Comeback der Edelmetalle
Kofferraum voll Krügerrand

In ganz Deutschland brummt das Geschäft mit Gold und Silber, mit Barren und Anlagemünzen. Zeitweise stehen die Kunden in langen Reihen vor den Läden der Händler, so wie früher, wenn es in der DDR Bananen gab. Doch die Renaissance des Metalls treibt noch skurrilere Blüten.

FRANKFURT. Pavol Jurecko kommt in jüngster Zeit abends erst spät nach Hause. Er braucht jede Minute in seinem Frankfurter Büro und hat dort alle Hände voll zu tun, um der Kundschaft Herr zu werden. Seit Beginn der Finanzkrise Mitte Juli ist sein Geschäft mit Gold- und Silberbarren sowie mit Münzen regelrecht aufgeblüht. „Jetzt kommen schon die Arbeiter von der Baustelle gegenüber, die haben noch den Helm auf dem Kopf und kaufen“, sagt er. So etwas, erinnert sich der erfahrene Händler, habe es noch nicht gegeben.

Manchmal ist es wie im Kuriositätenkabinett. Da besuchen den Händler sogar Bankangestellte und sacken die Metalle ein. Die kaufen auf eigene Rechnung. Ihren Kunden in der Bank dürfen sie so etwas nicht empfehlen, sagen sie dann schon einmal.

In ganz Deutschland brummt das Geschäft mit Gold und Silber, mit Barren und Anlagemünzen. „Die Kunden standen zeitweise in langen Reihen vor dem Laden, so, als wenn es früher in der DDR Bananen gab“, sagt Robert Hartmann, der in München die Geschäfte von Pro Aurum führt, einem der größten deutschen Händler. Wolfgang Weber von Taurus Investors, der seinen Handel in Dubai und in Deutschland betreibt, bedauert: „Hätten wir nur in Berlin einen kleinen Shop am Kudamm oder auf der Friedrichstraße, wir würden uns dumm und dämlich verdienen.“

Die Händler kämpfen mit einem sprunghaften Anstieg der Nachfrage, und das mit nur kleinen Verkaufsmannschaften. Seit dem Beginn der amerikanischen Hypothekenkrise Mitte Juli suchen die Anleger sichere Häfen. Und die Misere um die IKB und die Landesbanken schreckten gerade die Deutschen auf. Dazu kamen die erschreckenden Bilder von Schlangen vor den Filialen der britischen Bank Northern Rock. Die Angst ums Ersparte trieb die Kunden um. Das rief bei einigen Deutschen üble Erinnerungen wach. Auf der Suche nach Sicherheit wagen sie wieder einen Blick auf die lange verschmähten Metalle.

Früher hätten die Kunden nicht bei den privaten Händlern auf der Matte gestanden. Das Edelmetallgeschäft war eine Domäne der Banken. Doch die Institute zogen sich in der Goldpreisbaisse während der achtziger und neunziger Jahre weitgehend aus dem damals unrentablen Geschäft zurück. Jetzt wickeln Geschäftsleute wie Jurecko die Deals ab: Sein traditionsreiches „Münzkabinett“ war früher ein Aushängeschild der Dresdner Bank, die die Sparte aber vor vielen Jahren abstieß.

Zwei Jahrzehnte Preisbaisse hinterließen auch Spuren bei den Investoren. Die breite Anlegerschaft hat sich vom physischen Metallbesitz fast vollständig verabschiedet. Daran änderte die Hausse der vergangenen Jahre wenig. Der Preisaufschwung ist im Bewusstsein eines klassischen Privatanlegers noch nicht angekommen (siehe „Glänzendes Comeback“). Aber das zaghaft erwachende Interesse reicht für eine Vervielfachung der Umsätze bei den wenigen Händlern – von niedrigsten Niveaus aus. In der Regel erreichen die Jahresumsätze zweistellige, in Ausnahmefällen dreistellige Millionenbeträge.

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