Das Geschäft mit dem „blauen Gold“ hat seine eigenen Regeln und Tücken
Wasseraktionäre stehen vor Durststrecke

„Süßwasser ist das Öl des 21. Jahrhunderts. Seine Menge ist begrenzt, aber die Nachfrage steigt“, sagt Gérard Mestrallet. Der Mann muss es wissen, schließlich steht er an der Spitze des französischen Konzerns Suez. Suez und der nationale Konkurrent Veolia, die frühere Umweltsparte des Vivendi-Konzerns, der inzwischen zu einem reinen Medienunternehmen umgebaut wurde, sind die Marktführer in dem als zukunftsträchtig gepriesenen Wassergeschäft.

DÜSSELDORF. Beide Unternehmen zusammen versorgen weltweit 100 Millionen Kunden. Auf Platz drei der Weltrangliste folgt dann mit 70 Millionen Kunden der Essener Energieriese RWE.

Für Bürger hierzulande ist eine erstklassige Trinkwasserqualität eine Selbstverständlichkeit. Schließlich ist der Rohstoff dafür in der hiesigen Klimazone reichlich vorhanden. Doch weltweit gesehen wird Trinkwasser knapp. Zwar besteht die Erdoberfläche zu mehr als zwei Dritteln aus Wasser, aber nur ein Bruchteil davon ist Süßwasser. Schon jetzt fehlen einer halben Milliarde Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Und die Zahl wird rapide steigen, wenn in rund zwanzig Jahren acht Milliarden Menschen auf der Erde leben werden, schätzt die Uno.

Gleichzeitig wird die Wasserwirtschaft in den Industrieländern wegen der Finanzmisere der öffentlichen Haushalte privatisiert. Branchenkenner prognostizieren, dass private Unternehmen im Jahr 2015 ein Fünftel der Weltbevölkerung versorgen werden. Derzeit sind es nur knapp 8 Prozent.

Diese glänzenden Zukunftsaussichten vor Augen, brachen einige europäische Energieversorger im Jahr 2000 zu einer Einkaufstour rund um den Globus auf und investierten ihre Monopolgewinne aus dem Strom in das neue Wachstumsfeld Wasser. RWE etwa schluckte in Großbritannien Thames Water und in den USA American Water Works. Die Finanzanalysten überboten sich damals mit Kaufempfehlungen für Wasseraktien, Banken wie UBS Warburg und BNP Paribas legten spezielle Themenfonds auf.

Langfristig ist das Geld gut investiert

Eine Zwischenbilanz nach drei Jahren fällt allerdings ernüchternd aus. Die Kurse der großen Drei im Wassergeschäft liegen am Boden. Mehr als die Hälfte ihres Einsatzes haben die Anleger verloren, egal ob sie nun auf Suez, Veolia oder RWE gesetzt hatten. Der Grund: Die Konzerne haben für ihre Neuerwerbungen zu viel Geld bezahlt. Fast 20 Milliarden Euro machte allein RWE für seinen Einstieg ins Wassergeschäft locker. Dafür hat der Konzern jetzt eine hohe Schuldenlast zu tragen.

Zumindest langfristig dürfte das Geld aber gut investiert sein. „Das Wassergeschäft entwickelt sich stabil und die Margen sind hoch“, urteilt Analyst Philip Bonhöffer von Merck Finck & Co. Im Schnitt erzielten die Konzerne in der Wassersparte eine Rendite vor Zinsen und Steuern von 20 bis 30 Prozent.

Solch stattliche Gewinne locken neue Konkurrenten in Scharen. Allerdings sind die Markteintrittsbarrieren hoch. Das Wassergeschäft ist langfristig angelegt und kapitalintensiv. Als Investoren kommen praktisch nur die Energieversorger mit ihren stabilen Cash-flows in Frage. Experten schätzen, dass der Aufbau einer Infrastruktur für eine nachhaltige Wasserver- und Abwasserentsorgung in den Entwicklungsländern 70 Mrd. Euro kostet. Noch teurer ist die Instandhaltung vorhandener Netze. Etwa 80 Mrd. Euro geben die Industrieländer jährlich für die Erhaltung, Modernisierung oder den Ausbau der vorhandenen Anlagen aus.

Es gibt noch weitere Besonderheiten: Wasser ist ein regionales Geschäft. Allenfalls in Verwaltung und Einkauf lassen sich Effizienzgewinne erzielen. Gleichzeitig birgt das Geschäft mit dem blauen Gold politische Risiken, besonders in Entwicklungsländern. Aber auch in Europa wachen die Staaten mit Argusaugen über die Versorgung der Bürger mit sauberem und billigem Wasser. So hat die britische Regulierungsbehörde Ofwat die Wasserpreise auf der Insel verbindlich festgelegt: Sie sinken bis 2005 um jährlich zwei Prozent. Zugleich stehen gewaltige Investitionen an, weil die Leitungsnetze veraltet sind und enorm viel Wasser einfach versickert. Doch all diese Belastungen seien inzwischen eingepreist, heißt es bei vielen Analysten. Sie empfehlen denn auch in der Mehrzahl auf dem aktuell niedrigen Kursniveau in Wasseraktien einzusteigen.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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