Dax auf Höhenflug

Krisengewinner Deutschland

Die Unsicherheit über den Fortbestand der Euro-Zone und die Krise der südlichen Schuldenstaaten nützen vor allem dem deutschen Aktienmarkt. Dank massiver Liquiditätszuströme hängt der Leitindex Dax alle anderen europäischen Börsen ab. Damit geht gleichzeitig auch ein ehernes Gesetz zu Ende.
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Dax im Höhenflug: Krisengewinner Deutschland befindet sich im Kursrausch. Quelle: Reuters

Dax im Höhenflug: Krisengewinner Deutschland befindet sich im Kursrausch.

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DÜSSELDORF/FRANKFURT. Bisher war es so und nie anders: Der Dax stieg, wenn es Europa und Amerika gutging. Er fiel, wenn die Börsen in New York, London und Paris schwächelten. Das war jahrzehntelang das eherne Gesetz der Finanzmärkte.

Das Gesetz gilt nicht mehr. In Zeiten der Euro-Krise profitiert nur noch einer: der deutsche Aktienmarkt.

Allein in den vergangenen sieben Wochen stieg der Leitindex Dax um neun Prozent. Am Dienstag durchbrach er zum ersten Mal seit zweieinhalb Jahren die Marke von 7 000 Punkten. Deutschlands 30 größte börsennotierte Unternehmen steigerten demnach ihren Wert in weniger als zwei Monaten um 110 Milliarden Euro - eine Summe, mit der man Siemens und die Deutsche Bank kaufen könnte.

Krisengewinner Deutschland im Kursrausch - derweil anderenorts Tristesse herrscht. Europas wichtigstes Börsenbarometer, der Euro-Stoxx mit den 50 größten Konzernen der Euro-Zone, hat im Jahresverlauf schon sechs Prozent verloren. Ohne die 13 im Euro-Stoxx notierten deutschen Konzerne wäre der Wertverlust noch viel dramatischer.

Der Grund für die sich immer weiter öffnende Schere zwischen Dax und Euro-Stoxx liegt auf der Hand: Die Anleger misstrauen Unternehmen aus den Schuldnerländern und verkaufen beispielsweise in großem Stil Aktien des italienischen Versorgers Enel und der Portugal Telecom. Gleichzeitig setzen sie auf die robusten deutschen Unternehmen und decken sich mit Papieren der Dax-Konzerne ein.

Begehrt sind die klassischen Industriewerte. Volkswagen, BMW, BASF und Heidelberg Cement stehen mit einem Kurszuwachs von mehr als 25 Prozent in nur sieben Wochen an der Spitze des Dax. Die exportorientierten Unternehmen profitieren besonders stark vom globalen Aufschwung und den boomenden Absatzmärkten in Fernost. Insgesamt werden die 30 Dax-Konzerne in diesem Jahr ihre Nettogewinne gegenüber 2009 um durchschnittlich 80 Prozent steigern. Ein Drittel der Firmen verdient so viel wie noch nie, darunter Siemens, BASF und Linde.

"Wenn die Unternehmen starke Ergebnisse liefern und die Wirtschaft floriert, dann sollten auch Aktien gut laufen. Nichts anderes sehen wir jetzt", sagt Achim Matzke von der Commerzbank.

Die Frage ist nur noch, wie gut die deutschen Aktien sich entwickeln werden, ob 2011 womöglich ein Aktien-Traumjahr wird. Die Deutsche Bank jedenfalls sieht den Dax in einem Jahr bei 7 500 Punkten, das Bankhaus Metzler und die Privatbank M.M. Warburg erwarten 8 000 Punkte. Selbst diese Marke, die im Vergleich zu heute immerhin ein Plus von 14 Prozent bedeuten würde, wird vom Analysehaus Silvia Quandt Research übertroffen: Der Dax werde bis auf 9 000 Punkte steigen - ein Plus gegenüber dem gestrigen Zweieinhalbjahreshoch von 28 Prozent. Ulf Sommer, Christian Schnell

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15 Kommentare zu "Dax auf Höhenflug: Krisengewinner Deutschland"

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  • Wenn die Zinsen für Deutschland wegen der Unsicherheit genug gestiegen sind, (was zur Zeit auch geschieht) wird unsere Kanzlerin in eine vernünftige Lösung der Eurokrise einwilligen müssen. Aber so lange sie der Meinung ist dass es für Deutschland vom Vorteil ist die Krise zu verlängern, wird Sie blockieren, bockig genug dafür ist sie ja!

  • ich bin gespannt ob sich die aktuelle Situation in Deutschland stabilisert oder ob wir genau so schnell wieder in eine neue Krise schlittern. Momentan bin ich mir da absolut nicht sicher

  • Vielleicht sollte man versuchen sich die langfristige Zukunft Deutschlands vorzustellen:
    1. wenn die Eurozone gerettet wird (durch eine Harmonisierung der Wirtschaften und Zentrale Steuerpolitik)
    2. wenn die Eurozone, spricht die EU verschwindet und wir zur Europa der Nationen zurückkehren.
    bevor man von Krisengewinner Deutschland spricht.
    Das selbe dann für Europa als Ganzes.
    bedenken: Pyrrhussieg
    aus Wikipedia: Ein Pyrrhussieg ist ein zu teuer erkaufter Erfolg.

  • Das könnte bedeuten dass eine Lösung für die Probleme der Eurozone und zur Eurokrise in Arbeit oder Vorbereitung ist! Arbeiten, schweigen und Ergebnisse bringen. Das wäre schön, aber bitte vor Weihnachten noch, sozusagen als Weihnachtsgeschenk.

  • Nichts gegen Nationalstolz und Hybris, aber der DAX gehört nun mal nicht zu den 6 größten und tonangebenden börsen der Welt, sondern folgt jeweils erst nachmittags dem Trend der Wall Street. Unter den 50 größten Firmen der Welt ist keine im DAX, unter den 100 größten nur drei.

  • @Profit

    Holzauge sagt schon längst, daß die deutsche Wirtschaft und Politik ein Alternativszenario bereithalten muß für den möglichen Ernstfall eines gewollten oder ungewollten Ausstiegs aus dem Euro. Dieser Ausstieg ist durchaus keine wünschenswerte Alternative, die Kosten wären beträchtlich, u.U. jedoch geringer als für den Verbleib. Es wäre fatal, darauf nicht vorbereitet zu sein.

  • @Profit,genau so wird es geschehen,unsere Verfassung vin der infastruktur sowie Produktionsanlagen ist am Umfeld gemessen sehr gut Aufgestellt,trotz 1,8 billionen schulden nun haben wir mit den Rettungsschirm ringsherrum alle die darunter zu finden sind über die Rückzahlung mit Zins und Zinseszins,an der finanzkandarre,das gibt böses blut,wenn ich bedenke das wir zur jetzigen Zeit den 1.ltkrieg bezahlt haben so sind die Länder der Jetzt verschuldeten Staaten in der EU nicht bereit so einige jahrhunderte die schulden abzutragen im Gegenteil Deutschland der böse der alle ringsherrum betrogen hat,das würde dann wieder in die eine Richtung führen.Meine Achse wäre Russland,Amerike und der gesunde teil Der eurozone im Verbund zu Asien,brasilien,überhaupt ist die Wirtschaftliche basis entscheidend und nicht der Schrotteuro.

  • hmmmm...was passiert kurz bevor die Flutwelle kommt?

  • hmmmm...was passiert kurz bevor die Flutwelle kommt?

  • Eine neue idee: Kann es sein, daß der Markt (investoren aus aller Welt) damit rechnet, daß Deutschland aus dem Euro-Verbund ausscheidet. Allein diese Tatsache verspricht eine gehörige Portion Rendite, wenn man unterstellt, daß die (neue) D-Mark gegenüber dem (neuen) Euro (o.D.) aufwertet. Gibt der Markt nicht auch immer vorauslaufende Signale? Daß deutsche industrieunternehmen in einer guten Verfassung sind, ist natürlich auch klar.

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