Chance auf gute Gewinnmitnahmen
Das große Geld wird mit Schrott-Anleihen gemacht

Der große Börsenguru André Kostolany bekannte zu Lebzeiten, mit Schrott-Anleihen und nicht mit Blue-Chip-Aktien das große Geld gemacht zu haben.

Wer beispielsweise der im November vergangenen Jahres auf 70 % abgestürzte 7,125-%-Anleihe der Deutschen Nickelwerke vertraute, konnte reichlich Rendite einstreichen. Denn der Absturz hatte wenig mit Problemen des Herstellers von Münzrohlingen und Tapeten zu tun.

Vielmehr mussten, wie in Marktkreisen zu hören ist, Großanleger in aller Eile verkaufen, um neuen internen Regularien zu entsprechen. Auf diese Weise drückten plötzlich einige der insgesamt 120 Mill. Euro Nennwert der nicht gerateten Nickel-Anleihe auf den Markt. Der Kurs stürzte innerhalb weniger Wochen von 105 % auf 70 %. Dass dadurch Millionen als Kursverluste "verbrannten", wurde offenbar als unvermeidlicher Kollateralschaden hingenommen. Inzwischen notiert die Anleihe wieder über 100 %. Ende August wurden brav die Zinsen ausgezahlt. Und der Aktienkurs der VDN-AG, der Muttergesellschaft der Nickelwerke, hat sich - ausgehend von niedrigem Niveau - zuletzt bei vergleichsweise hohen Umsätzen fast verdoppelt.

Eine solche Entwicklung ist kein Einzelfall auf dem Anleihemarkt, dem traditionellen Tummelplatz für Vermögensverwalter. So konnte sich trotz aller bedrohlichen Nachrichten und Kommentare zum Fall Alstom ein routinierter Beobachter doch nicht ernsthaft vorstellen, der italienische EU-Kommissar Romano Prodi werde mit seinem Beihilfeverbot den französischen Elektroriesen wirklich in die Zahlungsunfähigkeit schicken. Es geht dabei schließlich um mehr als 100 000 Arbeitsplätze und eines der wichtigsten Großunternehmen aus jenem Land, das den Italienern einen Großteil des benötigten Stroms liefert.

Für ABB und andere Anleihen wackeliger Unternehmen mit schlechtem oder gar keinem Rating zahlt der Markt inzwischen ebenfalls wieder viel bessere Kurse. Selbst die 5,5-%-Rinol-Anleihe, die eigentlichen am 15. Oktober zurückgezahlt werden müsste, steht noch mit 95 % in der Kursliste. In eine ähnliche Richtung könnte auch der Vorschlag gehen, den EM-TV seinen Anleihe-Gläubigern unterbreiten wird. Es geht um 469 Mill. , welche die Filmgesellschaft am 16. Februar 2005 nicht zurückzahlen kann.

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