Dax-Titel profitieren voraussichtlich stärker vom konjunkturellen Aufschwung als Mid Caps
Strategen: Gute Chancen für Standardwerte

Klein ist groß. Das galt zumindest in den vergangenen drei Jahren am deutschen Aktienmarkt. Während die Standardwerte im Deutschen Aktienindex (Dax) eine lange und ausgedehnte Talfahrt hinnehmen mussten und erst 2003 wieder auf die Erfolgsspur zurückfanden, fiel die Kursentwicklung bei vielen Titeln der zweiten Reihe deutlich besser aus. Im laufenden Jahr könnte sich diese Entwicklung Experten zufolge aber wieder umkehren.

HB DÜSSELDORF. Der konjunkturelle Aufschwung begünstigt tendenziell die großen, global tätigen Unternehmen. Dazu spricht die relativ hohe Bewertung der Indizes unterhalb des Dax dafür, dass die Aktien aus dem Leitindex derzeit die bessere Kurschancen haben.

„Die Erfahrung zeigt, dass institutionelle Anleger in Aufwärtsbewegungen vor allem Standardwerte kaufen“, sagt Erhard Schmitt von Helaba Trust. Großinvestoren, die von der gestiegenen Attraktivität der Dividendentitel profitieren wollen, greifen auf Grund der höheren Liquidität zu Large Caps, weil sie dort schneller mit großen Summen einsteigen könnten.

Die Aussichten für kleinere Werte, da sind sich viele Strategen einig, gestalten sich dagegen in diesem Jahr schlechter als in den Vorjahren. Vor allem der M-Dax gilt bei Analysten inzwischen als hoch bewertet. „Das Potenzial des MDax sollte weitgehend ausgereizt sein, während der Dax nach wie vor unterbewertet ist“, sagt Carsten Klude, Stratege beim Bankhaus M.M. Warburg. „Der M-Dax wies früher immer einen kleinen Abschlag zum Dax auf. Dieser ist inzwischen vollständig aufgeholt“, fügt er hinzu.

Größeres Aufwärtspotenzial wegen Technologie- und Finanzwerten

Ein Grund hierfür ist, dass die Kurse der meisten M-Dax-Werte in den vergangenen Jahren weniger drastisch gefallen sind als die vieler Standardwerte. Dazu kommt die unterschiedliche Zusammensetzung beider Börsenbarometer. Während im Dax die konjunktursensiblen Technologie- und Finanzwerte eine wichtige Rolle spielen, sind sie im M-Dax unterrepräsentiert. „Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass der Dax jetzt mit dem Anziehen der Konjunktur auch ein größeres Aufwärtspotenzial hat“, erwartet Klude.

Allerdings rät Helaba-Experte Schmitt den Anlegern, sich nicht einzig auf dieses Handlungsmuster zu verlassen und die zweite Reihe komplett zu vernachlässigen: „Auch im Mid-Cap-Bereich gibt es eine Reihe von Unternehmen, die sehr stark von der Konjunkturerholung profitieren und somit Kurspotenzial haben.“ Wichtiger als das generelle Marktumfeld sei daher ein detaillierter Blick auf spezifische Aspekte einzelner Unternehmen.

Matthias Jörss, Stratege beim Bankhaus Sal. Oppenheim, rät ebenfalls dazu, bei einzelnen Titeln genau auf die Nachrichtenlage zu achten: „Es gibt sehr viele attraktive Geschichten, die wir nutzen würden. Wir haben extrem niedrige Creditspreads. Dies sollte dazu führen, dass Anleger auch verstärkt auf Turnaround-Spekulationen setzen werden“, sagt er. „Eine große Rolle werden bis zum Jahresende auch Übernahme-Phantasien spielen. Gerade im M-Dax und S-Dax ist hier noch einiges zu erwarten.“

Doch es gibt auch Banken, die aus fundamentalen Gründen auf kleinere Werte setzen. So gehen die Strategen von HSBC Trinkaus & Burkhardt davon aus, dass sich die günstige Entwicklung der Small und Mid Caps auch 2004 fortsetzen wird. „Die Anleger sind zunehmend an Unternehmen interessiert, die ein langfristig hohes Wachstums-Potenzial aufweisen, unabhängig vom unsicheren wirtschaftlichen Umfeld“, heißt es in einer Studie. Und diese seien verstärkt in der zweiten Reihe zu finden. Zu ihren Favoriten zählen die Trinkaus-Strategen die Finanzwerte Depfa, Aareal und AWD sowie den Sportartikelhersteller Puma, den Klinikbetreiber Rhön Klinikum und den Autozulieferer Beru.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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