Dax 2016 - Gewinner und Verlierer
Achtung, Risiko!

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Zu viel Vereinfachung kann teuer werden

Mit der Streuung kann man es aber auch übertreiben. „Diversifizierung nur um der Diversifizierung willen ist auch keine Lösung“, warnt Lingohr-Experte Vasiljevic. „Denn viele schlechte Investments ohne Analyse und Prozess können auch keine guten Resultate herbeiführen.“ Auch Christoph Bruns, Fondsmanager und Mitinhaber der Fondsgesellschaft Loys warnt vor zu viel Diversifikation: „Wer nämlich zu breit angelegt ist, der hat kaum Aussichten auf attraktive Wertzuwächse“, sagt er. „Hier die goldene Mitte zu finden, ist die Kunst im Asset Management.“ Streuung sei zwar der Königsweg, um das Risiko zu minimieren, aber es gehe bei der Kapitalanlage nur in zweiter Linie um Risikovermeidung.  Wichtiger sei die Gesamtstrategie. Und die sollte eben kein wildes Sammelsurium aus möglichst vielen Anlageklassen und Einzeltiteln sein.

Privatanleger neigen aber eher dazu, auf Diversifikation zu verzichten, hat Welz beobachtet. Sie bevorzugen es übersichtlich und einfach. „Da sie ihr Portfolio selbst verwalten, wollen sie sich nicht um zu viele Anlagen kümmern und diversifizieren kaum“, sagt sie. „Diese Vereinfachung kann jedoch sehr teuer werden. Diversifikation ist die beste Versicherung an der Börse.“

Denn wer nicht streut, macht unweigerlich mit der Börsenweisheit Templetons Bekanntschaft und wird Geld verlieren. Viele Anleger haben diese Erfahrung bereits gemacht. „Der Aktienverdruss vieler Deutscher lässt sich auf die Missachtung dieses Grundsatzes zurückführen“, ist Finanzexpertin Welz überzeugt. „Wer während des Dotcom-Crashs oder der Finanzkrise 2008 kein diversifiziertes Portfolio besaß, musste dies auf die schmerzhafte Tour lernen.“ Viele hätten auf die Misserfolge am Aktienmarkt mit Abstinenz reagiert, was die geringe Aktionärsquote von rund sechs Prozent in Deutschland eindrucksvoll bestätigen würde. „Doch Abstinenz ist nicht lukrativ und Anleger, die nicht am Aktienmarkt teilnehmen, profitieren nicht vom Aufschwung der Wirtschaft“, sagt sie. Stattdessen sollten Anleger dazulernen und die goldene Regel der Kapitalanlage verinnerlichen: Diversifikation. Denn das Siegerdepot mit den drei Topwerten des Jahres nennen wohl die wenigstens Anleger ihr Eigen ­– so verlockend es auch wäre.

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Jessica Schwarzer
Jessica Schwarzer
Handelsblatt / Chefkorrespondentin Börse

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  • Sehr geehrte Frau Schwarzer,

    nichts gegen die vielgepriesene Streuung. Aber es gibt noch andere Fallstricke. Mein Mann war Vermögensverwalter, er verwaltete über viele Jahre für seinen Arbeitgeber ein größeres Vermögen.
    Sehr erfolgreich.

    Mein Mann war zunächst der Ansicht, dass man nur in Anlageklassen investieren kann, von denen man sehr viel versteht. Von Immobilien verstand er z.B. überhaupt nichts, deshalb ließ er diese Anlageklasse links liegen. Mein Mann verstand auch nichts von Gold oder Rohstoffen, von den meisten Anlageklassen verstand er ebenfalls überhaupt nichts. Deshalb beschränkte er sich auf Anleihen und Aktien, hier konnte ihm kaum jemand etwas vormachen.

    Neben dieser gewählten Beschränkung hatte er ein zweites Erfolgsrezept. Ein großes Mißtrauen gegen die Vorschläge und Empfehlungen der Banken. Er mißtraute der Finanzindustrie, die jeden Tag Dutzende von neuen Produkten auf den Markt bringt. Sein Credo war: Investiert wird nur in Produkte, deren Chancen und Risiken ich selbst unschwer einschätzen kann. Glaube, Hoffnung, Zuversicht haben bei der Geldanlage nichts verloren. So jedenfalls mein Mann.

  • Frau Edelgard Kah@
    Lesen Sie meine Beiträge, ich als Aktien-Prophet mache auch Sie reich.

  • Sehr geehrte Frau Schwarzer,

    mir gefällt Ihr Artikel. Aber vielleicht können wir einige Punkte vertiefen. Nichts gegen Diversifikation. Aber sie ist auch eine Frage des eigenen Geldbeutels. Beispiel gefällig: In der monatlichen Anlegerzeitschrift meiner Bank ist zu lesen, wir sind in japanischen Aktien unter- und in metallischen Rohstoffen übergewichtet. Die Herren glauben offensichtlich, ihre Kunden hätten das gesamte Universum in ihrem Depot. Aber im Mittel haben sie vielleicht nur 50 000 oder 100 000 EUR angespart. Und dann noch streuen? Wenn man Ihrem Rat folgt in Zinspapiere, Aktien, Gold und Immobilien? Vielleicht noch in Rohstoffe oder alternative Anlagen? Oder haben Sie noch andere Ideen?

    Ein anderer Punkt ist die Fristigkeit der Geldanlage. Hier muß sich jeder selbst entscheiden.

    Und dann gibt es noch die Gefahr eines crashs. Ich möchte auf die vielen Risiken nicht eingehen. Aber vielleicht daran erinnern, dass der DAX von Anfang 2000 bis März 2003 rund 3/4 seines Wertes verlor.

    Jedem sollte klar sein, dass ein wirklicher crash sich nicht auf eine einzelne Anlageklasse beschränkt. Wenn es regnet, werden alle Katzen naß. Keinen Verlust erleiden Sie nur, wenn Sie Bargeld oder ein Bankguthaben besitzen. Deshalb darf diese Anlageform in der vielgepriesenen Streuung nicht fehlen. Es ist wie bei einer Fußballmannschaft. Die Mannschaft braucht nicht nur Stürmer, die Geld verdienen. Sie braucht auch Verteidiger, die das Geld vor Verlust schützen.

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