Dax-Umfrage

Anleger stehen an der Seitenlinie

Trotzige Zuversicht, diese Börsenstimmung herrschte beim vergangenen Dax-Sentiment vor drei Wochen. Nun warten die Anleger aber lieber ab. Was das für diese Handelswoche bedeutet, zeigt ein exklusive Analyse.
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Das Handelsblatt-Dax-Sentiment ist eine Umfrage zur Börsenstimmung unter mehr als 2300 Anlegern. Quelle: Getty Images
Dax-Umfrage

Das Handelsblatt-Dax-Sentiment ist eine Umfrage zur Börsenstimmung unter mehr als 2300 Anlegern.

(Foto: Getty Images)

Vor drei Wochen erfolgte die bisher jüngste deutliche Dax-Korrektur: Der deutsche Leitindex rutschte damals kurzfristig unter die Marke von 11.200 Punkten. „Das interpretieren wir aus Sentimentsicht als ausreichenden Ausverkauf“, meint Börsenexperte Stephan Heibel. Er hatte vor drei Wochen in der damaligen Dax-Sentiment-Auswertung Anlegern bei derartigen Kursen den Einstieg empfohlen.

Unter der Überschrift „Die Basis für eine nachhaltige Rally“ beschrieb er, dass aus seiner Sicht „das schnelle Ende der Korrektur aus Sentiment-Sicht dann bevorstehen würde, wenn es kurzzeitig nochmals unter 11.400 oder gar 11.000 Punkte im Dax gehen sollte“. Er sah bereits das damals aktuelle Kursniveau als Kaufniveau an und würde einen weiteren Kursrutsch sogar aggressiv für weitere Käufe nutzen.

Grundlage für seine Einschätzungen ist das Dax-Sentiment, eine wöchentliche Handelsblatt-Umfrage zur Börsenstimmung unter mehr als 2200 Anlegern. Die Umfrage wird anschließend vom Analysehaus Animusx ausgewertet und interpretiert. Anhand der Umfrage gibt Animusx-Inhaber Heibel Anhaltspunkte, wie sich der Dax in der neuen Handelswoche entwickeln könnte. Die bisherige Bilanz kann sich sehen lassen (siehe auch Dax-Sentiment: Vergleich Prognosen mit Indexverlauf).

Nun ist der Dax gegenüber der vergangenen Auswertung um rund drei Prozent gestiegen und die Stimmung hat sich deutlich verändert. Aus einer trotzigen Zuversicht damals ist nun eine neutrale, abwartende Haltung geworden. Denn alle vier verschiedenen Sentiment-Werte (Aktuelle Börsenlage, Selbstgefälligkeit der Anleger, Börsenentwicklung in drei Monaten und Investitionsbereitschaft) liegen im neutralen Bereich.

Er läuft und läuft und läuft
1. Juli 1988
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Der Dax feiert seinen Einstand. Rechnerisch startet er allerdings am 30. Dezember 1987 bei einem Stand von 1.000 Punkten. Der Deutsche Leitindex umfasst die größten 30 börsennotierten deutschen Unternehmen und ist ein Performance-Index. Das heißt: Die Dividenden, die die Dax-Unternehmen auszahlen, werden in den Kurs des Indizes wieder eingerechnet. Manche bezeichnen ihn deshalb als „Mogelpackung“ und finden einen Vergleich mit Kurs-Indizes – wie dem Dow Jones – „unfair“.

16. Oktober 1989
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Der erste schwarze Tag für den Dax: Er bricht im Sog der Wall Street um rund 13 Prozent ein.

Dabei war der Kurssturz an der Wall Street mit Minus sieben Prozent deutlich kleiner. Die Ursache: In den achtziger Jahren hatten Übernahmen und Fusionen in den USA Hochkonjunktur. Unternehmen nahmen Kredite auf, um andere Unternehmen zu kaufen. Das Problem war, dass dadurch viele Unternehmen hoch verschuldet waren. Es kamen bereits Sorgen auf, dass Unternehmen in Schieflage geraten könnten, sobald die Zinsen steigen würden oder es Liquiditätsengpässe gebe.

Der Auslöser: Die Übernahme von United Airlines scheiterte an der Finanzierung und löste eine Verkaufswelle aus. Zuerst wurden Übernahmekandidaten abgestoßen, dann alle anderen Aktien. Die Angst der Anleger, dass Unternehmen Liquiditätsprobleme bekommen, entlud sich an der Börse.

18. November 1996
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Bei der Privatisierung der Deutschen Telekom wird die T-Aktie als Volksaktie vermarktet. Das Interesse der Öffentlichkeit am Dax nimmt stark zu. Telekom-Chef Ron Sommer steht hier am 17. November 1996 vor der Frankfurter Wertpapierboerse, an der der Einführungspreis der T-Aktie von seinerzeit 28,50 D-Mark angezeigt wird. Die Aktie wurde allerdings zur Enttäuschung. Lesen sie hier die gesamte Chronik der T-Aktie.

28. Oktober 1997
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Im Sog der Asienkrise sackt der Dax im Handelsverlauf bis zu 13 Prozent ab und schließt mit 3567 Punkten acht Prozent niedriger.

Hintergrund: Asien galt in den Neunziger Jahren als Wachstumszentrum der Welt. Die sogenannten Tigerstaaten (Singapur, Südkorea, Taiwan, Hong Kong) galten als große Hoffnungsträger, gerieten aber wegen finanzpolitischer Fehlentwicklungen (und zahlreicher weiterer Faktoren) in Schieflage. Der massive Kapitalabfluss aus diesen Ländern löste schließlich auch Panik an der Börse aus. Der Dax brach ein, erholte sich aber am nächsten Tag fast wieder vollständig. Hier hätten Kostolanys Schlaftabletten viel Geld gespart.

28. November 1997
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Mit dem neuen elektronischen Handelssystem Xetra - kurz für „Exchange Electronic Trading“ - bricht für die Börse ein neues Zeitalter an. Xetra löste den Vorgänger IBIS ab.

Mittlerweile sind die Aktienhändler am Frankfurter Parkett nur noch Fassade. Der „wirkliche“ Dax-Handel findet in einem Rechenzentrum statt. Der Handel an der Präsenzbörse in Frankfurt am Main wurde am 20. Mai 2011 abgeschafft.

7. März 2000
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Der Dax erreicht ein neues Rekordhoch von 8136 Punkten. Befeuert wird die Euphorie von der Entstehung des Internets und einem sich ausbreitenden Fusionsfieber. Danach ging es wegen einer sich abkühlenden Wirtschaft und dem Einbruch des Neuen Marktes deutlich abwärts. Diesen Höchststand erreichte der Dax dann erst wieder im Jahr 2007.

11. September 2001
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Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um rund neun Prozent. Im Handelsverlauf ging es für den Leitindex sogar um bis zu elf Prozent nach unten. Die US-Börsen setzten den Handel sofort aus und eröffneten die Börsen sechs Tage später – „den Kriminellen zum Trotz“. Bei der Wiedereröffnung gingen die US-Börsen auf Talfahrt – allerdings nicht ganz so stark wie befürchtet. Der Dow Jones verlor etwa sieben Prozent.

Nur noch gut jeder Zehnte sieht in der aktuellen Börsenlage einen Aufwärtstrend, ein Rückgang von 33 Prozentpunkten gegenüber der vorherigen Beobachtungsphase. Jeder fünfte Umfrageteilnehmer schätzt die derzeitige Situation als Aufwärtstrend ein, jeder Zweite sieht einen Seitwärtstrend.

Anleger sind nicht mehr zuversichtlich
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2 Kommentare zu "Dax-Umfrage: Anleger stehen an der Seitenlinie"

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  • "Viele Anleger stehen immer an der Seitenlinie..."

    ist von mir natürlich falsch ausgedrückt, ist sind natürlich keine Anleger,denn ein Anleger legt ja irgendwo irgendwas an !

    Unten kaufen und oben geben, das isr meine Devise,dann schließt sich auch der Kreis mit den Medien und der gierige Spekulant ist ein cleverer Anleger.

  • Viele Anleger stehen immer an der Seitenlinie. Speziell die Deutschen.

    Wenn der Index oben ist kann man sagen: Doofe Spekulanten! Zu teuer!
    Wenns abwärts geht kann man sagen: Gierige Spekulanten selbst schuld! Habs doch gleich gewusst!

    Das Vermögensaufbau so nicht geht ist längst klar.
    Vermögensscherendiskussion in den Medien sollte sich dann ggf. etwas schließen. Wenn das dann der Effekt ist soll mir das recht sein.

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