Dax-Umfrage

„Anleger sollten die turbulenten Tage nutzen“

Laut der exklusiven Handelsblatt-Umfrage hatten Anleger sich offensichtlich ein „Ja“ aus Griechenland gewünscht. Doch der heutige Ausverkauf zum Auftakt dürfte nicht lang anhalten, zeigt eine exklusive Analyse.
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Das Handelsblatt-Dax-Sentiment ist eine Umfrage zur Börsenstimmung unter mehr als 2300 Anlegern. Quelle: Getty Images
Dax-Umfrage

Das Handelsblatt-Dax-Sentiment ist eine Umfrage zur Börsenstimmung unter mehr als 2300 Anlegern.

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfWas für ein rasanter Börsenauftakt am heutigen Montag: Der deutsche Leitindex rutschte vorbörslich auf 10744 Punkten – ein Minus von mehr 300 Punkten gegenüber dem Handelsschluss am vergangenen Freitag. „Anleger hatten sich offensichtlich ein 'Ja' aus Griechenland gewünscht, deswegen mit kurzzeitigen Turbulenzen am Markt gerechnet und wollten sich in dieser Phase dann mit Aktien für die kommenden Monate eindecken“, meint Stephan Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx. Doch das gestrige „Nein“ der Griechen erfüllte diese Erwartungen nicht. Deswegen das dicke Minus zum Handelsauftakt.

Heibel hat das Handelsblatt Dax-Sentiment, eine wöchentliche Umfrage unter mehr als 2200 Anlegern, ausgewertet. Aufgrund der Antworten ermittelt der Experte die Börsenstimmung, also ob Anleger zur aktuellen und zur künftigen Entwicklung an den Aktienmärkten optimistisch oder pessimistisch eingestellt sind – was jeweils ein Kontraindikator ist. Weitere Prognosen finden Sie unter Vergleich Dax-Sentiment und Indexentwicklung.

Er läuft und läuft und läuft
1. Juli 1988
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Der Dax feiert seinen Einstand. Rechnerisch startet er allerdings am 30. Dezember 1987 bei einem Stand von 1.000 Punkten. Der Deutsche Leitindex umfasst die größten 30 börsennotierten deutschen Unternehmen und ist ein Performance-Index. Das heißt: Die Dividenden, die die Dax-Unternehmen auszahlen, werden in den Kurs des Indizes wieder eingerechnet. Manche bezeichnen ihn deshalb als „Mogelpackung“ und finden einen Vergleich mit Kurs-Indizes – wie dem Dow Jones – „unfair“.

16. Oktober 1989
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Der erste schwarze Tag für den Dax: Er bricht im Sog der Wall Street um rund 13 Prozent ein.

Dabei war der Kurssturz an der Wall Street mit Minus sieben Prozent deutlich kleiner. Die Ursache: In den achtziger Jahren hatten Übernahmen und Fusionen in den USA Hochkonjunktur. Unternehmen nahmen Kredite auf, um andere Unternehmen zu kaufen. Das Problem war, dass dadurch viele Unternehmen hoch verschuldet waren. Es kamen bereits Sorgen auf, dass Unternehmen in Schieflage geraten könnten, sobald die Zinsen steigen würden oder es Liquiditätsengpässe gebe.

Der Auslöser: Die Übernahme von United Airlines scheiterte an der Finanzierung und löste eine Verkaufswelle aus. Zuerst wurden Übernahmekandidaten abgestoßen, dann alle anderen Aktien. Die Angst der Anleger, dass Unternehmen Liquiditätsprobleme bekommen, entlud sich an der Börse.

18. November 1996
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Bei der Privatisierung der Deutschen Telekom wird die T-Aktie als Volksaktie vermarktet. Das Interesse der Öffentlichkeit am Dax nimmt stark zu. Telekom-Chef Ron Sommer steht hier am 17. November 1996 vor der Frankfurter Wertpapierboerse, an der der Einführungspreis der T-Aktie von seinerzeit 28,50 D-Mark angezeigt wird. Die Aktie wurde allerdings zur Enttäuschung. Lesen sie hier die gesamte Chronik der T-Aktie.

28. Oktober 1997
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Im Sog der Asienkrise sackt der Dax im Handelsverlauf bis zu 13 Prozent ab und schließt mit 3567 Punkten acht Prozent niedriger.

Hintergrund: Asien galt in den Neunziger Jahren als Wachstumszentrum der Welt. Die sogenannten Tigerstaaten (Singapur, Südkorea, Taiwan, Hong Kong) galten als große Hoffnungsträger, gerieten aber wegen finanzpolitischer Fehlentwicklungen (und zahlreicher weiterer Faktoren) in Schieflage. Der massive Kapitalabfluss aus diesen Ländern löste schließlich auch Panik an der Börse aus. Der Dax brach ein, erholte sich aber am nächsten Tag fast wieder vollständig. Hier hätten Kostolanys Schlaftabletten viel Geld gespart.

28. November 1997
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Mit dem neuen elektronischen Handelssystem Xetra - kurz für „Exchange Electronic Trading“ - bricht für die Börse ein neues Zeitalter an. Xetra löste den Vorgänger IBIS ab.

Mittlerweile sind die Aktienhändler am Frankfurter Parkett nur noch Fassade. Der „wirkliche“ Dax-Handel findet in einem Rechenzentrum statt. Der Handel an der Präsenzbörse in Frankfurt am Main wurde am 20. Mai 2011 abgeschafft.

7. März 2000
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Der Dax erreicht ein neues Rekordhoch von 8136 Punkten. Befeuert wird die Euphorie von der Entstehung des Internets und einem sich ausbreitenden Fusionsfieber. Danach ging es wegen einer sich abkühlenden Wirtschaft und dem Einbruch des Neuen Marktes deutlich abwärts. Diesen Höchststand erreichte der Dax dann erst wieder im Jahr 2007.

11. September 2001
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Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um rund neun Prozent. Im Handelsverlauf ging es für den Leitindex sogar um bis zu elf Prozent nach unten. Die US-Börsen setzten den Handel sofort aus und eröffneten die Börsen sechs Tage später – „den Kriminellen zum Trotz“. Bei der Wiedereröffnung gingen die US-Börsen auf Talfahrt – allerdings nicht ganz so stark wie befürchtet. Der Dow Jones verlor etwa sieben Prozent.

Heibel gibt gleichzeitig Entwarnung. „Da sich nur wenige Anleger im Vorfeld des Referendums klar positioniert hatten, erwarte ich keine Beschleunigung des Ausverkaufs.“ Er empfiehlt langfristig orientierten Anlegern diese turbulenten Tage nutzen, um Positionen aufzubauen. „Rechnen Sie jedoch nicht damit, dass Ihre Positionen bereits nächste Woche dick im Plus notieren, gegebenenfalls kann das einige Wochen auf sich warten lassen“, meint der Animusx-Inhaber.

Zwar hat offenbar der Rücktritt des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis am heutigen Montag die Börsen wieder beflügelt und den Dax über 10-900 Punkte gehievt. Doch ob diese Kursgewinne einfach so weitergehen?

„Italien hat schon verlauten lassen, dass eine neue Lösung für Griechenland gesucht werden müsse. Aus Deutschland kommen eher Stimmen, die einen Grexit als unausweichlich sehen“, erläutert der Börsenexperte. In diesem ungewissen Stimmungsumfeld lasse sich eine künftige Richtung für den Dax kaum ableiten. „Was sich aus dem Umfrageergebnis allerdings deutlich ablesen lässt ist, dass ein Crash oder ein sich beschleunigender Ausverkauf nicht zu fürchten ist“, so Heibel.

In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?


Dazu sei die Stimmung der Anleger zu verhalten, also nicht zu optimistisch, was ein Indiz für bald fallende Kurse wäre. Denn bei hohem Optimismus haben viele Anleger bereits gekauft und scheiden als Käufer aus, sollten die Kurse fallen. Und die Anleger sind derzeit neutral positioniert. Das bedeutet, dass sie je nach Börsenentwicklung wieder in den Markt einstiegen können und damit einen Crash verhindern.

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1 Kommentar zu "Dax-Umfrage: „Anleger sollten die turbulenten Tage nutzen“"

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  • Die großartige Ohrfeige ins Gesicht der Euro-Nomenklatura aus der Umfrage in Griechenland ist zwar in der Sache nutzlos, aber ein Wahrzeichen zum Ende des siechen Euro.

    Nun in die Märkte zu gehen und zu kaufen, ist selbstmörderisch - wird aber immer wieder empfohlen von Leuten, die entweder ahnungslos oder böswillig agieren (möchten).

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