Chancen in Brasilien, Russland, Indien und China
Bullenmarkt Bric

Wachstumsmärkte: Die so genannten Bric Staaten - Brasilien, Russland, Indien und China - stehen vor einem spannenden Jahr. Während der Aktienparty in China das Ende droht, könnte die Hausse in Brasilien weitergehen.

Party in São Paulo

SÃO PAULO. Am letzten Novembertag brach das elektronische Handelssystem der Börse São Paulos in Brasilien zusammen. Bei der Aktienemission (IPO) der benachbarten Terminbörse BM&F konnte die Informatik die Orderflut der Investoren nicht bewältigen. Es dauerte mehr als eine Stunde, bis der Einstandskurs ermittelt werden konnte.

Gerüchte, dass die wenige Wochen zuvor selbst auf dem Kurszettel gestartete Aktienbörse Bovespa mit der Terminbörse fusionieren könnte, regte die Investoren zum Kauf der BM&F -Aktie an; schließlich handelt es sich um die viertgrößte Terminbörse weltweit. Die beiden Börsengänge bildeten den Abschluss eines der bestenAktienjahre Brasiliens: 63 neue Unternehmen listeten erstmals ihre Aktien in São Paulo. Rund zehn Prozent des weltweiten Emissionsvolumens versammelt sich dieses Jahr in Brasilien. 28 Mrd. Dollar neues Kapital gelangte so an den führenden Aktienmarkt Lateinamerikas, wie der Finanzdatenanbieter Thompson Financial berechnete. Rund 70 Prozent davon stammt von ausländischen Investoren.

Trotz des hohen Interesses entwickelte sich zwar nur ein Drittel der neuen Aktien besser als der Index. Dennoch sieht alles so aus, als würde der Bovespa 2008 ein neuer IPO-Boom bevorstehen: Am interessantesten erscheint der Börsengang des Kreditkartenmanagers Visanet, nachdem dem Konkurrenten Redecard 2007 der drittgrößte IPO des Jahres gelungen war. Aber auch neue Öl- und Gaskonzerne, Agroproduzenten, Autozulieferer und Infrastrukturunternehmen wollen an die Börse. Bei der Bovespa haben rund drei Dutzend Unternehmen ihr Interesse an einem Börsengang offiziell angemeldet.

Derzeit spricht vieles dafür, dass die brasilianische Börse auch nach fast fünf Jahren steigenden Kursen noch weiteres Potenzial hat. Seit Anfang 2003 hat sich der Index verfünffacht; in diesem Jahr ging es um 48 Prozent nach oben. In den letzten Börsenwochen suchten die Investoren insbesondere nach günstigen Standardwerten. So konnten der Kosmetikhersteller Natura, die Staatsbank Banco do Brasil, die Zellulosehersteller Aracruz und Votorantim Celulose e Papel noch kräftig zulegen, obwohl die Investoren sich das Jahr gegenüber diesen Aktien zurückhaltend gezeigt hatten.

Positiv wirkt für den Aktienmarkt, dass der seit 30 Jahren währende Wirtschaftsaufschwung anhalten könnte. "Erstmals seit langem treiben Konsum und Investitionen gleichzeitig das Wachstum", sagt Alexandre Schwartsman, Chefökonom von ABN Amro für Lateinamerika, "das macht den Aufschwung solide." Positiv stimmt den Ökonomen auch, dass die steigenden Importe vor allem aus Investitionsgütern bestehen. Dadurch steigt die Produktivität der Unternehmen. Durch hohe Exporteinnahmen und Direktinvestitionen wird die Leistungsbilanz weiterhin positiv bleiben. Für den Morgan-Stanley-Ökonomen Marcelo Carvalho wird die Kreditversorgung die Konjunktur noch länger beleben. "Das Kreditvolumen kann noch über Jahre wachsen", sagt Carvalho. Statt des lange vorherrschenden Niveaus von durchschnittlich zehn Prozent sind die Realzinsen auf sieben Prozent gesunken. Die Folge: Der Immobilienmarkt brummt; die Autobranche feiert das beste Jahr ihrer Geschichte.

Eine weiterhin gute Börsenstimmung in Brasilien erwartet auch Alexandre Bettamio von UBS Pactual durch die bevorstehende Heraufstufung der brasilianischen Wirtschaft auf "Investment-Grade". Dadurch würden große Mengen an langfristigen Investitionen nach Brasilien strömen. Auch seien die brasilianischen Unternehmen wegen des traditionell geringen Kreditangebots hochkapitalisiert und deswegen im internationalen Vergleich gut vorbereitet auf Fusionen und Übernahmen.

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