Charttechnik
Die Märkte sind in einer „Alles-oder-nichts-Phase“

Geht es nach den Charttechnikern der UBS, dann stehen den Börsen harte Wochen bevor. Sie prognostizieren nicht weniger als einen "Richtungswechsel für Europa". Und einen möglichen Kurssturz auf das Niveau von 2009.
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FrankfurtEuropäische Aktien sind auf kurze Sicht noch immer überkauft. Zu dieser Einschätzung sind jetzt zwei technische Analysten von der Schweizer Großbank UBS gekommen. Bis Ende September und Oktober drohen ihrer Meinung nach weiterhin Rückschläge. Die nächsten taktischen Kauf-Chancen haben Michael Riesner und Marc Müller erst für den Beginn des vierten Quartals ausgemacht.
Banken und Versicherer bewegen sich in Richtung einer neuen Alles-oder-Nichts-Situation, wie die Analysten weiter erklärten. Sie würden die Underperformance-Trends aus den Jahren 2007 und 2009 testen. Es handele sich um einen “weiteren potenziellen Richtungswechsel für Europa.”

Im September stehen wichtige Zentralbankentscheidungen an, das Bundesverfassungsgericht wird sich zum ESM äußern, Spanien könnte europäische Finanzhilfen beantragen, und für Griechenland geht es wieder einmal darum, ob weitere Rettungsgelder fließen oder nicht. "Selten lagen Chancen und Risiken so eng beisammen, wie es derzeit an den Kapitalmärkten der Fall ist", sagt Aktienstratege Matthias Thiel von MM Warburg. "Zwei Punkte dürften in den kommenden Wochen ausschlaggebend sein: Wie werden die Zentralbanken und insbesondere die EZB handeln, und wie entwickelt sich die Konjunktur im Verlauf der zweiten Jahreshälfte weiter?"

Für die kommenden Tagen erwarten die Strategen noch keine großen Sprünge. Die psychologisch wichtige Marke von 7000 Punkten hatte der Leitindex zwar vorübergehend überwunden, konnte sie aber nicht verteidigen. Die Experten der Landesbank Berlin halten es für wahrscheinlich, dass noch mehr Investoren Kasse machen. Immerhin hat der Dax allein seit Juli knapp 13 Prozent an Wert gewonnen. Auf Wochensicht hat der Leitindex nun anderthalb Prozent eingebüßt. Am Freitagmittag notierte er um 6930 Zähler.

Hoffnungsanker für viele Anleger bleiben die Notenbanken. Erster wichtiger Termin: das am Freitag beginnende traditionelle Treffen führender Zentralbanker in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming. 2010 hatte Fed-Chef Ben Bernanke auf eben diesem Treffen das zweite Anleihen-Kaufprogramm angekündigt.

Auch die EZB-Sitzung am 6. September wird in den kommenden Tagen verstärkt in den Fokus rücken. Spekulationen, wie genau der Masterplan der Zentralbank wohl aussehen wird, dürften die Märkte in den kommenden Tagen in Bewegung halten. Im Gespräch sind unterstützende Käufe von Anleihen angeschlagener Länder. Eine andere Variante wäre die Festlegung auf bestimmte Zinsschwellen, oberhalb der die EZB interveniert.

Angesichts der Spekulationen um ein neues Anleihen-Kaufprogramm der Fed werden auch die US-Konjunkturdaten einer genauen Prüfung unterzogen. Im Fokus stehen unter anderem die Konsumausgaben am Donnerstag.

Von Reuters befragte Analysten rechnen nach einer Stagnation im Vormonat nun mit einem leichten Plus im Juli. Der private Verbrauch gilt als die Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft. Am Freitag liefert dann noch der Stimmungsindikator der Einkaufsmanager aus dem Großraum Chicago Hinweise auf die Perspektiven für die US-Konjunktur.

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Kommentare zu " Charttechnik : Die Märkte sind in einer „Alles-oder-nichts-Phase“"

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  • Zitat: "Ja bitte, ruhig runter damit. Ich sitze seit meinem leider etwas zu frühen Ausstieg vor 4 Wochen auf einem riesigen Cash-Berg an Liquidität, der momentan zu Magerzinsen auf dem Tagesgeld-Konto versauert und nur darauf wartet wieder aktiv zu werden."

    So wie Ihnen geht es Millionen Zockern weltweit. Wie soll da der DAX abstürzen? Sobald der mal 200 oder 300 Pkte fällt, rutschen die ganzen Fondsmanager schon unruhig auf ihrem massenhaft vorhandenem Geld herum und viele werden wieder investieren.

  • Alles oder nichts. Für den Kleinanleger Nichts. Der Dax wird zusammenbrechen ebenso wie der Euro und die Wirtschaft.

  • Der Baltic Dry Index (Transport per Schiff) ist rasant eingebochen, was darauf schließe lässt, dass der Warenverkehr stark nachgelassen hat.

    Ich definiere das mal als Micky Mouse Effekt, die über eine Klippe meterweise weiter läuft, bis sie bemerkt, dass nur noch ein luftiger Abgrund unter ihren Füßen liegt und erste jetzt zeitvertögert die Schwerkraft ihre Arbeit verrichtet.

    Das ist die Aufgabe der Politik diese Illusio so lange wie möglich am Leben zu halten, bis das finale Ende plötzlich hereinbricht. Und das geht durchaus Jahrelang!

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