Dax-Pensionslasten
Das versteckte Risiko

In den Bilanzen der Dax-Konzerne schlummern Risiken: Pensionslasten, fällig in kommenden Jahren und Jahrzehnten. Je länger die Zinsen niedrig bleiben, desto größer das Problem. Investoren und Aufseher sind beunruhigt.
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DüsseldorfBei Thyssen-Krupp brennt es derzeit an allen Ecken und Enden. Höchster Verlust der Geschichte. Milliardenschwere Fehlinvestitionen. Fragwürdige Geschäftspraktiken. Drei Vorstände treten ab. Die Dividende fällt aus. Trotzdem haben die Anleger dem Stahlkonzern fast schon wieder verziehen. Die Aktie hat ihre Talfahrt vorläufig beendet und legt seit Tagen zu. Die Ankündigung von Konzernchef Heinrich Hiesinger, das Unternehmen ganz neu aufzustellen, zeigt Wirkung an der Börse.

Doch ein Problem wird dem Stahlkonzern noch lange erhalten bleiben: ein Berg von Pensionslasten. Insgesamt hat das Unternehmen rund 7,7 Milliarden Euro für Pensionsrückstellungen in der Bilanz stehen. Diese Summe steht ehemaligen Angestellten in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zu. Davon sind aktuell gut zwei Milliarden durch Planvermögen gedeckt.

Investoren, Analysten und Ratingagenturen schauen bei Pensionsverpflichtungen genau hin. Dabei werden nicht gedeckte Verbindlichkeiten generell als Fremdkapital eingestuft. „Pensionsrückstellungen, die wie im Falle Lufthansa oder Thyssen-Krupp, ein Drittel oder mehr als die Hälfte des Börsenwertes ausmachen, können ein Ausschlusskriterium sein“, sagt Bert Flossbach, Gründer der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch. Um zu veranschaulichen, wie hoch sich die Pensionsrückstellungen bei manchem Unternehmen aufgetürmt haben, stellt er diese dem Börsenwert gegenüber. Demnach entsprechen die Pensionen bei Thyssen-Krupp rund 80 Prozent dessen, was das ganze Unternehmen an der Börse wert ist.

So hohe Pensionslasten im Verhältnis zum Börsenwert wie Thyssen-Krupp muss kein anderer Dax-Konzern schultern. Wobei auch andere Unternehmen in der Zukunft hohe Pensionen an ehemalige Mitarbeiter auszahlen müssen, etwa die Deutsche Lufthansa oder die Deutsche Post. Nur sehr wenig muss beispielsweise SAP zurücklegen.

Die 30 Unternehmen im Dax haben insgesamt Pensionsverpflichtungen in Höhe von rund 260 Milliarden Euro angehäuft. Solange die Verpflichtungen durch entsprechendes Planvermögen gedeckt sind, ist das kein Problem. Allerdings ist ein Teil – etwa ein Drittel – nicht abgedeckt. „Der Deckungsgrad der Dax-Pensionsverpflichtungen ist seit 2006 trotz aller wirtschaftlichen Turbulenzen stabil“, sagt Nigel Cresswell, Leiter Investment Consulting bei Towers Watson Deutschland. Allerdings könnte sich die Lücke in diesem Jahr vergrößert haben. Eine Hochrechnung von Towers Watson zum Ende des ersten Halbjahres 2012 ergab, dass der Deckungsgrad auf rund 62 Prozent gesunken ist. Genau wird man das wissen, wenn alle Unternehmen ihren Jahresabschluss vorgelegt haben.

Kommentare zu " Dax-Pensionslasten: Das versteckte Risiko"

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  • @Karl: DAX manipuliert?

    Der DAX steigt deshalb so unerklärlich, weil

    a) die Dividenden in den Kurs eingerechnet werden. Das verzerrt die reale Kursentwicklung und kann bei Anlegern zu Frust führen, da ihre Aktien sich subjektiv schlechter entwickeln als der DAX.

    b) regelmäßig schwache Werte rausgenommen werden (z.B. Metro) und durch starke Werte (z.B. Continental) ersetzt werden.

    Warum verhält sich die Börse z.Zt. so merkwürdig? Einige Werte steigen ins Unermessliche, andere fallen ins Bodenlose.

    Meine Vermutung: Das Misstrauen wegen Euro-Krise, US-Fiskalklippe usw. steckt den Anlegern tief in den Knochen. Aktien, die nur einen Funken von "Risiko" beinhalten, meiden die Leute wie der Teufel das Weihwasser. Zusätzlich hauen Baisse-Spekulanten auf die Kurse durch Leerverkäufe. Sobald eine Abwärtsdynamik da ist, verselbständigt sie sich. Niemand hat den Mut, bei niedrigen Kursen in großem Maßstab einzusteigen, was die Kurse wieder noch oben ziehen würde.

    Fundamentaldaten spielen schon längst keine Rolle mehr. Die Spannen bei KGV, KBV, KUV usw. sind so absurd groß, dass man wirklich jeden Glauben an den Einfluss der Fundamentaldaten verlieren kann.

    Hinzu kommt der Hochfrequenzhandel, der seine Algorithmen ja streng geheim hält. Das heißt, niemand weiß genau, nach welchen Strategien diese Computerprogramme den anderen das Geld abzuknöpfen versuchen. Z.B. soll Goldman Sachs viele Milliarden damit erwirtschaften. Die Gewinne fallen nicht vom Himmel, sondern werden Fonds-Managern und den Kleinanlegern aus der Tasche gezogen. Jedem Gewinn steht ein Verlust gegenüber.

    Das hat mit fairem Aktienhandel nichts mehr zu tun.

  • Das nennt man dann zufällig geschaffene ausgleichende Gerechtigkeit gegenüber all jenen Arbeitnehmern, die niemals in den Genuss einer Betriebsrente kommen, da Klein-und Mittelbetriebe diese kaum anbieten.

  • Bitte um Aufklärung

    Ich kann die Kennzahl Pensionsrückstellung in Prozent des Börsewertes nicht nachvollziehen.

    Was will man damit aussagen? Diese Rückstellungen wurden in den Vorjahren zu Lasten des Gewinns gebildet und sollten going concern betrachtet ja auch in werthaltigen Aktivposten der Bilanz vorhanden sind.

    Dass beim derzeitigen Zinsniveau je nach der Höhe des Rechnungszinsattzes eine mehr oder weniger große Bombe in der Bilanzen enthalten ist, will ich nicht leugnen.

    Darum, und ich höre schon den Aufschrei in der Redaktion und bei den Lesern. Es ist ein Ammenmärchen, dass die betriebliche und private Pensionsvorsorge sicher sind.

    Das gute alte viel gescholtene Umlageverfahren ist da wesentlich zuverlässiger. Das dumme daran ist nur, dass die Finanzindustrie nichts daran verdienen kann.

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