Dax-Umfrage Anleger sind wieder in Kauflaune

US-Notenbankchefin Janet Yellen hat vergangene Woche den Startschuss für die Sommerrally gegeben – doch wie weit gehen die Kursgewinne noch? Eine exklusive Umfrage zeigt, dass sich die Anlegerstimmung gedreht hat.
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Gier und Panik? Wann Emotionen die Kurse bewegen

Gier und Panik? Wann Emotionen die Kurse bewegen

DüsseldorfVor einer Woche war für den Börsenexperten Stephan Heibel klar: „Statistisch gesehen steigt die Wahrscheinlichkeit einer Rally, ... wenngleich sich das Sicherheitsnetz unter den aktuellen Kursen erst noch bilden muss...“ Und damit sollte er recht behalten. Nachdem nämlich US-Notenbankchefin Janet Yellen am Mittwoch in einer Rede vor dem US-Kongress die Erwartungen an weitere Zinserhöhungen im laufenden Jahr deutlich gesenkt hatte, sprangen die Aktienmärkte an.

Seine Prognosen zur künftigen Börsenentwicklung leitet Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx, aus der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment ab. Dabei werden wöchentlich mehr als 2.500 Anleger zur Börsenstimmung befragt. Die Qualität der Vorhersagen des Sentiment-Experten ist seit dem Beginn der Umfrage vor mehr als drei Jahren sehr gut.

Das wurde im ersten Halbjahr 2017 aus 100.000 Euro
Platz 25: Zucker
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Wie gewonnen, so zerronnen. Im vergangenen Jahr gehörte Zucker mit einem Plus von 28 Prozent zu den lukrativsten Anlageformen, im ersten Halbjahr 2017 machten Investoren aber deutliche Verluste. Der Preis für eine Tonne Rohrzucker brach in New York um mehr als 35 Prozent ein. Zucker wird – wie alle Rohstoffe - in Dollar gehandelt wird. Der zum Euro gefallene Dollar vergrößerte die Verluste für hiesige Investoren noch. Wer Anfang des Jahres einen Terminkontrakt für 100.000 Euro auf Zucker kaufte, hat so jetzt – ohne Transaktionskosten - nur noch 59.740 Euro auf dem Konto. Hauptgrund für den Verfall sind globale Produktionsüberschüsse und wachsende Lagerbestände.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 24: Öl
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Hohe Lagerbestände sind auch ein Grund dafür, dass der Ölpreis in diesem Jahr wieder auf Talfahrt gegangen ist. Dazu kommt die steigende Förderung in den USA, nicht nur von traditionellem, sondern auch von aus Schiefergestein gewonnenem Öl. Seit Januar fiel der Preis für ein Fass (159 Liter) der Nordseeölsorte Brent um 16 Prozent, aus 100.000 in Ölkontrakten angelegten Euro wurden sogar nur 77.520 Euro – ein Minus von 22,48 Prozent. Die seit November vergangenen Jahres geltende Förderbremse der Organisation Erdölexportierender Länder (Opec) und zehn weiterer Nationen zieht damit nicht. Die USA machen bei den Beschränkungen nicht mit.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 23: Aktien Katar
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Das reichste Land der Welt wird von seinen Nachbarn isoliert. Saudi-Arabien und seine Verbündeten Vereinigte Arabische Emirate, Bahrain, Ägypten und Jemen warfen Katar Anfang Juni vor, Extremisten zu unterstützen und haben ihre diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu dem Wüstenstaat abgebrochen. Darauf reagierte auch die Börse. Die Verluste des QE-Index in Doha summieren sich so seit Jahresanfang auf 13,5 Prozent, dazu wertete die Landeswährung Katar-Riyal zu Dollar und Euro ab. Von 100.000 in den QE-Index investierten Euro sind so nur noch 79.500 Euro übrig.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 22: Aktien Russland
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Die Erholung der russischen Börse aus dem vergangenen Jahr ist schon wieder zu Ende. 100.000 in den Leitindex Micex investierte Euro schrumpften seit Januar auf 81.200 Euro – ein Verlust, der durch die Abwertung des Rubels noch verstärkt wurde. Hauptgründe für den neuen Einbruch der Börse sind der wieder fallende Ölpreis. Dazu belasten nach wie vor die wegen der Ukraine-Krise verhängten Sanktionen die russische Wirtschaft.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 21: US-Dollar
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Vor allem am Devisenmarkt zeigt sich, dass die Euphorie um US-Präsident Trump verflogen ist. Die Hoffnungen schwinden, dass er seine angekündigten Steuersenkungs- und Investitionsprogramme zügig durchgesetzt bekommt. Auch die Politaffären rund um FBI und Russland lassen den Dollar schwächeln. Und das nicht nur zum Euro, sondern zu den meisten wichtigen Währungen. Der Euro dagegen legte zu vielen Währungen zu. Die Folge: Aus 100.000 zu Jahresbeginn in den Dollar investierten Euro sind in den ersten sechs Monaten des Jahres nur noch 81.200 Euro geworden, ein Minus von über sieben Prozent.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 20: Aktien Brasilien
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Mit vielen Vorschusslorbeeren war Brasiliens Präsident Michel Temer Ende 2015 ins Amt gestartet. Doch im März kam heraus, dass auch Temer in den seit Jahren schwelenden landesweiten Bestechungsskandal rund um die Konzerne Petrobras (Öl- und Gas), Odebrecht (Bau- und Chemie) sowie JBS (Fleisch) verwickelt ist. Das ernüchterte die Investoren. In Real gerechnet legte der Ibovespa-Index zwar knapp drei Prozent zu, aber der Real wertete deutlich ab. Von 100.000 in den Ibovespa investierten Euro verloren Anleger somit in diesem Jahr 5.595 Euro auf 94.050 Euro.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 19: US-Staatsanleihen
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Für Dollar-Anleger haben sich US-Staatsanleihen besser entwickelt als erwartet. Obwohl die US-Notenbank Fed den Leitzins in diesem Jahr bereits zweimal auf ein Band von jetzt 1,00 bis 1,25 Prozent erhöht hat, stiegen die Kurse von US-Staatsanleihen mit langer Laufzeit. Das liegt vor allem an den gesunkenen Inflationserwartungen. Quer über alle Laufzeiten erzielten Anleger im ersten Halbjahr mit US-Staatsanleihen so einen Gesamtertrag aus Zinseinnahmen und Kursveränderungen von immerhin gut zwei Prozent. Der Verlust des Dollars zum Euro zehrte diesen Gewinn aber für Euro-Anleger mehr als auf. Aus 100.000 in US-Staatsanleihen investierten Euro bleiben so nur 94.970 Euro übrig.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Dem aktuellen Umfrageergebnis zufolge ist es kein Wunder, dass die Laune unter den Anlegern angesprungen ist, nachdem der Dax in der abgelaufenen Woche um zwei Prozent auf 12.632 Punkte zulegen konnte.
Als Folge sehen 22 Prozent (plus 19 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) den deutschen Leitindex wieder in einem Aufwärtsimpuls. Weitere 16 Prozent (plus sechs Prozentpunkte) gehen von einer Topbildung aus.

Der Abwärtsimpuls ist vorüber, nur noch acht Prozent (minus 37 Prozentpunkte) sehen die Frankfurter Benchmark in einer Abwärtsbewegung. Mit 51 Prozent (plus 16 Prozentpunkte) trauen extrem viele Anleger dem Braten noch nicht so richtig und gehen zunächst mal von einer Seitwärtsbewegung aus. „Die Laune der Anleger ist damit von Niedergeschlagenheit binnen weniger Tage wieder in den positiven Bereich gesprungen, allerdings fehlt noch ein wenig bis zur Euphorie“, lautet das Fazit von Heibel.

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Auch die Selbstzufriedenheit ist nach dem Kurssprung gestiegen. 57 Prozent (plus 14 Prozentpunkte) haben das Dax-Plus so zum größten Teil erwartet, jeder zehnte Umfrageteilnehmer (plus ein Prozentpunkt) hat nach eigenen Angaben sogar darauf spekuliert. Nur noch jeder Vierte (minus fünf Prozentpunkte) sieht seine Erwartungen als kaum erfüllt, und auf dem falschen Fuß wurden nur noch acht Prozent (minus zehn Prozentpunkte) erwischt.

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2 Kommentare zu "Dax-Umfrage: Anleger sind wieder in Kauflaune"

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  • Ob man diejenigen, die Aktien kaufen, weil sie keine Alternativen sehen, gleich Optimisten nennen sollte?

    Unter den Aktienkaeufern gibt es durchaus solche, die zu wissen glauben, wohin die weiterhin ungebrochene Schuldenorgie fuehren wird. Man schuetzt sich durch Aktienkauf auch nicht vor Inflation. Inflation fuehrt zu allgemeinen Kaufkraftverlusten, die auch die Unternehmensgewinne nicht unberuehrt lassen. Wer heute meint, Aktien seien “billig”, weil sie mit weniger als dem 15-fachen der Gewinne im naechsten Jahr bewertet sind, ist sehr, sehr kurzzsichtig. Wirtschaft funktioniert am besten bei Geldwert-STABILITAET und ob wir die aufrechterhalten koennen ist sehr die Frage.

  • Jeder der hinsichtlich US-Aktien Entwicklung auf das HB geachtet hätte, hätte sehr viel Geld verloren. Mach immer das Gegenteil von dem, was das HB dir rät, besonders wenn Mr Trump dabei erwähnt wird und du kannst sehr viel Geld machen.

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