Dax auf Höhenflug
Mit der Meute rennen

Der Dax ist kurz vor dem historischen Höchststand gescheitert.Welche Argumente trotzdem für einen Dax 10 000 sprechen und welche für ein Ende des Booms.
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FRANKFURT. Ist es schon wieder so weit? Künftig werde sie ihr Haushaltsgeld als Dax-Traderin aufbessern, verkündet die 42-jährige Mutter von drei Kindern, die in einem Dorf in Baden-Württemberg lebt. In Salzburg, auf einem Börsenseminar, will sie gelernt haben, wie man mit Derivaten reich werden kann. Ihr Vater wisse morgens schon ziemlich genau, wo der Dax hingeht, sagt sie. "Er schaut auf die Wall Street, die Asienbörsen und auf die Futures, schon weiß er Bescheid."

Bis vor wenigen Tagen hatte der Herr Papa leichtes Spiel. Selbst wenn der deutsche Markt schwach eröffnete, die Amerikaner zogen die Börse am frühen Nachmittag wieder hoch. Wer auf fallende Kurse tippte, verpasste monatelang kräftige Gewinne; wer mit Zertifikaten oder Optionsscheinen gar auf fallende Kurse investierte, erlitt herbe Verluste. 7 000, 7 500, 7 900 Punkte - binnen drei Monaten übersprang der Dax eine Hürde nach der anderen. Seit Anfang April machte er 15 Prozent Plus. Erst als er die Marke von 8 000 Punkten touchierte, bekamen Anleger Angst.

US-Zentralbankchef Ben Bernanke warnte vor Inflation; US-Finanzminister Henry Paulson verkündete, die US-Wirtschaft werde schwächer wachsen; die Investmentbank Morgan Stanley meldete, ihre Rechenmodelle hätten drei Warnsignale gleichzeitig gegeben, das sei extrem selten. Und bumm: Allein am Mittwoch und am Fronleichnamsdonnerstag ging es rund vier Prozent abwärts.

"Der Juni wird schwierig", ahnt Stefan Müller, Manager des Schweizer Hedgefonds Proprietary Partners. Ist die Börse hoffnungslos überhitzt, gar so schlimm wie im Frühjahr 2000? Oder wird das nur die erwartete Korrektur, eine Art Zwischenstopp zum Luftholen, bevor es mit dem Dax in Richtung 10 000 geht?

Die Parallelen zur Technologieblase 2000 seien "nicht besonders groß", urteilt Johannes Reich, Partner und Aktienchef beim Bankhaus Metzler. Die Gewinne der deutschen Unternehmen entwickelten sich weiter gut, weil die Nachfrage nach Maschinen und Ausrüstungsgütern hoch bleibt: "Stark wachsende Volkswirtschaften haben Nachholbedarf bei ihrer Infrastruktur - und sie haben genug Geld, sie zu befriedigen." Was ihn vor allem beruhigt: "Die Bewertungen der Unternehmen in Europa und Deutschland sind nicht übertrieben hoch." Es sei "nicht erkennbar, dass die Gewinne einbrechen werden oder zu euphorisch prognostiziert wurden".

Tatsächlich notiert der Dax aktuell bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 14,5 und damit nah am historischen Durchschnitt. Der US-Index Standard & Poor?s 500 hingegen kostet den 18-fachen Jahresgewinn. Verglichen mit früher sind die Gewinne der Dax-Unternehmen wegen neuer Bilanzvorschriften allerdings um etwa 15 Prozent überzeichnet. Neue, für die Unternehmen günstige Abschreibungsregeln und die Möglichkeit, Löcher in den Pensionskassen herauszurechnen, erhöhen die ausgewiesenen Gewinne.

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