Dax-Werte profitieren erst später
Aktionäre zieht es in den Osten

Noch ist es knapp ein Jahr hin – am 1. Mai 2004 treten Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn und Zypern der Europäischen Union bei – deutsche Unternehmen stellen indes schon jetzt die Weichen.

DÜSSELDORF. Für etwa ein Drittel der 30 Dax-Unternehmen seien die künftigen EU-Länder entweder als Produktionsstandort oder als Absatzmarkt wichtig, heißt es in einer Studie der der Bankgesellschaft Berlin (BGB). Grund für die besonderen Perspektiven sind die neuen gesetzlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen, die jedes Beitrittsland für seine Aufnahme erfüllen muss. „Das führt u.a. zum Abbau von Schutzmaßnahmen, zu mehr Rechtssicherheit sowie zu einer Vereinheitlichung der Bankensysteme,“ sagt BGB-Analyst Bernd Burghart.

Dax-Unternehmen wie Eon, RWE und die Deutsche Telekom können vom Massenmarkt in den Beitrittsländern profitieren, heißt es in der Studie. Der Versorgungsgrad der Bevölkerung mit deren Produkten sei noch gering, der Bedarf aber sehr hoch. Bei der Metro werde gerade das Cash & Carry-Geschäft in den Beitrittsländern mit Begeisterung aufgenommen. Die Elektronik-Ketten der Gruppe, Media Markt und Saturn, haben ihren Expansionsschwerpunkt deshalb in Osteuropa. Bei den Hypermärkten soll das Filialnetz weiter ausgebaut werden. Und sogar die Praktiker-Baumärkte – in Deutschland bislang Metros Sorgenkind – entwickeln sich in Osteuropa positiv.

Für Finanzdienstleister erwartet die BGB gerade bei Lebensversicherungen hohe Abschlüsse. Bemerkenswert ist für Analyst Burghart auch, dass einige Unternehmen wie Adidas-Salomon für ihre Waren im Osten ähnlich hohe Preise wie in Westeuropa durchsetzten konnten.

"Mit dem Thema Erweiterung beschäftigen"

Anleger können von den Osteuropa-Geschäften der Dax-Unternehmen allerdings nur dann profitieren, wenn sie einen langen Atem besitzen. „In den nächsten fünf Jahren wird die EU-Osterweiterung keinen großen Einfluss auf die Börsenkurse haben“, prognostiziert Hartmuth Höhn von der Hamburger Berenberg Bank. Ein Beispiel ist die Hypo-Vereinsbank (HVB). Obwohl das Geldinstitut über seine Tochter Bank Austria in Osteuropa gut positioniert und in Polen und Tschechien Marktführer ist, wird die Aktie derzeit zumeist zum Verkauf empfohlen. An erster Stelle stehe der erfolgreiche Turn-Around im operativen Geschäft, heißt es in einer Studie der WGZ-Bank. Erst wenn der geschafft ist, dürften Faktoren wie die EU-Osterweiterung präsent werden.

Hier geht es der HVB wie den anderen Dax-Unternehmen, denen die BGB Chancen im Osten einräumt: Erst müssen die Hausaufgaben gemacht werden, anschließend besteht Phantasie im Osten. Zunächst würden weniger die Dax-Werte als die Aktien von Unternehmen aus den Beitrittsländern von der Erweiterung profitieren, glaubt Höhn.

Ähnlich sieht dies Rolf Elgeti, Aktienstratege bei der Commerzbank. Im Augenblick sei die EU-Osterweiterung für Investoren noch kein Thema, andere Einflussfaktoren wie die Konjunktur oder mögliche Steuererleichterungen stünden im Fokus. Dennoch rät er seinen Kunden, sich schon jetzt mit dem Thema Erweiterung zu beschäftigen. Elgeti glaubt, dass nur Kapitalgesellschaften profitieren werden, die technisch überlegene Produkt haben, wie beispielsweise die Automobilindustrie. „In Branchen wie Stahl, Chemie oder bei Konsumwerten wird die Konkurrenz sehr aggressiv sein,“ prognostiziert er.

Allerdings gibt es noch andere Chancen: „Einige deutsche Unternehmen werden günstig akquirieren.“ Anlegern rät Elgeti deshalb, zweigleisig zu fahren: „Sowohl Erfolg versprechende osteuropäische Titel sollte man im Auge behalten als auch westeuropäische Unternehmen, die sich Übernahmen leisten können.“

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