Chinesische Aktien
Banken haben sich verzockt

Im vergangenen Jahr gab das Versprechen politischer Reformen in China Anlegern Hoffnung auf Wachstum. Doch die Kurse chinesischer Unternehmen fielen. Unter den Verlierern sind auch Goldman Sachs und Credit Suisse.
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New YorkSie hofften so sehr auf politischen Fortschritt. Als China im November die umfangreichsten Reformen seit Beginn der 1990er Jahre verkündete, trieben Investoren die Kurse chinesischer Unternehmen so kräftig nach oben, wie seit Jahren nicht mehr. Doch die Wetten auf Chinas Reformkurs sind nach hinten losgegangen. Seit dem der Bekanntgabe der Reformen weist der Hang Seng China Enterprises Index weltweit die stärksten Verluste auf.

Der chinesische Leitindex, in dem 45 der wichtigsten chinesischen Unternehmen gelistet sind, ist zwischen November und Mai um 13 Prozent abgesackt. Zum Vergleich: Der MSCI All-Country World Index hat im selben Zeitraum um etwa vier Prozent zugelegt. Dass die Reformen nicht wirken zeigt auch, dass ein Index aus Aktien, die laut JP Morgan Chase am meisten von der Reform profitieren, ist in diesem Jahr um zehn Prozent gefallen ist.

Unter denen, die auf Reformen setzten, sind prominente Namen: Goldman Sachs etwa hatte im November die Empfehlung zu chinesischen Aktien auf „übergewichten” angehoben. Die Bank schrieb in einer Studie, dass die Zusicherung der Kommunistischen Partei mehr Privatinvestitionen bei Staatsunternehmen zuzulassen, die Grundstücksrechte von Bürgern in ländlichen Gebieten zu schützen und die Ein-Kind-Politik zu lockern, die Reformerwartungen angeschoben habe.

Auch die Schweizer Credit Suisse hatte chinesische Papiere zu den drei Spitzen-Empfehlungen der Bank in Asien gehoben. Citigroup wartete mit positiven Prognosen auf. Die Bank hatte für 2014 Erträge von mindestens 20 Prozent prognostiziert.

Die Erwartungen haben sich nicht erfüllt. Die Reformen in China seien durch schwache Konjunkturdaten, eine Abschwächung am Immobilienmarkt des Landes und einem niedrigeren Yuan überschattet worden, sagt Patrick Ho von der UBS.

Der Ausstoß in den Fabriken ist im April gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat um 8,7 Prozent gestiegen, was unter der Medianschätzung von 8,9 Prozent von Analysten in einer Bloomberg-Umfrage lag. Die Neubautätigkeit ist in den ersten vier Monaten des Jahres um 22 Prozent gesunken, die Eigenheimverkäufe haben um 18 Prozent nachgegeben. Der Yuan hat in diesem Monat gegenüber dem Dollar 2,8 Prozent an Wert verloren und ist im vergangenen Monat auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2012 gefallen.

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