Dax vs MDax: Nebenwerte leisten mehr als die Prominenz

Dax vs MDax
Nebenwerte leisten mehr als die Prominenz

Der kleine Bruder stiehlt die Show: Langfristig betrachtet schneiden Nebenwerte gerade in guten Börsenphasen deutlich besser ab als die Schwergewichte in Dax und Euro Stoxx 50. Neben Kursgewinnen locken auch Dividenden.
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FrankfurtEs war ein Kurssprung von mehr als 50 Prozent und absolut ungewöhnlich für eine Aktie wie Rhön-Klinikum. Gilt die doch definitiv nicht als Zocker-Papier. Der Grund, warum der Kurs Anfang Mai derart anzog, lag in der Übernahme des Klinikbetreibers durch den Pharma-Riesen Fresenius. Seither rätseln die Experten, welcher Nebenwert der nächste sein wird, den sich ein großer Konzern einverleibt.

Die Gründe dafür sind schnell erklärt. „Die Bewertungen im Vergleich zu Anleihen sind so niedrig wie nach dem zweiten Weltkrieg und die Unternehmen haben ihre Verschuldung drastisch reduziert, während die Anleger sehr niedrige Erwartungen an das Gewinnwachstum haben“, sagt Peter Kraus, Fondsmanager bei Allianz Global Investors. Hinzu kommt, dass das Interesse an Nebenwerten mit Beginn des zweiten Quartals nachgelassen hat. Seitdem auf der einen Seite die Eurokrise wieder in den Vordergrund gerückt ist und auf der anderen Seite das Wachstum in den Schwellenländern nicht unendlich zu sein scheint, suchen die Anleger wieder mehr die Sicherheit der Marktschwergewichte.

Nebenwerte haben sich besser entwickelt als der Dax

Dabei wäre es auch nach der jüngsten Phase der Abkühlung noch immer besser gewesen, in diesem Jahr in Nebenwerte zu investieren als in die großen Dax-Titel. Die deutschen Top-30, die dort enthalten sind, zeigen zwar seit Jahresbeginn weiterhin ein sehr erfreuliches Plus von zehn Prozent. Im Technologieindex TecDax sind es aber 12 Prozent und in den beiden anderen Nebenwerteindizes MDax und SDax gar 16 respektive 13 Prozent.

Dass Nebenwerte größere Renditen erreichen als der prominente Leitindex, das bestätigt das Rendite-Risiko-Radar. Dieses Tool erstellt Handelsblatt Online in Kooperation mit der Privatbank Donner & Reuschel. Das Rendite-Risiko-Radar zeigt, dass Indizes wie der MDax den großen Bruder in den Schatten stellen. Der MDax hat seit 2001 um durchschnittlich 8,6 Prozent pro Jahr zugelegt. Das ist rekordverdächtig, der DAX gewann im gleichen Zeitraum jährlich nur 2,7 Prozent.

Auch seit der Finanzkrise 2007 steht der Index mittelgroßer Werte mit einem Plus von jährlich rund 1,6 Prozent besser da. Der Dax hat seitdem an Wert verloren - und zwar durchschnittlich fast drei Prozent pro Jahr. Die relative Stärke der mittelgroßen Werte hat gleich mehrere Gründe. "Der MDax ist besser gelaufen als der Dax, da er kaum Finanztitel enthält", sagt André Will-Laudien von der Privatbank Donner & Reuschel. Auch seien die erfolgreichen Automobil-Zulieferer im MDax enthalten und stärken den Index. Ein weiterer Aspekt seien die starken Bilanzen des deutschen Mittelstands, sagt Will-Laudien. "Die Kreditklemme hat den Mittelstand nicht so stark getroffen, wie befürchtet", sagt der Experte. "Stattdessen ist der Mittelstand der Träger des deutschen Aufschwungs."

Doch beim MDax ist durchaus Vorsicht geboten. "Anleger müssen eine höhere Risikobereitschaft mitbringen", sagt André Will-Laudien. "Der Index ist etwas volatiler als der Dax." Für Anleger bedeutet das, dass Abwärtsbewegungen im MDax stärker ausfallen.

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