Chinas Börse
Schlechtes Omen, gute Aussichten

In Hongkong und Shanghai mussten die Börsen zuletzt Einbußen verkraften. Doch Analysten blicken mit vorsichtigem Optimismus in das neue Handelsjahr und geben bereits erste Anlagetipps.
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PekingDer chinesische Aktienmarkt hat das neue Jahr nach dem traditionellen Kalender mit Verlusten begonnen. Das führende Kursbarometer Shanghai Composite lag nach der Neujahrspause knapp anderthalb Prozent im Minus. Auch in Hongkong zeigte die Kurstafel in den ersten Tagen des angebrochenen Drachenjahres überwiegend Verluste.

Abergläubische Investoren in Ostasien sehen darin ein schlechtes Omen für das gesamte Jahr – und werden darin von aktuellen Zahlen bestätigt: Die Immobilienpreise am wichtigen chinesischen Markt sind während der Feiertage weiter gesunken, während die Regierung sich in der Frage neuer Konjunkturpakete zunehmend stur zeigt und derzeit lieber das Geld zusammenhalten will. Immobilien- und Baufirmen gehörten zu den größten Verlierern.

Doch gerade die akut schlechte Stimmung macht bei nüchternen Marktbeobachtern Hoffnung darauf, dass sich der Trend schon bald drehen könnte. Wenn der Regierung klar werde, wie viel Schaden eine knauserige Geldpolitik gerade jetzt anrichtet, werde sie ein Einsehen haben und wieder mehr Kapital unter die Leute bringen, lautet eine verbreitete Ansicht unter Ökonomen. „Investoren sollten asiatischen Aktien gegenüber konstruktiv bleiben“, raten Analysten der Credit Suisse in einer Markteinschätzung. Im Jahr des Drachen sollten die Anleger China, Hongkong und Indonesien übergewichten.

Die Credit Suisse empfiehlt konkret den Kauf von Aktien mit hoher Dividende mit hohem Bezug zur Binnenwirtschaft aus der Region. Auch örtliche Analysten halten Kursanstiege für möglich. „Die Sicht nach vorne ist gering, doch ich würde mit steigenden Kursen in der ersten Jahreshälfte rechnen“, sagt auch Marktexperte Zeng Hongyu von Guoyuan Securities in Shanghai.

Pekings wirtschaftsfreundliche Haltung weckt Optimismus

Grund für den Optimismus der China-Anleger ist die grundsätzlich wirtschaftsfreundliche Haltung der Regierung in Peking. Sie will zwar die Bildung von Geldanlageblasen verhindern, hat jedoch immer wieder signalisiert: Wenn es hart auf hart kommt, lassen wir euch nicht hängen, zumal die Krise in Europa noch nicht ausgestanden ist. „Wenn sich die Bedingungen deutlich verschlechtern, ist noch Raum für aggressive Maßnahmen“, schreibt Ökonom Zhang Zhiwei von Nomura. Dazu könnten eine Lockerung der Mindestreservevorschriften für die Banken gehören, aber auch Zinssenkungen oder eine befohlene Steigerung der Kreditvergabe. Mehr billiges Geld mag für die langfristige Kapitalnutzung vielleicht schlecht sein – am Aktien- und am Immobilienmarkt würden diese Nachrichten Wunder wirken.

Deshalb beobachten die Marktteilnehmer derzeit vor allem die Politik sehr genau, sagt Analyst Zeng. „Vor allem makroökonomische Faktoren treiben den Markt.“ Es fehle derzeit nicht an Kapital, sondern an Vertrauen in die Zukunft. Speziell in China nagt eine drohende Korrektur am Immobilienmarkt an der Zuversicht, dazu kommen die ungewisse Zukunft der Exportwirtschaft und steigende Schulden der Lokalregierungen.

Obwohl Chinas Wirtschaft auch während der Krisen in Amerika und Europa kräftig gewachsen ist, waren die Aktienanleger im vergangenen Jahr auffällig misstrauisch. Der führende Hongkonger Index Hang Seng ist in den vergangenen zwölf Monaten rund 18 Prozent gefallen, der Aktienmarkt Schanghai hat 23 Prozent eingebüßt. Praktisch alle in China wichtigen Branchen waren betroffen: Banken, Immobilien, Bau, Baumaterialien, Rohstoffe und Versorger.

Tatsächlich sind die Gewinne der börsennotierten Unternehmen im Laufe des Jahres 2011 bei weitem nicht so stark gewachsen wie gewohnt. „Der Rückgang im Gewinnwachstum der Industrie zeigt, dass die Wirtschaft an Schwung verliert“, urteilen Ökonomen des Wertpapierhauses Nomura. Grund sei eine bevorstehende Schwächephase der Immobilienbranche. Vor allem Stahl- und Energieerzeuger könnten darunter leiden. Doch auch die Aktien von Finanzfirmen, die den Büro- und Wohnungsmarkt mit Geld versorgt haben, dürften betroffen sein.

Doch das Jahr des Drachen kann durchaus eine moderate Erholung der Aktienkurse bringen. „Es könnte besser werden als das vergangene Jahr“, sagt Analyst Zeng von Guoyuan Securites. Hintergrund ist vor allem, dass der Aktienmarkt selbst in Anbetracht einer Korrektur der Immobilienpreise und sinkender Exporte nach Europa preiswert wirkt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der wichtigen Aktien chinesischer Unternehmen wirkt jedenfalls niedrig.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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