Dax
Erstaunliche Parallelen am Aktienmarkt

Seit drei Monaten hat der Deutsche Aktienindex gut 1 500 Punkte gutgemacht. Der aktuelle Kursverlauf ähnelt der Erholung im Jahr 2003, damals folgte ein Wachstum von 270 Prozent in vier Jahren. Doch Experten bleiben skepisch: Dieses Mal sind die fundamentalen Voraussetzungen miserabler.

DÜSSELDORF. März 2003 und März 2009: Fast taggleich erreichen die Börsen neue Tiefststände und erholen sich schließlich V-förmig. Vor sechs Jahren war es die Geburt einer Hausse, die dem Dax in vier Jahren ein Kursplus von 270 Prozent brachte. Diesmal machte das Börsenbarometer in nur drei Monaten fast 1 500 Punkte gut, ehe der Rally in den vergangenen Tagen die Puste ausging. Trotz vieler Parallelen zu 2003 sind sich Experten sicher, dass es die Aktienmärkte diesmal sehr viel schwerer haben werden als damals. Der Grund: Die fundamentalen Voraussetzungen sind viel miserabler.

Erste Parallele: Als der Dax vor sechs Jahren unter 3 000 Punkte gefallen war, kosteten die Dax-Konzerne an der Börse nur noch so viel wie es ihrem bilanziell ausgewiesenen Eigenkapital entsprach. Das war diesmal wieder so, als der Dax unter 4 000 Zähler fiel. Firmen wie der Stahlhersteller Salzgitter, die Deutsche Lufthansa, die Autoriesen Daimler und BMW sowie die Banken und Versicherungen waren sogar für rund die Hälfte ihres Eigenkapitals zu haben. Das gibt es nur selten und spiegelt große Scheu wider: Anleger misstrauen den Bilanzen, fürchten Verluste und Abschreibungen, wodurch sich das Eigenkapital verringert. Doch historisch betrachtet waren solche Konstellationen stets günstige Kaufgelegenheiten.

Zweite Parallele: An beiden Tiefpunkten waren Anleger weltweit negativ gestimmt, in den USA fast 70 Prozent. Pessimisten haben gemeinhin ihre Aktien verkauft. Sie üben deshalb keinen Druck mehr auf die Kurse aus. Deshalb überraschte es nicht, dass die Kurse beide Male bei auffallend niedrigen Umsätzen - ein Drittel unter Normalniveau - anzogen: Wenigen Käufern standen noch weniger Verkäufer gegenüber.

Dritte Parallele: Die steile Zinsstrukturkurve mit niedrigen Zinsen für Kurzfristanlagen, aber rasant gestiegenen Renditen für langlaufende Anleihen sticht ins Auge. Investoren spekulieren demnach auf höhere Inflationsraten - und lassen sich deshalb langlaufende Anleihen höher verzinsen. Oder positiv ausgedrückt: Anleger rechnen mit konjunkturell besseren Zeiten, also steigenden Zinsen.

Schlussendlich drehten damals wie heute wichtige Frühindikatoren wie Ifo und ZEW nach oben. Doch anders als heute wuchs die Weltkonjunktur 2003 schon wieder, nachdem sie 2001 in Folge der geplatzten Technologieblase und 2002 nach den Bilanzskandalen um Enron und Worldcom lahmte. Besonders die Nachfrage aus Asien kurbelte damals Europas Konjunktur an.

Diesmal trifft die Rally jedoch auf Unternehmen, die ihre Ziele weiter herunterschrauben. "Das sorgte in den vergangenen Tagen für Rückschläge und wird die Kurse auch künftig unter Druck setzen", sagt Andreas Hürkamp von der Commerzbank. So schockierte der Düngemittelspezialist K+S mit einer Gewinnwarnung und kündigte "zusätzliche deutliche Umsatz- und Ergebnisrückgänge" an. Eine mögliche Trendwende, wie noch im ersten Quartal in Aussicht gestellt, rückt in weite Ferne. Kaum hatten Anleger diese Nachricht verdaut, folgte die Lufthansa: Sie konzentriert sich angesichts der schwachen Nachfrage im Passagier- und Frachtgeschäft darauf, einen operativen Verlust im Gesamtjahr zu vermeiden. Bislang hatte die Airline noch ein deutlich positives Ergebnis angestrebt.

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