Chefvolkswirt Allgeier: „Wahrscheinlichkeit für einen Abschwung ist hoch“

Chefvolkswirt Allgeier
„Wahrscheinlichkeit für einen Abschwung ist hoch“

Auch zwei Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise sind die Investoren noch zögerlich. Zurecht, sagt Burkhard Allgeier, Chefvolkswirt und Leiter der Anlagestrategie bei Hauck & Aufhäuser. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt er, warum große Teile des US-Aufschwungs verpuffen, wieso Europa noch nicht über den Berg ist und welche Konsequenzen Anleger daraus ziehen sollten.
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Herr Allgeier, die Suche nach Sicherheit und Kapitalerhalt ist bei vielen Anlegern trotz solider Börsenentwicklung so hoch wie lange nicht mehr. Was raten Sie diesen Kunden im Moment?

Zehnjährige Bundesanleihen, die in diesem Zusammenhang stets als erstes genannt werden, kann man im aktuellen Umfeld bei rund 2,4 Prozent Rendite kaum empfehlen. Nach Kosten, Steuern und Inflation bleibt da so gut wie nichts übrig. Es gab zuletzt jedoch einige interessante Unternehmensanleihen, beispielsweise von Heidelberg Cement, Haniel oder Conti, die deutlich höhere Renditen bei einem überschaubaren Risiko bieten. Aber nicht nur Privatanleger wollen mehr Sicherheit, auch Institutionelle Großkunden suchen verstärkt danach.

Ist man da nicht übervorsichtig angesichts der überraschend guten Konjunkturentwicklung nach der sehr heftigen Finanzkrise der vergangenen Jahre?

Wir denken, dass diese Vorsicht besonders angesichts der Lage in den USA angebracht ist. Jeder Aufschwung dort wurde in der Vergangenheit belebt durch den privaten Konsum und den Wohnungsbau. Das ist diesmal nicht so, deswegen zünden drei Viertel des erwarteten US-Wachstums nicht. Die Wahrscheinlichkeit für einen neuerlichen Abschwung ist deshalb sehr hoch. Wir sind in den USA auf dem Weg zu japanischen Verhältnissen mit ultraniedrigen Zinsen und einem nur geringen Wachstum.

In Europa ist davon jedoch noch wenig zu spüren. Werden wir deshalb überhaupt davon betroffen sein?

Europa leidet schon, Deutschland bildet lediglich eine gewisse Ausnahme. Hier sind die Industrie und die Exportwirtschaft so aufgestellt, dass sie jedes Mal profitieren, wenn irgendwo auf der Welt ein Aufschwung stattfindet. Da dies quasi immer irgendwo ist, lässt sich hier manches kompensieren. Außerdem gibt es hier nur ein geringes Ausmaß an Verschuldung bei den privaten Haushalten. Hinzu kommt, dass das Land nicht so deindustrialisiert ist wie beispielsweise Großbritannien.

Außerhalb Deutschlands ist im Euro-Raum nach dem Rettungsschirm der Regierungen im Juni bislang Ruhe eingekehrt. Der Euro hat sich stabilisiert, die Sparbemühungen in Ländern wie Griechenland, Portugal und Irland wirken seriös und ambitioniert.

Trotzdem sind die Kurse griechischer Staatsanleihen so niedrig wie im Mai. Der Kapitalmarkt sagt weiterhin: Es könnte zu einem Ausfall kommen. Dennoch hat man die Hoffnung, dass der Stabilitätsprozess greift. Die Nachrichten der vergangenen Tage, aus Irland beispielsweise, zeigen aber auch, wie schnell uns das Thema Staatsverschuldung wieder einholen kann. Ich denke schon, dass im Hintergrund daran gearbeitet wird, wie eine geordnete Insolvenz eines Staates ablaufen und welche Effekte dies für den Euro-Raum haben könnte.

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  • die Wahrscheinlichkeit von Unabwägbarkeiten wird Fluidum der Wirtschaft bleiben?

  • @Andreas sarrazin gen knallt voll rein.Welches gen haben wir aus ruinen eine erfolgreiche ökonomie gestaltet und dann beim Versuch gescheitert Europa auf den weg zu bringen,Schuldzuweisungen okay ein hemmungsloser Kapitalismus der nur auf spekulation beruhte,gier frisst hirn,du bist nicht alleine es gibt auch lumpeneliten in Nadelstreif.Ws ich dir sagen mus es sind nicht immer die andern die schuld haben,ein bier weniger vielleicht.

  • [5] Andreas,
    na das wäre aber peinlich, wenn Sie demnächst ihre Sozialhife in Schekel ausbezahlt bekommen würden.
    Statt 5 biere nur noch eins.

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