Dax-Pensionslasten
Das kann teuer werden

Die Dax-Konzerne schieben milliardenschwere Pensionslasten vor sich her. Ein Großteil ist nicht gedeckt. Finanzkrise und Niedrigzinsen machen die Lage noch schlimmer. Die Altersvorsorge wird zur Zeitbombe in der Bilanz.
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DüsseldorfDieter Zetsche muss im Alter nicht darben. Wenn der 59-Jährige eines nicht mehr allzu fernen Tages als Chef von Daimler ausscheidet – sein Vertrag wurde nur noch um drei Jahre verlängert -, darf er sich über eine stattliche Pension freuen. Wie aus dem Geschäftsbericht des Autokonzerns hervorgeht, hat das Unternehmen genau 39,597 Millionen Euro für Ruhestandsbezüge zurückgelegt, allein für ihn.

Damit kommt Zetsche selbst im Vergleich zu anderen Dax-Vorständen auf einen sehr üppigen Betrag, wobei auch seine Kollegen dank Betriebsrenten im Ruhestand gut versorgt sein dürften. Martin Winterkorn, (Volkswagen) stehen 22,8 Millionen Euro zu, Wolfgang Reitzle (Linde) kommt auf 16,8 Millionen Euro, Johannes Theyssen (Eon) hat 16,4 Millionen Euro an Pensionsanwartschaften gesammelt.

Es wäre ein Leichtes, diese Zahlen herzunehmen, um über den Sinn und Unsinn von Manager-Vergütungen zu debattieren; zumal diese Diskussion gerade sehr angesagt ist. Doch man kann die Zahlen auch in größerem Zusammenhang sehen: Die Dax-Konzerne haben insgesamt Pensionsverpflichtungen in Höhe von 317 Milliarden Euro in den Büchern stehen. Geld, das Mitarbeitern im Ruhestand in kommenden Jahren und Jahrzehnten zusteht. Die Ruhestandsbezüge der Manager sind da nur die Spitze eines Eisbergs.

Das Problem: Nach Berechnungen der Unternehmensberatung Towers Watson sind aktuell nur knapp 60 Prozent aller Pensionsverpflichtungen der Dax-Konzerne durch Vermögen gedeckt. Dieser Wert, der sogenannte „Ausfinanzierungsgrad“,  ist im vergangenen Jahr deutlich gesunken – um 7,7 Prozentpunkte. Die Finanzkrise hat die Lage verschärft. Durch die niedrigen Zinsen fällt die Finanzierung der Pensionen schwerer, was jetzt schon auf das Eigenkapital der Firmen durchschlagen kann. Das ist kein Grund zur Panik, schließlich werden die Betriebsrenten nicht von heute auf morgen fällig, aber Besorgnis ist angebracht.

„Auch wenn die deutschen Unternehmen ihre Betriebsrenten zu einem großen Teil erst in ferner Zukunft zahlen müssen, dürften das anhaltend niedrige Zinsniveau und Änderungen in der Rechnungslegung dazu führen, dass sich die Deckungslücke vergrößert“, erklärt Markus Wallner, Analyst der Commerzbank. Dies könne insbesondere Unternehmen treffen, deren Pensionsverpflichtungen schon jetzt nur zu einem geringen Anteil durch Vermögenswerte gedeckt sind, wie etwa Thyssen-Krupp.

Kommentare zu " Dax-Pensionslasten: Das kann teuer werden"

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  • Insbesondere für die Altersversorgung gilt: Nichts ist sicher im Leben und langfristig sind wir alle tot. Aber bei den Pensionsverpflichtungen der Unternehmen ist wenigstens noch das Bemühen um spätere Deckung beruhigend, wenn auch schwer zu beurteilen, wie sicher nun die Deckung ist. Die staatlichen Rentensysteme kommen, wie die übrigen Sozialkassen für Krankheit, Pflege etc. mit dem völlig ungedeckten Optimismus aus, daß die nächste Generation das schon alles über Steuern und Abgaben reinschaufeln wird, was gebraucht wird - andererseits muß eben weniger gebraucht werden, denn zum Beispiel ist ja eine durchschnittliche BfA-Rente von monatlich 800.- Euro bei einem Rentenbeginn ab 70 Jahren jetzt schon ein kaum noch zu rechtfertigender Luxus. Die Finanzminister sehen aber nach wie vor keine Notwendigkeit, dafür aus den laufenden Haushalten Rücklagen zu bilden, um künftige schlechte Jahre zu überbrücken. Und immerhin rechnen die Generationenforscher mit zukünftigen Verpflichtungen von rd. 5,0 Bio Euro oder 200% des BIP, die nicht durch laufende Einnahmen aus Steuern und Abgaben gedeckt sein werden: Wirklich, wir gehen finsteren Zeiten entgegen, in denen dann nur noch die Dax-Vorstände hoffentlich haben werden, was sie brauchen.

  • Das ist genau die Meldung auf die ich gewartet habe!
    Nichts aber auch rein garnichts ist in diesem Land sicher!
    Die gesamte "Altersvorsorge" in Deutschland bricht zusammen oder wird der Todesstoß geben!
    Das Zenario ist altbekannt

    erst Geld einbehalten oder -sammeln
    die Menschen in "Sicherheit" wiegen
    diese Kohle verz.. verspekulieren

    dann stöhnen
    und ein Zusammenbruchszenario lange genug zeichnen

    dann das Problem mit Hilfe willfähriger Minister lösen
    mit dehnen in bestehende Verträge Gesetzte etc. eingegriffen wird(damit die "Lasten" nicht zu groß werden).

    Getreu dem Motto
    was schert mich das Volk
    hauptsache ich habe ausgesorgt.

  • @hannilein.

    Betriebsrenten sind in der Regel durch den PSV (Pensionssicherungs-Verein) abgesichert. Dieser springt bei Insolvenz eines Unternehmens ein (siehe zB KarstadtQuelle).

    Hiervon profitiert gerade der "Normalverdiener".

    Für "Spitzenverdiener" greift der PSV oftmals nicht. Daher können Sie "Manager" häufig ihre Rentenansprüche abgelten (auszahlen) lassen (siehe EX Post Chef Zumwinkel mit ca. 15 Mio. Euro).

    Bitte machen Sie den Rentner keine Angst, es gibt kaum ein ähnlich gut abgesichertes Vehikel wie die Betriebsrente (als Direktzusage). Oftmals ist diese auch noch „inflationsgeschützt“, da die Rentenzahlungen zyklisch an das Gehaltsniveau angepasst werden müssen.

    Üppige Betriebsrenten verschärfen sicherlich noch die Ungerechtigkeit bei der Bezahlung: Nach 35 Jahren „Allianz“ ist schon mal eine Rente von Euro 2000 / Monat für einen Abteilungsleiter „drin“. Das steigert sich – je nach Erreichtem Karriere-Level – ganz erheblich. Die Frisöse kann von solchen Renten nur träumen…



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