Dax-Werte
Deutsche Aktien: Rückschlag mit Ansage

Nach 50 Prozent Kursgewinn in nur fünf Monaten sind die Aktienmärkte zuletzt heiß gelaufen. Gemessen an den einbrechenden Unternehmensgewinnen ist der Deutsche Aktienindex (Dax) so teuer wie seit zwei Jahren nicht mehr. Solch eine Konstellation schreit geradezu nach einer Korrektur, wie wir sie seit der vergangenen Woche erleben.

DÜSSELDORF. Doch wie teuer sind Aktien wirklich? Um das zu beurteilen, setzen Anleger und Analysten seit mehr als einem Jahrhundert die jährlichen Firmengewinne in Relation zum Aktienkurs (Kurs-Gewinn-Verhältnis, KGV). Die Bundesbank hat jüngst in einer empirischen Studie festgestellt, dass Aktienkurse langfristig immer auf ihre durchschnittlichen Bewertungen zurückkommen. Trotz aller Fehlsignale, die das KGV auf kurzfristige Sicht liefert.

"Die Aktienbewertungen sind angemessen. Allerdings ist der Markt immer stärker auf eine nachhaltige Gewinnsteigerung angewiesen", urteilt das amerikanische Investmenthaus J.P.Morgan. In der Tat: Mit Blick auf die letzten zwei Jahre ist die Bewertung stark gestiegen. Dafür sorgten steigende Kursgewinne, während die Analysten ihre Gewinnerwartungen für die Firmen zurechtstutzten. Solch eine Konstellation verteuert Aktien dramatisch: Derzeit kosten die 30 Dax-Titel im Schnitt das zwölfeinhalbfache ihrer erwarteten Nettogewinne. Im März war der Dax für den achtfachen Gewinn zu haben.

Aber: Im langfristigen Vergleich steht der Dax noch relativ günstig da. Denn auf Sicht mehrerer Jahrzehnte kosten die Dax-Unternehmen das 15-fache ihrer erwarteten Gewinne. Das entspräche derzeit einem Dax-Niveau von knapp 6 500 Punkten.

Anleger akzeptieren extreme Abweichungen

Doch beim Blick auf die Statistiken fällt auf, dass Phasen jahrelanger Unterbewertung mit langen Phasen überbewerteter Aktien wechseln. So kostete der Dax in der zweiten Hälfte der 90-er durchschnittlich das 20-fache seiner erwarteten Gewinne, in den letzten fünf Jahren aber nur das zehnfache. Anleger akzeptieren also lange Perioden extremer Abweichungen.

Viel spricht dafür, dass den Börsen nun eine Phase niedriger Bewertungen bevorsteht - Aktien derzeit also auf den ersten Blick günstiger erscheinen, als sie tatsächlich sind. "Die Unternehmen zeichneten sich in der Vergangenheit durch eine enorme Profitabilität aus, die sie in den nächsten Jahren wohl kaum erreichen dürften", sagt Matthias Jörss von der Privatbank Sal.Oppenheim. Deshalb rechnet der Deutschland-Stratege in den kommenden Jahren nur mit unterdurchschnittlichen Bewertungen. Nach einer temporären Fortsetzung der Erholung sieht er den Dax zum Jahresende zwischen 4 950 und 5 150 Punkten, also etwas tiefer als nach dem jüngsten Rückschlag.

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