Dax-Umfrage
Eine holprige Rally

Die gute Nachricht: Sie kommt, die ersehnte Jahresendrally an den Märkten. Die schlechte Nachricht: Sie wird ganz schön holperig werden. Warum das so ist, womit Anleger rechnen müssen und wie sich aufstellen sollten.

DüsseldorfAlle Jahre wieder wird pünktlich zum Start des vierten Quartals orakelt, ob es denn nun in diesem speziellen Jahr eine Jahresendrally geben wird und warum. Was spricht für und was gegen einen Spurt zum Jahresende? Und wie heftig wird er ausfallen.

Experten wiegen noch die Argumente ab. Die Teilnehmer der wöchentlichen Dax-Umfrage haben sie bereits entschieden. Zwar haben sich die kurzfristigen Stimmungsindikatoren abgekühlt, auch die Investitionsbereitschaft verharrt auf einem mittleren Niveau. Doch die Zuversicht über die Entwicklung in drei Monaten bleibt unverändert auf einem hohen Niveau.

Die Mehrzahl der Anleger, nämlich 43 Prozent der Umfrageteilnehmer, ist auch weiterhin überzeugt, dass die Kurse in den kommenden drei Monaten steigen werden. Wer nicht optimistisch ist, der ist zumindest neutral gestimmt, denn 26 Prozent (plus drei Prozent) erwarten eine Seitwärtsbewegung. Einen Abwärtsimpuls fürchten nur noch zwölf Prozent.

„Es ist diese Zuversicht, vor der ich seit Wochen warne“, sagt Stephan Heibel vom Analysehaus AnimusX, der regelmäßig die wöchentliche Dax-Umfrage des Handelsblatts zur Stimmung unter den Anleger auswertet. „Diese hohe Zuversicht hat bislang noch verhindert, dass die seit diesem Frühjahr andauernde Korrektur durch einen finalen Ausverkauf, verbunden mit Angst und Panik, beendet wird.“

In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?


Natürlich kann eine Korrektur auch ohne diesen finalen Ausverkauf enden. „Doch das Ende wird dann nicht so plötzlich auftreten und die beginnende Rally wird dann, wie in der abgelaufenen Woche erlebt, von vielen Rücksetzern begleitet sein“, so Heibel.

Derzeit mehren sich die Anzeichen, die Europäische Zentralbank (EZB) könne schon bald ihre Liquiditätsschwemme nochmals ausweiten, denn die Konjunktur kommt nicht so richtig in Schwung. „Davon würde natürlich die Aktienbörse am meisten profitieren, daher ist das Szenario des langsamen Endes der Korrekturphase durchaus wahrscheinlich“, analysiert der Sentiment-Experte.

Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?


In den kommenden Tagen könnte der Dax bis auf 10.500 Punkte steigen. „Bei dieser Marke dürften wieder eine Reihe von Investoren ihre für viele Monate unter Wasser befindlichen Aktienpositionen auflösen und für eine weitere kleine Konsolidierung sorgen“, so Heibel. Der Rücksetzer sollte sich aber in Grenzen halten, bis auf 10.000 Punkte könnte es aber gehen, bevor Investoren wieder zugreifen und ihre Positionen für die mehrheitlich erwartete Jahresendrally aufstocken.

Die großen Vermögensverwalter sind laut Robert Halver, Kapitalmarktstrategie der Baader Bank, bereits dabei, die Finanzmärkte neu einzuschätzen. „Die Geldpolitik wird der Weltwirtschaft keine Schmerzen zufügen, sondern Antibiotikum einflößen“, ist der Experte überzeugt. „Die Anleger nehmen zur Kenntnis, dass China über ein großes Feuerwerk an Konjunkturprogrammen zukünftig alles, wirklich alles dafür tut, dass der Drache wieder faucht. Die chinesische Notenbank stellt hierfür den nötigen Brennstoff bereit.“ Dazu passt, dass sich die Märkte laut der Commerzbank auch von der Europäischen Zentralbank (EZB) in der kommenden Woche weitere Lockerungssignale erhoffen. „Die jüngste Stärke des Euro hat sogar Zinssenkungsspekulationen aufkommen lassen“, so Chefvolkswirt Jörg Krämer.

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