Das Interesse hat sich vervielfacht
Derivate drücken die Renditen von Unternehmensanleihen

Kreditderivate sind bei professionellen Investoren sehr beliebt. Die Anleger greifen zu solchen Ableger-Produkten, weil die Renditen von herkömmlichen Unternehmensanleihen sehr niedrig sind.

HB FRANKFURT/M. Im Schnitt bringen Firmenbonds mit dem Rating „BBB“ – entsprechend mittlerer Kreditwürdigkeit – noch 0,70 Prozentpunkte mehr als Bundesanleihen. Da bieten Kreditderivate deutlich mehr. Mit „BBB“ bewertete Tranchen von Collaterialized Debt Obligations zum Beispiel bringen mit Aufschlägen von 1,20 Prozentpunkten fast doppelt so viel Rendite. „Das Interesse von Investoren – Banken, Versicherer und auch Fonds – an CDOs habe sich in diesem Jahr vervielfacht, sagt Jens Schendzielorz, der bei der Citigroup institutionelle Investoren bei Kreditderivaten betreut.

Bei Collateralized Debt Obligations fasst ein so genannter Originator – in den meisten Fällen eine Bank – einen Pool von meist 100 bis 200 verschiedenen Unternehmensanleihen zusammen. Bei synthetischen CDOs, die inzwischen den Großteil dieser Papiere ausmachen, werden nicht die Bonds selbst, sondern nur deren Kreditrisiken mit Hilfe von Credit Default Swaps (CDS) zusammengefasst. Die sind eine Art Ausfallversicherung auf Unternehmensanleihen (siehe am Ende dieses Artikels: „Verbriefte Risiken“).

Den Pool an Forderungen auf Unternehmensanleihen oder deren Kreditrisiken überträgt der Originator auf eine Zweckgesellschaft. Diese Übertragung nennt man Verbriefung. Die Zweckgesellschaft begibt auf Grundlage der Forderungen die CDOs. Sie werden in verschiedene Tranchen über das gesamte Rating-Spektrum aufgeteilt. Das funktioniert, weil genau berechnet wird, welcher Teil des Portfolios ausfallen könnte. Von einem möglichen Ausfall sind dann zunächst die gar nicht bewerteten und dann die Tranchen mit schlechter Bonitätsnote betroffen.

Die verstärkte Nachfrage nach synthetischen CDOs ist nach Meinung der meisten Experten ein Grund dafür, dass die Renditen der Unternehmensanleihen so niedrig sind. „Kritisch ist dabei aber die große Hebelwirkung“, sagt Jochen Felsenheimer, Stratege für Unternehmensanleihen und Kreditderivate bei der Hypo-Vereinsbank (HVB). Denn wenn eine Bank eine synthetische CDO auflegt, muss sie sich ein Vielfaches der zu Grunde liegenden Credit Default Swaps als Sicherungsgeber (Protection Seller) am Markt besorgen, um sich abzusichern.

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