Dax und deutsche Aktien: Billig, teuer oder fair bewertet?

Dax und deutsche Aktien
Billig, teuer oder fair bewertet?

„Preis ist, was man bezahlt. Wert ist, was man bekommt“, sagt Superinvestor Warren Buffett. Gefühlt sind Aktien nach der mehr als sechsjährigen Rally teuer. Doch sind sie wirklich wert, was sie kosten?
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Höhenrausch an der Börse: Der Dax notiert nur wenige Prozent unter seinem Allzeithoch. Auch sein amerikanische Pendant, der Dow Jones steht in der Nähe des Rekords. Doch wann endet die mittlerweile mehr als sechs Jahre laufende Rally an den Märkten? Sind Aktien vielleicht mittlerweile zu teuer geworden?

Die Zweifel der Anleger werden größer. Sie suchen nach Orientierung und Antworten. Eine bekannte Börsenweisheit könnte aktuell helfen. Superinvestor Warren Buffett ist überzeugt: „Preis ist, was man bezahlt. Wert ist, was man bekommt.“ Diese Aussage schreibt er immer wieder in den Briefen an die Aktionäre seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway.

Die Frage, ob ihre Aktien wirklich wert sind, was sie derzeit kosten, stellen sich Anleger natürlich immer wieder. Erst recht nach einem starken Kursanstieg, wie in den vergangenen Jahren. Obwohl der Dax bei 12.000 Punkten und damit in scheinbar schwindelerregender Höhe notiert, geben Experten wie Michael Keppler Entwarnung: „ Deutsche Aktien sind trotz der jüngsten Kurssteigerungen absolut und im historischen Vergleich nicht überbewertet“, sagt der Präsident von Keppler Asset Management.

Auch Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity Worldwide Investment glaubt nicht, dass deutsche, europäische oder amerikanische Aktien derzeit zu teuer sind. Um es mit Buffett zu sagen: Die Aktien kosten nicht mehr als sie wert sind.

Der Börsenweisheit des Superinvestors können Experten viel abgewinnen. „Die Aussage kann man blind unterschreiben, sie stimmt zweifelsohne jederzeit“, ist beispielsweise Goran Vasiljevic, Leiter Value Research von Lingohr & Partner überzeugt.

Allerdings stellt Buffett mit seiner Aussage auch eine Grundvoraussetzung der modernen Portfoliotheorie, nämlich die sogenannte Markteffizienz, in Frage. Denn laut Buffett gibt es zumindest grundsätzlich einen Unterschied zwischen Preis und (innerem) Wert.

Selbst wenn Preis in der Regel gleich Wert ist, bedeutet dies nicht, dass Preis immer gleich Wert sein muss. „Oft ist der Unterschied gering, aber in Zeiten der Euphorie beziehungsweise einer Panik, kann er sehr groß werden“, sagt Keppler. „Laut Buffett kann man den inneren Wert eines Wertpapieres nicht genau berechnen, sondern nur annähernd schätzen.“

Kommentare zu " Dax und deutsche Aktien: Billig, teuer oder fair bewertet?"

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  • Die Kursteigerungen der letzten Monate sagen uns vor allem eins: die von vielen Beobachtern vorhergesagte Assetblase ist in vollem Gang. Die Liqiditaets- und Zinspolitik der meisten Notenbanken ist dafuer verantwortlich und die dramatische Ueberschuldung von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft der meisten Laender die tiefere Ursache fuer das Verhalten der Zentralbanken. Das muss ueber kurz oder lang ins totale wirtschaftliche Chaos fuehren. Devisen- und Kapitalverkehrskontrollen, Einfuhr- und Ausfuhrbeschraenkungen, schliesslich galoppierende Inflation und Funktionsverlust des Geldes. Am Ende der wirtschaftliche Zusammenbruch.

    Ich kaufe zwar auch Aktien, aber die Zahlenspiele dieses Artikels halte ich fuer ziemlich substanzlose Phantastereien.

  • Man kann das nicht vergleichen.Damals waren die Zinsen oben,heute unten.Die Interpretation eines KGV "ist ein weites Feld",um mit Vater Briest zu sprechen.Manche rechnen so,andere so.Manche rechnen nur den operativen Gewinn eines Unternehmens,andere das EBITDA ,andere wirklich nur den reinen Nettogewinn,nach Zinsen ,Abschreibungen,Investionen und Dividendenzahlungen.Das beste Beispiel ist die Bayer AG.Bayer weist in ihren Unterlagen für 2014 einen reinen Nettogewinn nach internationalen Kriterien von 4,14 Euro je Aktie aus.So und nun geht man mal auf das gute Dutzend von Börsenportalen,da kommt jedes Portal auf eine andere Kennzahl.Daran sieht man schon,wie unterschiedlich gerechnet wird.
    Und ob eine Aktie zu teuer gekauft wurde,das weiß man doch es hinterher.Ich habe mir einmal die Mühe gemacht und nur den wirklich reinen Nettogewinn aller Aktien des DAX mit den Kursen vom ATH 2015 zu vergleichen und bin auf ein KGV von 35 gekommen.Die "billigste Aktie ist noch VW,mit einem KGV von unter 15.Alle anderen Aktien liegen drüber,Eon und RWE schreiben Verluste,die LH ist knapp im plus,Die Commerzbank hat ein KGV von über 50,Bayer,Fresenius,FMS und viele andere von 35 usw.Das ist auch der Schnitt.Diese Zahlen beziehen sich also auf den Gewinn von 2014 mit den Kursen des ATH im DAX bei 6266(Kurs-DAX) was ja vor wenigen Wochen wieder egalisiert wurde.Was aber jetzt gemacht wird ist Folgendes,man sagt zum Beispiel ja die Bayer hat 2014 4,14 je Aktie verdient,aber 2015 werden es schon 10 Euro die Aktie sein und 2016 werden es 15 Euro die Aktie sein und 2017 20 Euro die Aktie und so weiter und dann rechnet man die zukünftigen Gewinne hoch und somit die Aktien billig.Nur ob diese Gewinne auch kommen,das werden wir erst dann wissen,wenn es soweit ist.

  • Auch digitale Finanzmärkte folgen dem Herdentrieb.
    Die Herde glaubt immer noch, dass die ZB´s mit ihren Gelddruckorgien Wachstum der Realwirtschaft generieren können. Entscheidende Frühindikatoren sagen aber etwas ganz Anderes, z.B.:
    http://www.dryships.com/pages/report.php
    Die werden von der Herde aber kollektiv ignoriert, mit freundlicher Untertstützung der ZB`s natürlich. Deshalb sehen wir auch eine rein liquiditätsgetriebene (beim DAX zusäzlich auch noch durch EUR-Untergangsängste angetriebene) Börsenhausse.
    Das ökonomische Maximalgenie Carl Menger hat aber bewiesen, dass es gar keinen objektiven WERT eines Gutes geben kann, und damit auch keine billige, teure oder faire "Bewertung". Dagegen ist das absolut Entscheidende der GRENZNUTZEN eines Gutes. Das beste Investment ist also dasjenige, das für den Zeitpunkt, an dem man es veräußern möchte, den voraussichtlich höchsten Grenznutzen aufweist.
    In einem möglichen Deflationsszenario sind Aktien das keinesfalls.
    Ich bevorzuge daher auch eine Asset-Klasse, die einen hohen Grenznutzen sowohl im Deflations- als auch im Inflationsszenario hat.

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