China: Börse & Olympia
Schneller, höher – und weiter?

In China scheint alles sich derzeit jedes Wertpapier vergolden zu lassen. Doch nach ersten Kursverlusten an den ansonsten ungebremst boomenden Börsen scheint klar, dass der dortige Aktienmarkt auf einer Blase sitzt, die nur auf ihr Platzen wartet. Dennoch gibt es im Hinblick auf das Olympia-Fieber noch gute Prognosen und für viele zählt nur ein Gedanke – dabei sein ist alles.

PEKING. Es klang wie ein Warnschuss. Nachdem die chinesische Regierung den Mindestreservesatz für Geschäftsbanken erhöht hatte, brach gestern der Hang-Seng-Index an der Hongkonger Börse um 3,9 Prozent ein. Auch der marktbreitere Shanghai Composite Index (SCI) an der Festlandbörse Schanghai verlor 2,4 Prozent. Es war der vorläufige Höhepunkt einer ernüchternden Woche: Der SCI gab in diesem Zeitraum um acht Prozent nach – der höchste Wochenverlust seit 1997.

Schon nach dem Milliardenbörsengang des Energiekonzerns Petrochina in Schanghai am Montag der vergangenen Woche warnten immer mehr Experten vor einem Platzen der chinesischen Aktienblase. Das Papier hatte am ersten Handelstag seinen Wert verdreifacht. "Es ist fünf vor zwölf für Peking, die Luft aus der Blase zu lassen“, rät etwa Qu Hongbin, China-Volkswirt von HSBC in Hongkong. Unternehme China nichts, steige mit jedem Tag die Gefahr eines Börsencrashs.

Der hohe Handelspreis für Petrochina-Aktien ist nach Ansicht vieler Experten ein Beleg dafür, dass sich in China eine gefährliche Aktienblase gebildet hat. Chinas führender Leitindex in Schanghai habe in weniger als zwei Jahren um 550 Prozent zugelegt, warnt Qu Hongbin: "Und jeden Tag stecken mehr als 200 000 Privatanleger, darunter Pensionäre und Schuhputzer, ihr Erspartes in Aktien – in der Hoffnung, dass die Kurse nur nach oben gehen.“

Das werde auf Dauer kaum so bleiben, ist auch Ivo Naumann, Bankenexperte von AlixPartners Asia LLC in Schanghai, überzeugt. Der Preis für viele an den Festlandbörsen notierte Unternehmen sei inzwischen nicht mehr realistisch. "Klar ist, dass die Bewertungen zu hoch sind“, sagt Naumann. Er erwartet eine deutliche Kurskorrektur an den China-Börsen. "Letztlich entscheiden eben doch Fundamentaldaten.“ Vorher werde es bereits kleinere Einbrüche "von zehn oder 20 Prozent“ geben, glaubt Naumann. Mit Blick auf die vergangene Kursentwicklung an den Börsen in Schanghai oder Shenzhen sei dies "nicht zu dramatisch“.

Die Ernüchterung an Chinas Börsen müsse keineswegs schon bald kommen. Zwar ist die Bewertung der im Festland notierten chinesischen Firmen mit einem durchschnittlichen KGV von 60 sehr hoch. Im Vergleich zu anderen Börsenkrisen in Tokio Ende der achtziger Jahre, in Taiwan Anfang der neunziger Jahre oder an der Nasdaq (vor 2001) sei das Verhältnis noch lange nicht bedrohlich, so Naumann. Dort hatte der KGV stets über 100 betragen, als die Märkte einbrachen.

Auch Horst Löchel, Vize-Präsident des Shanghai International Banking & Finance Institute, rechnet damit, dass es an Chinas Festlandbörsen zunächst weiter aufwärts geht, zumindest solange die Lage an den internationalen Börsen stabil bleibt. Einen schnellen Solo-Crash in China erwarte er nicht, "schon gar nicht vor den Olympischen Spielen.“ Bis zum Großereignis im Sommer 2008 in Peking werde Chinas Regierung alles tun, so die Meinung der meisten Experten, eine Börsenkrise im Land zu vermeiden.

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