Dax-Konzerne
Firmen zahlen Rekord-Dividenden

Deutschlands 30 größte Unternehmen werden im nächsten Jahr mit rund 21,5 Mrd. Euro so viel Geld wie noch nie an ihre Aktionäre ausschütten. Drei Viertel der Konzerne wollen ihre Dividende erhöhen. Niemand wird sie kürzen. Lediglich Schlusslicht Infineon legt erneut eine Nullrunde ein.

DÜSSELDORF. Das ergeben Berechnungen des Handelsblatts in Kooperation mit den Landesbanken Baden-Württemberg (LBBW) und Rheinland-Pfalz (LRP). Damit sind die Ausschüttungen der Dax-Konzerne doppelt so hoch wie noch vor drei Jahren. Im Vergleich mit dem bisherigen Rekord-Dividendenjahr 2005 ergibt sich ein Plus von 18 Prozent – wobei die außerordentlich hohen Sonderausschüttungen von Eon in diesem und Altana im nächsten Jahr nicht mitgerechnet sind. Gemessen am aktuellen Dax-Niveau von rund 6 250 Punkten, erhalten die Aktionäre eine Dividendenrendite von 2,5 Prozent.

Die Vorstände schlagen der Hauptversammlung durchweg zwar erst im Winter oder Frühjahr vor, wie viel sie für das abgelaufene Geschäftsjahr ausschütten wollen. Auswertungen der bisherigen Quartalsberichte, Aussagen des Managements und Analystenschätzungen ermöglichen aber schon heute zuverlässige Prognosen. Danach wird RWE die Dividende fast verdoppeln und damit von allen Dax-Konzernen am stärksten erhöhen. Grund dafür ist das deutliche Gewinnplus. Der Konzern hat angekündigt, bis zu 80 Prozent des Gewinns auszuschütten. Die Dividende dürfte fast 3,50 Euro ergeben. Die Deutsche Bank wird zwar wahrscheinlich noch zehn Cent mehr zahlen, wegen des niedrigeren Aktienkurses kommt der Energieversorger aber auf eine höhere Dividendenrendite.

Bemerkenswert ist, dass die Dividenden erstmals seit fünf Jahren stärker als die Konzerngewinne steigen. „Die Unternehmen zeigen Größe, wenn sie ihr Geld ausschütten, an Stelle es in zweifelhaften Projekten anzulegen“, sagt der Mannheimer Professor für Bankbetriebslehre, Martin Weber. Mit ihrem Schwenk nähern sich die deutschen Konzerne der Praxis europäischer Großunternehmen an. Während diese stets 40 bis 45 Prozent ihres Nettogewinns weitergeben, erreichen die deutschen Firmen jetzt erstmals seit fünf Jahren wieder die Marke von 40 Prozent.

„Die Unternehmen zahlen eine attraktive Dividende, um den eigenen Aktienkurs zu stärken“, sagt LRP-Stratege Andreas Hürkamp. Tatsächlich sind Dividenden für steigende Börsenkurse verantwortlich. Seit Einführung des Dax 1988 sind 40 Prozent des Kursanstiegs auf Dividendenzahlungen zurückzuführen. Studien belegen, dass sich weltweit Aktien von Unternehmen mit hohen Ausschüttungen besser als der Gesamtmarkt entwickeln. Fonds und Zertifikate, die auf dividendenstarke Unternehmen setzen, verstärken den Effekt. „Besonders in raueren und schwierigen Börsenzeiten stehen werthaltige Anlagen und damit Unternehmen mit hoher Ausschüttungsquote im Fokus der Anleger“, sagt DWS-Fondsmanager Thomas Schüssler. Er ist bei Deutschlands größter Fondsgesellschaft für den Fonds Top-Dividende verantwortlich.

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