Chinas Konsumboom hat gerade erst begonnen
Sind China-Aktien Perlen oder Geldvernichter?

Expertenmeinungen über die Perspektiven der „Red-Chips“ gehen weit auseinander. Zwei Bücher beleuchten die Perspektiven des chinesischen Aktienmarktes.

mg PEKING. Cesar Bacani drückt sich gerne plastisch aus: „Ich beabsichtige, im Erdgeschoss in den chinesischen Börsenaufzug zu steigen und bis zur Decke zu fahren“, schreibt er in seinem jüngsten Buch, „The China Investor“. Bacanis These wird in den Pupillen vieler Kleinanleger dicke Dollarzeichen erzeugen. „Ich habe den Schluss gezogen“, schreibt der in Hongkong lebende, ehemalige Finanz-Chefredakteur des Magazins Asiaweek, „dass meine beste Chance für eine auskömmliche Rente im Aufbau eines langfristigen, China-bezogenen Portfolios liegt“. Die Betonung liegt auf langfristig.

Er schlägt elf Aktien von chinesischen oder in China Geld verdienenden Unternehmen vor, die eine klare Ausrichtung auf das Wachstum Chinas, einen Focus auf die am schnellsten wachsenden Branchen und Provinzen des Landes und ein nachgewiesen gutes Management besitzen. Dazu gehören die Titel des Pekinger Flughafens, der Mobilfunk-Primus China Mobile, der Fernsehhersteller TCL, der Energieversorger Huaneng Power International sowie der Chip- und Logistiktitel Shanghai Industrial Holdings.

Bacanis Ausgangsthese ist kaum zu bestreiten. China ist heute der weltweit effizienteste und billigste Hersteller von Elektronik, Spielwaren, Bekleidung und vielen anderen Industrieprodukten. Und diese Wachstumsgeschichte hat einen langen Atem. Chinas Konsumboom hat gerade erst begonnen. Die Restrukturierung der maroden Staatswirtschaft setzt enorme Kräfte frei und die Industrieproduktion wird rasant angetrieben von dem Verlangen, die Abhängigkeit von Importen rasch abzubauen.

Kaum ein gutes Haar an den China-Börsen lässt jedoch Stephen Green, ein erfahrener Landeskenner vom Royal Institute of International Affairs. Für Green sind Chinas Börsen als Kapitaldrehscheibe in der Volkswirtschaft des bevölkerungsreichsten Landes praktisch unbedeutend, sagt er in seinem Buch „Chinas Stockmarket: A Guide to its progress, players and prospects“. Wenn jeder wild spekuliert und nur auf kurzfristige Gewinne aus ist, dann schleust die Börse nicht das Kapital zu den besten Firmen oder den produktivsten Investments. Die Börsen disziplinieren nicht die Manager der Publikumsgesellschaften, sie vergeuden nur die Zeit der Anleger. Dies ist ein harter Faustschlag auf das ohnehin schon blaue Auge der Investoren. „Die meisten Firmen schnitten nach ihren Börsengängen schlecht ab und wurden dann noch schlechter“, lautet Greens vernichtendes Urteil.

Für Green sind chinesische Börsenfirmen Geldvernichter, die, so zitiert er eine Untersuchung der Brunel-Universität, im Jahr 2001 durchschnittlich 43 Mill. Dollar Börsianer-Geld verbrannten. Die Börsenaufsicht im Reich der Mitte hält Green für schizophren, weil sie einem politischen Diktat unterworfen wird, das da lautet: Oberstes Gebot ist die Versorgung der Staatswirtschaft mit Kapital sowie hohen Kursen, damit die Anleger zufrieden sind. Ein „sauberer“ Markt mit klaren Regeln, Transparenz und weit reichendem Schutz der Anleger sei dagegen in China zweitrangig.

„Was kann in Abwesenheit einer liberalen Demokratie überhaupt die Regulierung der Börse verbessern?“, stellt Green die Frage, die nur selten gestellt wird, wenn es um Chinas Börsen geht. Seine Antwort: Löcher im Pensionssystem, Probleme der Banken und steigende öffentliche Defizite werden die Regierung auf Dauer davon abhalten, die maroden Staatsfirmen koste es was es wolle am Leben zu erhalten. Das ist zumindest eine Perspektive.

Quelle: Handelsblatt

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