuters. Grund dafür sei die hohe finanzpolitische Glaubwürdigkeit. „Wenn Deutschland eine Schuldenbremse ins Grundgesetz schreibt, dann wird von Investoren anerkannt, dass dies eine bindende Regel ist“, sagte Carstensen. „Wenn Griechenland dies tut, dann heißt es: Das ist eine nette Idee, warten wir mal ab, was die daraus machen.“

Deutschlands Kreditwürdigkeit wird von allen Ratingagenturen mit der Bestnote bewertet. Viele Marktteilnehmer berücksichtigen die Urteile der Experten bei ihren Anlageentscheidungen. Etliche institutionelle Anleger wie Pensionskassen oder Versicherungen sind sogar gesetzlich oder durch ihre eigenen Statuten dazu verpflichtet, nur Anleihen mit einem bestimmten Mindestrating zu erwerben oder zu halten. „Allerdings ist auch bei uns nicht alles Gold, was glänzt“, sagte Carstensen. „Wir schultern enorme Risiken, indem wir auf europäischer Ebene Garantien und Kredite vergeben.“ Wegen der 2013 anstehenden Bundestagswahl könnte die Regierung zudem in Versuchung geraten, Steuern zu senken anstatt mit Haushaltsüberschüssen Schulden zu tilgen.

Ob Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble aus den niedrigen Marktzinsen kurzfristig Kapital schlagen kann, ist nicht ausgemacht. „Erst wenn sich dieser Trend verfestigt und über alle Laufzeiten erstreckt, hat das größere Auswirkungen“, hieß es in Regierungskreisen. Grund dafür sei, dass vergleichsweise wenige neue Papiere auf den Markt gebracht werden und zudem gerade bei den langfristigen Anleihen das Handelsvolumen gering sei. Der Bund habe daher kaum Möglichkeiten, sich die niedrigeren Zinsen unmittelbar zunutze zu machen.

Die Bundesregierung rechnet in den kommenden Jahren sogar mit kräftig steigenden Zinskosten. Das Finanzministerium veranschlagt für 2012 und 2013 einen höheren Aufwand von jeweils bis zu zwei Milliarden Euro. Ein Grund dafür ist, dass die Gesamtverschuldung weiter steigt. Auch die Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) tragen zu den Mehrausgaben bei.

Bereits jetzt steht der Bund mit rund 1300 Milliarden Euro in der Kreide. Die Zinsen für die bei Banken und anderen Großinvestoren platzierten Anleihen summieren sich in diesem Jahr auf etwa 40 Milliarden Euro. Das ist nach den Ausgaben für Arbeit und Soziales der zweitgrößte Posten im 306 Milliarden Euro großen Bundes-Etat. Jeder sechste Euro der Steuereinnahmen des Bundes fließt direkt in den Schuldendienst.

 

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Bundesanleihen: Deutschland als sicherer Anleger-Hafen"

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  • bunds??? kein bedarf! da setze ich lieber weiter auf meine high-yield eu perepherie-bonds. und lass mir zins und tilgung notfalls auch vom steuerzahler bezahlen.

  • Meine Bunds habe ich bereits letztes Jahr im Mai verkauft und werde auch keine mehr anfassen. Wenn der Euro bricht, und das es geschieht ist nur eine Frage der Zeit, wird es auch für uns in Deutschland erst mal zur massiven Geldverbrennung kommen. Da ist mir solches Papier zu unsympathisch.

  • Die Pensionskosten und Sozialversicherungskosten, Transfer- und Zinszahlungen in einem Land mit alternden Bevölkerung sind nicht in der Summe der aufgelaufenen Schulden berücksichtigt. Jede Wette die wirkliche Verschuldung ist min. das Vierfache der bisher bekannten Schulden. Ein Sicherer Hafen ist das nicht. Wohl eher eine Abwrackstelle.

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