Dax-Anstieg bis auf 11.000 Punkte
Börsianer erwarten „goldenen Herbst“

„Sell in May and go away, but remember to come back in September“ lautet eine alte Börsenweisheit, die 2015 aufgehen dürfte. Nach dem Sommergewitter erwarten Experten steigende Kurse, wenn auch unter Turbulenzen.

DüsseldorfIn diesem Jahr wären Anleger recht gut gefahren, wenn sie getreu der alten Börsenweisheit im Mai die Reißleine gezogen hätten. Sie hätte nahe der Höchstkurse verkauft – immerhin hat der Dax Mitte April seinen Rekord von gut 12.400 Punkten markiert. Es folgte eine Korrektur in mehreren Wellen. Vor allem im August mussten Anleger heftig Kursrückschläge verkraften. Die Angst um Chinas Wachstum und die Folgen für die Weltkonjunktur sowie die nahende Zinswende in den USA ließen das Börsenparkett rund um den Globus beben. Bis auf 9300 Punkte fiel der Dax im Handelsverlauf am schwarzen Montag, dem 24. August.

Mittlerweile haben sich die Kurse etwas erholt, doch wie geht es weiter? Droht die nächste Korrekturwelle oder sind die aktuellen Preise Kaufkurse? „Trotz der Turbulenzen im August, die immer noch nachwirken, sind die aktuellen Perspektiven für Investoren nicht schlecht“, sagt Tilmann Galler, globaler Stratege bei JP Morgan Asset Management. „Wir sehen die aktuelle Entwicklung der Aktienmärkte als Korrektur und nicht als Trendwende.“

Mit seiner Einschätzung ist er nicht alleine. Viele Experten sehen derzeit Einstiegschancen und sind optimistisch gestimmt für die kommenden Wochen und Monate. „Dax-Kurse um 11.000 bis zum Jahresende sind für uns realistisch“, sagt beispielsweise Thomas Bucher, Aktienstratege bei der Deutschen Asset & Wealth Management. „Dem Sommergewitter könnte tatsächlich ein ‚Goldener Herbst‘ folgen.“ Auch für den Euro Stoxx 50 und S&P 500 sieht er auf Sicht von zwölf Monaten zweistelliges Renditepotenzial. Der alte Börsenweisheit „Sell in May and go away, but remember to come back in September“ könnte in diesem Jahr also durchaus die richtige Strategie sein.

Eigentlich hat der September einen ziemlich schlechten Ruf, deshalb lohnt sich getreu der alten Regel auch der Einstieg. Statistisch gesehen gehört er nämlich zu den schlechtesten Börsenmonaten. „In diesem Jahr hat der August das Erbe des Septembers angetreten“, sagt Christoph Bruns, Mitinhaber der Fondsgesellschaft Loys. „Insofern verbleibt den Bären in diesem Jahr im September nichts Wesentliches zu tun.“ Auch Fondsmanager Max Otte glaubt, dass der September und auch der Oktober nach der sehr starken Korrektur im August besser verlaufen könnten. „Die statistische Korrektur, die von Mai bis Oktober stattfindet, scheint sich schon ereignet zu haben“, sagt der Professor an der Hochschule Worms.

Ob nun statistisch bewiesen oder nicht, Matthias Hoppe hält grundsätzlich nichts von solchen Börsenweisheiten. „Im Moment gibt es zwar einige Faktoren, die dafür sorgen könnten, dass der September ein volatiler Monat wird, aber es ist eher Zufall, dass diese Faktoren auf den September fallen“, sagt der Fondsmanager für Multi-Asset Fonds bei Franklin Templeton. Noch immer seien mit der US-Zinserhöhung, schwachen Wirtschaftsdaten aus China und der Krise in Nahost zu viele Unsicherheitsfaktoren im Markt.

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