Chronik eines Selbstversuchs
"Ob long, ob short – das Geld ist fort"

Privatanleger können jetzt mit Leerverkäufen von Aktien auf fallende Kurse setzen. Im Boom ist das schwierig, zeigt die Chronik eines Selbstversuchs. Den hat Wirtschaftswoche-Redakteur Hauke Reimer gemacht und dokumentiert – und dabei oft an die Aktienhändler-Weisheit gedacht: "Ob long, ob short – das Geld ist fort"
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Was für Zeiten, was für Männer. Auf einem Medizinkongress begrüßt ein Investor den Chef eines Pharmaunternehmens mit den Worten: "Ich bin Manuel Asensio. Und Sie gehören ins Gefängnis." Das war 1998. Asensio galt als König der Short Seller. Er hatte sich Aktien des Pharmaunternehmens Hemispherx von Banken geliehen und sie sofort an der Börse verkauft. Sein Kalkül: Wenn der Kurs fällt, kann er die Aktien später billig an der Börse zurückkaufen und den Verleihern zurückgeben. Die Rechnung ging auf: Hemispherx-Aktien kosteten damals acht Dollar und fielen bis 2003 auf 30 Cent. Asensio war mit seiner Wette auf fallende Kurse im Börsen-Slang "short", im Gegensatz zu Käufern, die "long" sind. Als Short Seller verdiente Asensio Millionen.

Was der kahlköpfige Exilkubaner Asensio und viele seiner professionellen Nachahmer seither schafften, müsste ich doch auch hinbekommen. Privatanleger, die Aktien shorten wollten, konnten dies in Deutschland bisher nur bei Spezialanbietern wie dem Düsseldorfer Broker Sino. "Mehr als die Hälfte unserer Kunden hat es schon gemacht", sagt Sino-Vorstand Ingo Hillen. "Aber leicht ist das nicht."

Eine Aktie kann wertlos werden – wer long ist, verliert also im schlimmsten Fall seinen kompletten Einsatz. Ein Short Seller hingegen kann unendlich viel Geld verlieren – denn eine Aktie kann um mehr als 100 Prozent steigen. Das Szenario: Ich leihe mir zehn Aktien zum Kurs von 20 Euro (200 Euro Einsatz) und verkaufe sie sofort. Die Aktie steigt danach auf 100. Wenn ich sie jetzt an der Börse zurückkaufen muss, um sie zurückzugeben, zahle ich 1 000 Euro – Verlust 800, also das Vierfache des Einsatzes. Da hilft nur abzubrechen und die Aktien zurückzukaufen, ehe die Kurse zu weit gestiegen sind. Eine Position schließen, nennen das die Profis.

Der Dax ist seit 2003 von 2200 auf 8 000 Punkte durchmarschiert, schon richtig. Aber Aktien werden auch mal fallen. Man muss nur die richtigen Luschen finden. Sino hat 600 Kunden, alles Halbprofis (Heavy Trader), die Millionen umsetzen. Eine Außenseiterveranstaltung, nichts für normale Anleger. Jetzt aber bietet auch der Discountbroker CortalConsors (630 000 Kunden) echtes Short Selling für Privatanleger an. Positionen können über Wochen offen bleiben. In aller Ruhe können Short Seller abwarten, bis die Aktien endlich fallen. Dann wird zurückgekauft und der Gewinn eingefahren.

Die Consors-Konditionen klingen annehmbar. Ein Leerverkauf kostet pauschal 40 Euro, hinzu kommen die üblichen Provisionen für Verkauf und Kauf. Die Banker sichern sich penibel ab. "Die Einnahmen aus dem Verkauf der geliehenen Aktien werden gesperrt", sagt Alexander Vogt, bei Consors zuständig fürs Short Selling. So stellt die Bank sicher, dass der Spekulant die Aktien auch wieder kaufen und zurückgeben kann. Zusätzlich verlangt der Broker eine Sicherheitsleistung. Bei Dax-Werten beträgt die 40 Prozent des Aktienwerts, bei riskanteren Titeln auch 60 Prozent.

Wie das in der Praxis klappt?

» Hier die Chronik des Selbstversuchs.

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