Dax-Umfrage Verkaufen will kaum noch einer

Laut dem Ergebnis einer exklusiven Umfrage deutet vieles darauf hin, dass die Kurse deutscher Aktien bald weiter steigen werden. Doch der amerikanische Aktienmarkt signalisiert etwas ganz anderes.
Plastik-Bullen als Symbol für steigende Kurse stehen auf einem Schreibtisch an der Frankfurter Börse. Die Chancen stehen gut, dass es bald wieder aufwärts geht. Quelle: Reuters
Börse Frankurt

Plastik-Bullen als Symbol für steigende Kurse stehen auf einem Schreibtisch an der Frankfurter Börse. Die Chancen stehen gut, dass es bald wieder aufwärts geht.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfNoch vor einer Woche schrieb Börsenexperte Stephan Heibel: „Ich würde nicht mehr kaufen“. Er hielt am vergangenen Montag weder eine fulminante Fortsetzung der Rally noch einen katastrophalen Einbruch für wahrscheinlich. Tatsächlich endeten die Kursgewinne der vergangenen Wochen in den ersten Handelstagen mit einem Rücksetzer beim Dax in Höhe von drei Prozent. Doch schon am Mittwoch kam wieder Kaufinteresse auf, das die anfänglichen Verluste wieder ausglich. Die Wochenbilanz ergab ein Plus von 0,3 Prozent.

Basis für Heibels Einschätzungen ist die wöchentliche Handelsblatt-Umfrage unter mehr als 2300 Anleger zur Ihrer Einschätzung der aktuellen Börsenlage. Die Ergebnisse bewertet anschließend der Inhaber des Analysehauses Animusx und bietet Anlegern dadurch Orientierung für die Geldanlage.

Die Tops und Flops im Juli

VOLKSWAGEN AG VORZUGSAKTIEN O.ST. O.N.

WKN
ISIN
DE0007664039
Börse
Xetra

-1,32 -0,81%
+162,58€
Chart von VOLKSWAGEN AG VORZUGSAKTIEN O.ST. O.N.
Volkswagen
1 von 30

Volkswagen kann den Abgasskandal dank robuster Verkaufszahlen sowie Einsparungen zunehmend besser verkraften. Dafür sprechen die Ende Juli veröffentlichten Quartalszahlen. Der Betriebsgewinn vor Sondereinflüssen kletterte im zweiten Quartal um ein Fünftel auf 4,4 Milliarden Euro, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Sondereinflüsse und Rückstellungen eingerechnet, halbierte sich das Ergebnis jedoch auf 1,9 Milliarden Euro. Für VW-Aktionäre ist das jedoch ein Hoffnungsschimmer. Die Aktie gehört zu den drei Gewinnern im Dax.

Kursänderung zum 29. Juli: +16,1 Prozent

SAP SE INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007164600
Börse
Xetra

+0,02 +0,02%
+84,59€
Chart von SAP SE INHABER-AKTIEN O.N.
SAP
2 von 30

Ebenfalls an die Dax-Spitze ging es für den Software-Hersteller SAP. Das Unternehmen hatte mehr als erwartet verdient und die Analysten überrascht. Die Lizenzerlöse des Softwarekonzerns hätten die Erwartungen übertroffen und die Cloud-Umsätze sähen ordentlich aus, schrieb beispielsweise Analyst Frederick Grieb des japanischen Finanzdienstleisters Nomura.

Kursänderung zum 29. Juli: +16,7 Prozent

BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN

WKN
ISIN
DE0005190003
Börse
Xetra

-0,17 -0,19%
+86,69€
Chart von BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN
BMW
3 von 30

Größter Dax-Gewinner war jedoch der Automobilhersteller BMW. Das Unternehmen hat wie die Konkurrenz auch den Absatz im Juni kräftig gesteigert. Weltweit wurden 227.849 Fahrzeuge der drei Konzernmarken BMW, Mini und Rolls-Royce verkauft, wie die Münchner mitteilten. Das sind 9,1 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

Kursänderung zum 29. Juli: +17,1 Prozent

MUENCHENER RUECKVERS.-GES. AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0008430026
Börse
Xetra

+0,80 +0,44%
+183,40€
Chart von MUENCHENER RUECKVERS.-GES. AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.
Munich Re
4 von 30

Zu den Dax-Flops zählt der Rückversicherer Munich Re. Dieser hat am drittschlechtesten unter den größten börsennotierten Konzernen Deutschlands abgeschnitten. Wie Commerzbank-Analyst Michael Haid in einer Studie feststellt, belastet das Niedrigzinsumfeld den Versicherer.

Kursänderung zum 29. Juli: -0,7 Prozent

Beiersdorf

WKN
ISIN
Börse

Chart von Beiersdorf
Beiersdorf
5 von 30

Ebenfalls im Minus: Aktien von Beiersdorf. Ein rückläufiger Umsatz und gesenkte Ziele für die Klebstoff-Tochter Tesa haben dem Hamburger „Nivea”-Hersteller zu schaffen gemacht. Wegen negativer Währungseffekte schrumpfte der Umsatz von Beiersdorf im ersten Quartal um 1,9 Prozent.

Kursänderung zum 29. Juli: -1,1 Prozent

DEUTSCHE BANK AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005140008
Börse
Xetra

-0,15 -1,13%
+13,28€
Chart von DEUTSCHE BANK AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Deutsche Bank
6 von 30

Die Deutsche-Bank-Anleger müssten sich inzwischen daran gewöhnt haben, dass die Aktie ständig Achterbahn fährt. Je nach Nachrichtenlage waren die Papiere des größten deutschen Bankhauses häufig entweder Tagesgewinner oder Verlierer im Index. Besonders der Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) zerrte zuletzt an den Nerven der Anleger. Die Bank befand sich unter den zehn am schlechtesten für den Krisenfall gerüsteten Banken Europas, wenn es nach der Kernkapitalquote geht.

Kursänderung zum 29. Juli: -2,4 Prozent

SALZGITTER AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006202005
Börse
Xetra

-0,31 -0,66%
0,00€
Chart von SALZGITTER AG INHABER-AKTIEN O.N.
Salzgitter
7 von 30

Auch unter den mittleren Werten ging es trotz der Ferienzeit hoch her. So auch bei Salzgitter. Der Wunsch der EU-Gesetzgeber, einheimische Metallhersteller vor chinesischen Billigstahl-Importen zu schützen, spielt dem MDax-Wert in die Karten. Zusätzlichen Schub verliehen den Aktien Spekulationen auf eines möglichen Zusammenschlusses des europäischen Stahlgeschäfts von Thyssen und der indischen Tata Steel.

Kursänderung zum 29. Juli: +17,7 Prozent

Das neue Umfrageergebnis dieser Woche zeigt: Dieser Rücksetzer Anfang der vergangenen Woche hat das Sentiment sehr vorteilhaft beeinflusst. Die aktuelle Stimmungslage hat einen ordentlichen Dämpfer erhalten, die Zuversicht über künftige Kursgewinne ist jedoch gestiegen. Vorteilhaft deswegen, weil bei schlechter Kurzfriststimmung und Optimismus für die Zukunft Anleger weniger bereit sind, ihre Aktien zu verkaufen.

Nur noch 16 Prozent (minus zehn Prozent gegenüber der Vorwoche) sehen in der aktuellen Dax-Entwicklung einen Aufwärtsimpuls, weitere 15 Prozent (minus fünf Prozentpunkte) eine Topbildung. Die meisten sehen in dem Rücksetzer den Beginn einer Seitwärtsbewegung (plus zehn Prozentpunkte auf 53 Prozent), immerhin elf Prozent (plus vier Prozentpunkte) fürchten gar den Beginn eines anhaltenden Abwärtsimpulses. Damit ist das Sentiment von zuvor plus 1,9 Prozent auf plus 0,5 Prozent abgesackt und liegt damit im neutralen Bereich.

Schnäppchen, die lieber nicht ins Depot wandern sollten

HDAX ® PERFORMANCE-INDEX

WKN
ISIN
DE0008469016
Börse
Xetra

+13,11 +0,19%
Chart von HDAX ® PERFORMANCE-INDEX
Kurs-Buchwert-Verhältnis – ein Indikator für Börsen-Schnäppchen?
1 von 21

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) ist eine Kennzahl, die bei modernen Investoren als etwas angestaubt gilt. Dennoch kann sie Anlegern dabei helfen, unterbewertete Börsenunternehmen ausfindig zu machen. Dabei wird der Börsenkurs der Aktie durch den Buchwert der Aktie dividiert. Einfach gesagt ist der Buchwert das, was bei einer Liquidation einer Gesellschaft an Wert übrig bleibt (gesamtes Gesellschaftsvermögen - Verbindlichkeiten). Ist das Verhältnis kleiner als eins, gilt das Unternehmen als günstig. Allerdings ist Vorsicht geboten. Schließlich kann ein kleines KBV auch darauf hindeuten, dass Anleger einem Unternehmen nicht besonders viel zutrauen oder sogar mit seinem baldigen Niedergang rechnen. Ob es sich also tatsächlich um „Schnäppchen” handelt, hängt vom Einzelfall ab. Auch in den Dax-Indizes gibt es jede Menge Firmen, deren Buchwert um einiges größer ist als ihr Börsenwert. Ein Überblick.

Quelle: Bloomberg, KBV zum 26. Juli 2016

DRAEGERWERK AG & CO. KGAA INHABER-VORZUGSAKT.O.ST.O.N.

WKN
ISIN
DE0005550636
Börse
Xetra

-0,05 -0,06%
0,00€
Chart von DRAEGERWERK AG & CO. KGAA INHABER-VORZUGSAKT.O.ST.O.N.
Drägerwerk
2 von 21

Ginge es nur nach dem KBV, so würde der Anbieter von Medizin- und Sicherheitstechnik als fair bewertet. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis beträgt bei Drägerwerk genau eins. Doch die Investoren sind skeptisch, wenn auch geduldig. Zuletzt vermeldete das Unternehmen einen Umsatzrückgang, vor allem wegen schwacher Nachfrage in Südamerika und im Mittleren Osten. Der Umsatz sank um 6,3 Prozent auf 579 Millionen Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag mit 21,2 Millionen Euro aber in etwa auf Niveau des Vorjahres.

KBV: 1,00

VTG AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000VTG9999
Börse
Xetra

-0,45 -1,08%
0,00€
Chart von VTG AG INHABER-AKTIEN O.N.
VTG
3 von 21

Auch der Hamburger Schienenlogistik-Konzern VTG ist vergleichsweise günstig bewertet. Zuletzt machte eine Auftragsdelle dem Konzern zu schaffen. „Uns hat im ersten Quartal eine Reihe von Sondereffekten, etwa durch Produktionsunterbrechungen bei unseren Kunden, im Logistikbereich getroffen”, räumte Finanzchef Kai Kleeberg im Gespräch mit der „Börsen-Zeitung” Ende Mai ein. Man hoffe aber, im zweiten Quartal wieder auf Kurs zu kommen.

KBV: 0,98

HEIDELBERGCEMENT AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006047004
Börse
Xetra

+0,12 +0,15%
+82,80€
Chart von HEIDELBERGCEMENT AG INHABER-AKTIEN O.N.
Heidelberg Cement
4 von 21

Der Kurs des Zementherstellers hat sich zuletzt etwas erholt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Heidelberger Konzern bei der Übernahme des italienischen Konkurrenten Italcementi vorangekommen ist und die dafür nötigen EU-Auflagen erfüllt hat. Heidelberg Cement will die rund 3,7 Milliarden Euro teure Übernahme von Italiens Branchenführer im zweiten Halbjahr abschließen. Den Buchwert des Unternehmens dürfte das weiter vorantreiben. Momentan kommen bei Heidelberg Cement auf jeden Euro Börsenwert rund 62 Euro an materiellen Vermögenswerten in der Bilanz.

KBV: 0,95

DEUTZ AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006305006
Börse
Xetra

-0,05 -0,64%
0,00€
Chart von DEUTZ AG INHABER-AKTIEN O.N.
Deutz
5 von 21

Der Kölner Motorbauer Deutz hat zuletzt viel Analystenlob bekommen. Am 4. Mai hatte die Credit Suisse das Kursziel auf 4,20 Euro von 3,80 Euro angehoben. Das Umfeld für den Motorenbauer
stabilisiere sich, begründeten die Experten ihre höheren Schätzungen. Der Kurs der Aktie ist dennoch nur moderat gestiegen.

KBV: 0,91

BILFINGER

WKN
ISIN
DE0005909006
Börse
Xetra

-0,22 -0,60%
0,00€
Chart von BILFINGER
Bilfinger
6 von 21

Eine Gewinnwarnung nach der nächsten hatte der Baustoffkonzern aus Rheinland-Pfalz seinen Anlegern in den vergangenen Monaten zugemutet. Auch der Verkauf der Bau- und Immobiliensparte des Konzerns für 1,2 Milliarden Euro im Juni hat dem Kurs nur wenig genützt. Investoren beklagen die fehlende Strategie für die übrig gebliebene Konzernsparte, die zudem unter niedrigem Ölpreis und Investitionszurückhaltung leidet.

KBV: 0,90

SILTRONIC AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000WAF3001
Börse
Xetra

+2,70 +2,29%
+120,60€
Chart von SILTRONIC AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Siltronic
7 von 21

Angesichts trüber Geschäftsaussichten haben viele Anleger beim Siliziumscheiben-Hersteller Siltronic die Reißleine gezogen. Die Preise für hauchdünne Silizium-Scheiben, die Siltronic produziert, sind in diesem Jahr gesunken. Die Wacker-Tochter, die erst Mitte vergangenen Jahres an die Börse gegangen ist, hat seit dem 1. Januar mehr als 34 Prozent an Wert verloren. Da ist ein KBV von unter eins wenig verwunderlich.

KBV: 0,89

Eine Meinung traut sich inzwischen kaum noch jemand zu. Nur zehn Prozent geben an, auf diesen Rücksetzer spekuliert zu haben, nur sieben Prozent wurden auf dem falschen Fuß erwischt. Mit 53 Prozent fühlen sich die meisten in ihrer allgemeinen Markterwartung mehr oder weniger bestätigt, weitere 30 Prozent sehen ihre Erwartungen kaum erfüllt. „Selbstzufriedenheit sieht anders aus, die Anleger sind leicht unzufrieden mit ihren Einschätzungen“, lautet Heibels Fazit zu Antworten auf diese Frage.

Positive Entwicklung der Investitionsbereitschaft
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