Dax-Umfrage

Anleger wollen Rally nicht verpassen

Dieselskandal und starker Euro: Für Investoren sind das nur vorübergehende Belastungen für deutsche Aktien. Sie wollen sogar verstärkt Wertpapiere kaufen. Die Konstellation bietet großes Überraschungspotenzial.
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Gier und Panik? Wann Emotionen die Kurse bewegen

Gier und Panik? Wann Emotionen die Kurse bewegen

DüsseldorfVor einer Woche beschrieb Börsenexperte Stephan Heibel die Stimmung der Anleger mit Panik. Und leitete daraus eine zumindest kurzfristig gute Gelegenheit für eine Spekulation auf steigende Kurse ab. Tatsächlich sprang der Dax in der vergangenen Woche kräftig auf und ab und endete mit einem Wochenplus von 1,1 Prozent bei 12.298 Punkten.

Wöchentlich wertet der Inhaber des Analysehauses Animusx die Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment unter mehr als 2600 Anlegern aus. Zusammen mit anderen Indikatoren prognostiziert er, wie sich der deutsche Leitindex in den kommenden Handelstagen entwickeln könnte.

Das wurde im ersten Halbjahr 2017 aus 100.000 Euro
Platz 25: Zucker
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Wie gewonnen, so zerronnen. Im vergangenen Jahr gehörte Zucker mit einem Plus von 28 Prozent zu den lukrativsten Anlageformen, im ersten Halbjahr 2017 machten Investoren aber deutliche Verluste. Der Preis für eine Tonne Rohrzucker brach in New York um mehr als 35 Prozent ein. Zucker wird – wie alle Rohstoffe - in Dollar gehandelt wird. Der zum Euro gefallene Dollar vergrößerte die Verluste für hiesige Investoren noch. Wer Anfang des Jahres einen Terminkontrakt für 100.000 Euro auf Zucker kaufte, hat so jetzt – ohne Transaktionskosten - nur noch 59.740 Euro auf dem Konto. Hauptgrund für den Verfall sind globale Produktionsüberschüsse und wachsende Lagerbestände.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 24: Öl
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Hohe Lagerbestände sind auch ein Grund dafür, dass der Ölpreis in diesem Jahr wieder auf Talfahrt gegangen ist. Dazu kommt die steigende Förderung in den USA, nicht nur von traditionellem, sondern auch von aus Schiefergestein gewonnenem Öl. Seit Januar fiel der Preis für ein Fass (159 Liter) der Nordseeölsorte Brent um 16 Prozent, aus 100.000 in Ölkontrakten angelegten Euro wurden sogar nur 77.520 Euro – ein Minus von 22,48 Prozent. Die seit November vergangenen Jahres geltende Förderbremse der Organisation Erdölexportierender Länder (Opec) und zehn weiterer Nationen zieht damit nicht. Die USA machen bei den Beschränkungen nicht mit.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 23: Aktien Katar
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Das reichste Land der Welt wird von seinen Nachbarn isoliert. Saudi-Arabien und seine Verbündeten Vereinigte Arabische Emirate, Bahrain, Ägypten und Jemen warfen Katar Anfang Juni vor, Extremisten zu unterstützen und haben ihre diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu dem Wüstenstaat abgebrochen. Darauf reagierte auch die Börse. Die Verluste des QE-Index in Doha summieren sich so seit Jahresanfang auf 13,5 Prozent, dazu wertete die Landeswährung Katar-Riyal zu Dollar und Euro ab. Von 100.000 in den QE-Index investierten Euro sind so nur noch 79.500 Euro übrig.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 22: Aktien Russland
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Die Erholung der russischen Börse aus dem vergangenen Jahr ist schon wieder zu Ende. 100.000 in den Leitindex Micex investierte Euro schrumpften seit Januar auf 81.200 Euro – ein Verlust, der durch die Abwertung des Rubels noch verstärkt wurde. Hauptgründe für den neuen Einbruch der Börse sind der wieder fallende Ölpreis. Dazu belasten nach wie vor die wegen der Ukraine-Krise verhängten Sanktionen die russische Wirtschaft.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 21: US-Dollar
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Vor allem am Devisenmarkt zeigt sich, dass die Euphorie um US-Präsident Trump verflogen ist. Die Hoffnungen schwinden, dass er seine angekündigten Steuersenkungs- und Investitionsprogramme zügig durchgesetzt bekommt. Auch die Politaffären rund um FBI und Russland lassen den Dollar schwächeln. Und das nicht nur zum Euro, sondern zu den meisten wichtigen Währungen. Der Euro dagegen legte zu vielen Währungen zu. Die Folge: Aus 100.000 zu Jahresbeginn in den Dollar investierten Euro sind in den ersten sechs Monaten des Jahres nur noch 81.200 Euro geworden, ein Minus von über sieben Prozent.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 20: Aktien Brasilien
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Mit vielen Vorschusslorbeeren war Brasiliens Präsident Michel Temer Ende 2015 ins Amt gestartet. Doch im März kam heraus, dass auch Temer in den seit Jahren schwelenden landesweiten Bestechungsskandal rund um die Konzerne Petrobras (Öl- und Gas), Odebrecht (Bau- und Chemie) sowie JBS (Fleisch) verwickelt ist. Das ernüchterte die Investoren. In Real gerechnet legte der Ibovespa-Index zwar knapp drei Prozent zu, aber der Real wertete deutlich ab. Von 100.000 in den Ibovespa investierten Euro verloren Anleger somit in diesem Jahr 5.595 Euro auf 94.050 Euro.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 19: US-Staatsanleihen
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Für Dollar-Anleger haben sich US-Staatsanleihen besser entwickelt als erwartet. Obwohl die US-Notenbank Fed den Leitzins in diesem Jahr bereits zweimal auf ein Band von jetzt 1,00 bis 1,25 Prozent erhöht hat, stiegen die Kurse von US-Staatsanleihen mit langer Laufzeit. Das liegt vor allem an den gesunkenen Inflationserwartungen. Quer über alle Laufzeiten erzielten Anleger im ersten Halbjahr mit US-Staatsanleihen so einen Gesamtertrag aus Zinseinnahmen und Kursveränderungen von immerhin gut zwei Prozent. Der Verlust des Dollars zum Euro zehrte diesen Gewinn aber für Euro-Anleger mehr als auf. Aus 100.000 in US-Staatsanleihen investierten Euro bleiben so nur 94.970 Euro übrig.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Dabei achtet er vor allem auf Extremwerte, die oft Kontraindikatoren sind. Sind beispielsweise die Anleger euphorisch und erwarten Kursgewinne, ist das ein Indiz für bald fallende Notierungen. Denn in diesem Fall sind fast alle investiert und fallen als Käufer aus, sollten die Kurse nachgeben.

Laut der aktuellen Umfrage sind sich die Umfrageteilnehmer weitgehend einig: Die Kursverluste im Dax sind vorbei. Noch in der Vorwoche sah knapp die Hälfte der Anleger den deutschen Leitindex in einer Abwärtsbewegung. Diese Zahl ist aktuell auf 35 Prozent gefallen. Von einer Seitwärtsbewegung gehen nun 37 Prozent (plus vier Prozentpunkte) aus, von einer Bodenbildung 15 Prozent (plus fünf Prozentpunkte). Immerhin sechs Prozent (plus drei Prozentpunkte) meinen, schon wieder einen Aufwärtsimpuls zu erkennen.

Und mit 45 Prozent (plus elf Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) geben die meisten Umfrageteilnehmer an, diese Entwicklung zum größten Teil erwartet zu haben. Weitere acht Prozent (minus zwei Prozentpunkte) haben sogar darauf spekuliert. Insbesondere diejenigen, die vom plötzlichen Kurseinbruch vor einer Woche überrascht wurden (minus elf Prozentpunkte auf 13 Prozent), sind diese Woche selbstzufriedener. Immerhin 34 Prozent (plus zwei Prozentpunkte) sehen ihre Erwartungen kaum erfüllt.

Optimismus springt nach oben
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10 Kommentare zu "Dax-Umfrage: Anleger wollen Rally nicht verpassen"

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  • Sehr geehrte Frau Kah,
    vielen Dank für Ihre Mail. Für Sie mag ein Anstieg von 1,1 Prozent in einer Woche ein non-event sein, für kurzfristige Trader ist das eher viel.
    Natürlich haben Sie recht: ausländische und auch institutionelle Anleger werden nicht erfasst. Entscheidend ist für mich aber nicht der Wert der Umfrage, sondern die Qualität der anschließenden Prognosen. Und die sind sehr gut. Schauen Sie bitte auf die Grafik im Text. Und Sie werden sehen, wie der Dax nach den Extremwerten im Sentiment eine Trendwende eingeleitet hat. In den Artikeln zu den jeweiligen Extremwerten wurde auch der Verkauf bzw. der Kauf empfohlen. Wenn Sie bessere Analysen kann, bitten schicken Sie dir mir. Die schaue ich mir gerne an.
    Beste Grüsse
    Jürgen Röder

  • Andere lesen halt ihr Horoskop.

  • Sehr geehrter Herr Röder,

    erlauben Sie mir zwei Bemerkungen:

    1. Letzte Woche
    Von Freitagschlusskurs bis Freitagschlusskurs ist der der DAX um 1,1 % gestiegen. Das ist ein non-event. Wenn die befragten Anleger auf ein leises Zittern der Kurse mit manisch-depressiven Emotionen reagieren, kann ich den betreffenden Mitmenschen leider nicht helfen. Ihre Gefühlsausschläge zu dämpfen, übersteigt meine Kunst. Aber ich würde aus diesen Ausschlägen auch nichts für die Börsenentwicklung herleiten wollen.

    2. Die Ausländer

    Rund 55 % der DAX-Werte sind in ausländischem Besitz. Von den M-DAX-Werten gehören sogar rund 80 % ausländischen Anlegern. Sie werden bei der Sentiment-Umfrage überhaupt nicht erfaßt. Dass dies den Wert der Umfrage sehr stark mindert, brauche ich wohl nicht zu erwähnen.

  • Sehr geehrter Herr Juan Garcias,
    Sie haben recht mit Ihrer Bemerkung, dass Algos und Maschinen sich nicht für Sentiment-Umfragen interessieren. Mit der Umfrage erreichen wir auch lediglich deutsche Privatanleger. Im Rückblick der vergangenen Jahre zeigt sich aber: Die Prognosequalität ist extrem gut. Schauen Sie doch bitte auf den fünfwöchigen Sentiment-Durchschnitt. Bei Sentiment-Extremwerten erfolgte anschließend immer eine Trendwende beim Dax.
    Beste Grüsse
    Jürgen Röder

  • Algos und Maschinen interessieren sich nicht für Sentiment-Umfragen.

  • Sehr geehrte Frau Kah,

    vielen Dank für Ihren Hinweis. Hier mein Versuch, es genauer zu erklären: In der vergangenen Woche herrschte Panik, weil fast alle Umfrageteilnehmer einen aktuellen Abwärtstrend sahen. Zugleich waren die Erwartungen der Anleger für die Kurse in drei Monaten sehr optimistisch. Die Erwartung vor einer Woche: Die Kurse dürften kurzfristig steigen, die Prognose war (mal wieder) sehr richtig.

    Nun, nach steigenden Kursen, herrscht ein anderes Bild: Deutlich weniger sehen aktuell einen Abwärtstrend, gleichzeitig ist der Optimismus (Erwartung in drei Monaten) noch einmal kräftig gestiegen. Diese Stimmungslage ist komplett anders als in der Vorwoche.

    Dadurch könnte es deutlich abwärtsgehen, so die Prognose. (Falls der Euro nicht deutlich fällt). Ich bin gespannt, ob diese Prognose zutrifft.

    Melden Sie sich bitte, sollten Sie noch Rückfragen haben.
    Beste Grüsse
    Jürgen Röder



  • (Korrektur)
    Es muss natürlich heißen:
    ... and where she stops nobody knows.

  • @ Edelgard Kah

    Die Finanzjournalisten müssen doch irgendwas schreiben. Damit verdienen sie nun einmal ihr Geld.
    Wir "Austrians" wissen jedoch nur eine einzige Sache hundertprozentig sicher: "Die Zukunft ist ungewiss!" ;-)
    Man sollte daher z.B. auch das Kaffeesatzlesen der Charttechniker nicht allzu ernst nehmen (schon gar nicht bei dermaßen manipulierten Märkten, wie wir sie gegenwärtig leider haben).
    Murray Newton Rothbard hatte einmal zu den Folgen der Zinsmanipulationen durch die Zentralbanken einen herrlichen kleinen Reim verfasst - zum Höllenspektakel an den Finanzmärkten passt er aber ebenfalls wunderbar:
    "And so down means up, up means down, and round and round she goes, and where she stops nobody nows".

  • Vor einer Woche hatte die Umfrage die Überschrift "Stimmung der Anleger auf Brexit-Niveau". Vor einer Woche wurde die Stimmung der Anleger mit "Panik" beschrieben.

    Und heute? Obwohl vor einer Woche noch "Panik" herrschte, ist heute der Optimismus so hoch wie seit zwei Jahren nicht mehr.

    Und nächste Woche? Haben wir da wieder Panik? Für mich ist die Glaubwürdigkeit der Sentiment-Umfragen zerstört.

  • Ich geh mal zum Lachen in den Keller, damit der Dax nicht aufwacht immerhin ist er krank.,

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