Chefstratege im Interview
„Inflation trifft Vermögende hart“

Unser Geld basiert allein auf Vertrauen. Doch was passiert, wenn das Vertrauen schwindet? Christophe Bernard, Chefstratege von Vontobel, sieht dafür Anzeichen. Er erklärt, wie die Reichen ihr Geld in Sicherheit bringen.
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Herr Bernard, wer garantiert, dass das Geld in Zukunft noch etwas wert sein wird?

Niemand. Unser Geld basiert allein auf Vertrauen. Es ist für uns selbstverständlich, dass wir damit zum Bäcker gehen können, und es gegen ein Brot eintauschen können. An sich ist eine Banknote gar nichts wert – im Gegensatz zu Silber- oder Goldmünzen, die einen Materialwert aufweisen.

Papiergeld, das sich aus dem Nichts schaffen lässt, ist eine sehr neue Erfindung ist. Kann das auf Dauer funktionieren?

Wir wissen es noch nicht. Die Zukunft wird es zeigen.

Früher waren die Währungen mit Gold unterlegt, einem Edelmetall, das sich nicht beliebig vermehren lässt. Dahinter steckte ein echter Wert, und es konnte auch niemand so viel Geld drucken, wie er wollte.

Es ist richtig, die Entkoppelung der Währungen von Gold ist relativ neu, es gibt sie erst seit 40 Jahren. Gold ist dagegen schon um 560 vor Christus unter König Krösus von Lydien als Zahlungsmittel eingeführt worden – und hat seine Kaufkraft seitdem einigermaßen behalten. In Babylon konnten sie ungefähr 350 Brotlaibe für eine Feinunze kaufen. Das ist heute immer noch in etwa so.

Brauchen wir einen neuen Goldstandard?

Die Koppelung an Gold wäre aus heutiger Sicht unvernünftig. Eben weil die Menge an Gold, die gefördert werden kann, begrenzt ist. Wenn davon die Geldmenge abhinge, würde man das Wachstum künstlich bremsen. Großbritannien hatte während des Ersten Weltkrieges die Goldpreisbindung praktisch aufgeben. Als man nach dem Krieg versuchte, das Pfund wieder an Gold zu binden, gab es eine massive Deflation. Die Folge des sturen Festhaltens an Gold waren zwei Millionen Arbeitslose. Auf diese Zeit bezieht sich der bekannte Ausspruch von Keynes, Gold sei ein 'barbarisches Relikt'.

Damit eine Papierwährung stabil ist, müssen Politik und Notenbank sehr diszipliniert vorgehen. Kann das überhaupt funktionieren?

Immerhin hat die deutsche Bundesbank gezeigt, dass es funktionieren kann. Hätte die Deutsche Mark einen festen Bezug zu Gold gehabt, hätte Deutschland diese Wirtschaftsleistung höchstwahrscheinlich nicht erbringen können. Eigentlich ist Papiergeld die beste Lösung, um Wachstum und Inflation zu steuern. Dazu muss die Notenbank allerdings unabhängig sein. Ich gebe zu: Die Bundesbank war und ist da eher die Ausnahme.

Die Regel war in den vergangenen Jahren, dass Notenbanken die Märkte mit schier unendlich viel billigem Geld beglückt haben. Finden Sie das richtig?

Wenn die Notenbanken seit 2008 nicht massiv gegengesteuert hätten, hätten wir eine Depression, mit unkalkulierbaren Risiken. Es war bis dato richtig, diese Maßnahmen zu treffen. Aber ich bin gespannt, wie man einerseits die Schuldenberge abtragen und andererseits die massiv ausgeweiteten Bilanzen der Zentralbanken zurückfahren will.

Kommentare zu " Chefstratege im Interview: „Inflation trifft Vermögende hart“"

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  • "Die Koppelung an Gold wäre aus heutiger Sicht unvernünftig. Eben weil die Menge an Gold, die gefördert werden kann, begrenzt ist. Wenn davon die Geldmenge abhinge, würde man das Wachstum künstlich bremsen. "

    Ja genau. Die Goldmenge ist begrenzt. Ebenso wie alle anderen Rssourcen in der Welt. Ebenso wie Wasser, Nahrung, Öl und Arbeitskraft begrenzt ist. Ebenso wie es kein unbegrenztes Wachstum gibt.

    Aber einige wollen ihre unbegrenzte Gier befriedigt sehen. Darum wurden die Währungen vom Gold entkoppelt. Damit es "unbegrenzt" ist. Aber das gibt die Natur nicht her.
    Das funktioniert ebensowenig wie ein Perpetuum Mobile.

  • Bei dem Riester-Fondssparplan kann man aber auch Pech haben, da muß man differenzieren. Manche Produkte schichten in Baissephasen sämtliche Aktien- in Rentenfonds um, um die Garantie zu wahren. Dabei sollte man in Baissephasen eigentlich Aktien antizyklisch zukaufen.

  • "Hier noch eine Anlageempfehlung von Jesus Christus für Reiche"
    Das klänge überzeugender, wenn der Experte für das Thema "Was will Gott von uns", d.h. die Kirche, nicht selbst so viel Vermögen angehäuft hätte.

    So kann ich nur sagen, was Tebarz van Elst, Walter Mixa und Konsorten gut finden, MUSS gottgefällig und daher nachahmenswert sein...

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