Dax-Schlussverkauf

Alles muss raus! Aktien im Sonderangebot

Deutschlands Firmen verdienen so viel wie noch nie. Doch an der Börse sind sie so preiswert wie selten. BMW, Deutsche Bank, BASF gibt es zu Schnäppchenpreisen. Sollten Anleger die niedrigen Kurse zum Kauf nutzen?
8 Kommentare
Unfassbar! Die Unternehmen verdienen prächtig, die Aktien stürzen ab. Quelle: Reuters

Unfassbar! Die Unternehmen verdienen prächtig, die Aktien stürzen ab.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfDer Kursrutsch an den Börsen hat Milliarden vernichtet. Die 30 Unternehmen im Dax sind 200 Milliarden Euro oder ein Drittel weniger wert als Ende Juli. Einen so heftigen Einbruch in so einem kurzen Zeitraum gab zuvor nur einmal in der deutschen Börsengeschichte: zu Beginn des Jahres 2008.

Vor drei Jahren hatte die Immobilienkrise die Finanzwelt erfasst. Doch die Realwirtschaft schien zunächst immun. Immer noch trieben die Exporte die Gewinne deutscher Firmen. Immer noch blickten sie optimistisch in die Zukunft. Lediglich die weltweiten konjunkturellen Frühindikatoren fielen – und mit ihnen die Börse.

So wie Anfang 2008 erscheint Anlegern die Welt im Spätsommer 2011. Diesmal trübt die Schuldenkrise zwar die Stimmung, und die konjunkturellen Frühindikatoren gehen auf Talfahrt. Doch die Firmen verdienen prächtig, weil die Nachfrage vor allem aus den Schwellenländern boomt.

15 der 30 Dax-Konzerne werden in diesem Jahr voraussichtlich Rekordgewinne erwirtschaften – darunter die Autobauer BMW und VW, der Chemiehersteller BASF, der Softwareriese SAP und der Markenartikel-Hersteller Henkel. Rekordgewinne auf der einen und einbrechende Aktienkurse auf der anderen Seite machen die Unternehmen an der Börse so billig wie noch nie. Gemessen am Aktienkurs im Verhältnis zum Nettogewinn – das ist die maßgebliche Einheit an den Finanzmärkten – sind die Dax-Konzerne derzeit um 45 Prozent niedriger bewertet als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahrzehnte.

Grundlage für diese Rechnung sind die erwarteten Erträge im Geschäftsjahr 2011. Angesichts des weit fortgeschrittenen Jahres sind die Gewinnprognosen relativ sicher. Die Unternehmen haben schließlich ihre Halbjahresergebnisse längst geliefert.

Die größten Bewertungsabschläge gibt es bei den  Banken. Die Commerzbank etwa kostet bei einem Aktienkurs von 1,70 Euro nur noch fünfmal so viel, wie sie voraussichtlich in diesem Jahr netto verdienen wird. Die Deutsche Bank kommt auf den historisch günstigen Faktor vier. Doch angesichts höherer Eigenkapitalanforderungen und möglicher Abschreibungen auf verlustreiche Staatsanleihen bezweifeln Anleger, dass die Banken ihr Ergebnis in den nächsten Jahren wiederholen können.

Niedrige Bewertungen zum Kauf nutzen?
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

8 Kommentare zu "Dax-Schlussverkauf: Alles muss raus! Aktien im Sonderangebot"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Endlich einmal ein intelligenter "Seitenbeitrag"! In D leben offenbar rund 30 Mio. Analphabeten! Vor 30 Jahren erinnere ich (47) mich, sehr erschrocken zu sein bei 3 Mio. Analphis. Aber - selbst bei DUDEN stritten sich die Redaktionen und das Mannheimer Haus um so genannte, individuelle Rechtschreibwege nach 2008.

  • Gab es mittlerweile denn auch einen Systemwechsel bei der Rechtschreibung? Ansonsten kann ich mir die "KGV´s" nicht erklären. Bisher war ein Apostroph vor einem Plural-s noch immer ein Rechtschreibefehler...

  • Ich denke, die Chinesen können warten, und wenn die selbstverwirklichende Prophezeiung der Zocker sich dann mit dem nächsten Absturz erfüllt, schlagen die zu.
    Die Chinesen sind sicherlich nicht an den Arbeitskräften , wohl aber am know how interessiert. Und das bekommen sie dann zum Nulltraif.

    Und die westliche Welt freut sich an den short-Gewinnen ...

  • Wie das so ist als ordentlicher Deutscher Kleinanleger. Aktien kaufen wenn sie hoch stehen und verkaufen wenn in der Presse Panik geschoben wird. Ansonsten würden einige Leute ja garkein Geld mehr verdienen.

  • Kritisch hin oder her, im ersten Teil wird von erwarteten Gewinnen der Aktien gesprochen aber genau diese Erwartung (erdrückende Schuldenlast in der EU)zieht den DAX runter. Eine Paradoxie wie ich finde. Momentan geht das ganze "Bündel" den Bach runter und die Aktien der Einzelunternehmen fahren gewinne ein. Rationale Erwartungen sehen anders aus.

  • haste den artikel ganz gelesen donolli?

    denn er enthält durchaus deinen kritischen aspekt im zweiten teil ;-)

  • Systemwechsel hin oder her, auch wenn man in zehn Jahren den Kaufpreis wieder reinbekommen würde wäre es ein Bombengeschäft die Deutsche Bank zu kaufen ... danach verdient man nämlich nur noch und das aller vorraussicht nach garnicht schlecht!

  • Man sollte sich vor Augen halten, dass die Gewinne vergangenheitsbezogen sind und somit auch die KGV´s.Ob diese gehalten werden können, daran zweifelt derzeit die Börse. Daher können die KGV´s einen auf die falsche Fährte führen. Insbesondere die Banken. Die stehen vor einem Systemwechsel! Zurück zur alten volkswirtschasftl. Funktion der Allokationsfunktion von Kapital für Produktion! Wenn da eine Bank noch eine Rendite von 5-7 % macht ist sie gut und effizient. Vorher sind aber noch enorme Anpasssungskosten über 2-3 Jahre fällig. Vorraussetung wird aber sein dass die "synt. Geldmaschine Investmentbanking" weltweit auf Ihre Ursprungsfunktion vor 30 Jahren zurückgetregelt wird. Kaum möglich, da es gesamte Volkswirtschaften gibt die davon wesentlich leben (siehe GB). Also folglich nichts ist günstig! Bitte unterschätzt nicht den Verstasnd der Leser!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%