Crash oder nur eine Korrektur?
Der Psycho-Dax

Die Nervosität ist greifbar, die Zweifel der Börsianer wachsen. Endet die Rally, kommt der Crash? Die Spannung ist groß. Und aus Unsicherheit kann schnell Angst oder gar Panik werden. Wie Experten die Lage einschätzen.
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FrankfurtEin paar Punkte runter, ein paar Punkte hoch – der Dax pendelte am Vormittag lange Zeit um 11.000 Punkte. Schon am Vortag war die psychologisch wichtige Marke gefallen, das erste Mal seit Mitte Februar. Bis auf 10.864 Punkte stürzte der Dax am Dienstagmittag ab, erholte sich dann aber wieder und schloss bei 11.001 Punkten. Mittlerweile notiert er sogar wieder bei knapp 11.100 Punkten. Trotzdem bleibt die bange Frage: War es das? Oder fällt der Dax bis auf 10.000 Punkte zurück oder vielleicht sogar darunter? Erleben wir gerade „nur“ eine Korrektur oder ist das der Anfang vom Ende, der große Crash?

Diese und andere Sorgen treiben Börsianer um. Die Nervosität ist denkbar hoch. Auch wenn auf viele empfindliche Rücksetzer in den vergangenen Wochen stets eine kleine Erholung folgte, schwindet das Vertrauen in die Rally. Sorgen um steigende Zinsen, das griechische Schuldendrama und die Ukraine-Krise belasteten die internationalen Börsen.

Ist die Nervosität vielleicht zu groß? „Nein, denn die Gefahren sind größer als 2010 oder 2012“, ist Fondsmanager und Crash-Prophet Max Otte überzeugt. „Die Ukraine birgt die Gefahr einer ganz großen Krise.“ Christoph Bruns ist weniger pessimistisch. „Der Dax war zuletzt reichlich zappelig“, sagt der Fondsmanager und Mitinhaber der Fondsgesellschaft Loys. „Mit Blick auf die Zukunft ist die Dax-Korrektur überzogen, denn an der Alternativlosigkeit der Aktien hat sich zuletzt nichts Wesentliches geändert.“ Dass die Schwankungen so heftig ausfallen, hat laut Bruns vor allem einen Grund: Die Dax-Aktien sind überwiegend in ausländischer Hand. „Der Dax wird international als Spekulationsobjekt geliebt, weil die Liquidität hoch ist“, sagt er.

Doch vor allem die aktuellen politischen Probleme und Krisen führen immer wieder zu Turbulenzen am Markt. Themen, die eigentlich kaum noch eine Rolle zu spielen schienen, werden plötzlich wieder sehr heiß gekocht. „So ist die Börse. Mal werden Dinge unter den Tisch gekehrt, mal überbetont“, sagt Otte. „Aber die Gefahren sind derzeit sehr real.“

Besonders das andauernde Verhandlungspoker um die griechischen Schulden macht Anleger mürbe. Am Mittwochabend geht das Ringen um eine Griechenland-Lösung in eine neue Runde: Kanzlerin Angela Merkel, der französische Staatschef François Hollande und der griechische Regierungschef Alexis Tsipras wollen versuchen, einen Kompromiss im Streit um die Forderungen der Gläubiger an Griechenland zu finden. Die Geldgeber fordern von der griechischen Regierung Reformen für weitere milliardenschwere Finanzhilfen. Gibt es nicht bald einen Kompromiss, droht die Staatspleite.

Dass das Drama um Griechenland Anleger immer wieder aufs Neue verunsichert, verwundert Experten für Börsenpsychologie nicht. „Der Mensch denkt ja gerne in Bildern, in Repräsentativitätsheuristiken, was meistens ganz gut funktioniert“, sagt Dirk Schiereck, Professor an der Uni Darmstadt. „Aber in Situationen, in denen uns die Bilder ausgehen, weil es keine passenden historischen Erfahrungen gibt, reagieren wir dann häufig heftiger, als es rückblickend angemessen wäre. Das könnte auch gegenwärtig so sein.“

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  • "erfüllen" tut der m.E. gar nix. Er macht selbst "Experten" wirr. Kurse und Trends macht der Computer mit irrwitzigen Programmen.

  • Na, also ich bedaure Leute, die täglich den DAX kommentieren müssen. Ein bisschen Empathie ist da schon angebracht. Ich bedaure auch die Leute, die z. b. im Nahen Osten oder Südostasien die Wettervorhersage machen müssen. Obwohl, da kann man vielleicht noch was lernen. Als ich mir mal im iranischen Fernsehen die Wettervorhersage ansah, war ich beeindruckt, dass man nach einer sehr kurzen Abhandlung über das Wetter im Iran rüber nach Europa schaute. Da war halt mehr los. Da die meisten Anleger heutzutage vermutlich in mehreren Regionen investiert sind, wäre es vielleicht ein gute Idee, wenn es einen kurzen Exkurs über alle wesentlichen Börsenplätze gäbe.
    Ansonsten bleibt die alte Bauernregel: Kräht der Hahn morgens auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist.

  • Im Zusammenhang mit dem was erst kurz bei der DB passiert ist ;
    http://investmentresearchdynamics.com/a-derivatives-bomb-exploded-within-the-last-two-weeks
    Beste Grüsse
    /KR

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