Deflation/Inflation
Der flüchtige Wert des Geldes

Auf der ganzen Welt pumpen Notenbanken unvorstellbare Summen in den Wirtschaftskreislauf. Alles um die Wirtschaft mit billigem Geld anzukurbeln. Ob das beispiellose Vorhaben tatsächlich gelingt, ist nicht sicher. Und selbst wenn das Doping wirkt - was hätte das für Folgen und was ist unser Geld dann noch wert?

FRANKFURT. Das Ziel der Notenbanken ist klar: Um jeden Preis soll eine Deflation, also stetig sinkende Preise für Waren und Dienstleistungen, vermieden werden. Was sich für Verbraucher zunächst verlockend anhören mag, wäre Gift für die Wirtschaft und hätte eine schwere, lange Krise zur Folge. "Die größte Bedrohung ist momentan die Deflation", sagt Janwillem Acket, Chefvolkswirt der Schweizer Bank Julius Bär. "Die Folgen wären ein jahrelanger Abschwung, totale Lähmung des Konsums und ein enormer Anstieg der Arbeitslosigkeit."

Manche befürchten daher eine große Depression wie in den 30er-Jahren. Andere reden von japanischen Verhältnissen und meinen damit, dass sich die Wirtschaft über Jahre nicht erholt und der Konsum nicht anspringt. Genau das versuchen die Zentralbanken zu verhindern, indem die Wirtschaft mit billigem Geld versorgen.

"Es gibt keinen anderen Weg, als die Leitzinsen drastisch zu senken und die Geldmenge zu erhöhen", sagt Thomas Steinemann, Chefstratege der Privatbank Vontobel. Voraussetzung sei allerdings, dass die Zentralbanken die Zinsen zum richtigen Zeitpunkt erhöhen - nicht zu früh und nicht zu spät.

Den richtigen Zeitpunkt für einen Schwenk hin zu wieder steigenden Zinsen erwischen Notenbanken nicht immer. Sollte sich die Konjunktur erholen, die Zinsen aber niedrig bleiben, droht hohe Inflation. Es könnte sein, dass vielen Staaten eine überdurchschnittliche Inflationsrate nicht ungelegen kommt, erscheinen so die hohen Schulden doch nicht mehr gar so bedrohlich. Allerdings wäre auch das Ersparte der Bürger weniger wert.

Der Extremfall wäre eine rasende Geldentwertung mit Teuerungsraten von über 50 Prozent pro Monat. Das Ende des Euros wäre damit sicher. "Ein Zusammenbruch der Geldordnung - gerade in der heutigen Welt extrem hoher grenzüberschreitender Arbeitsteilung - würde allergrößte wirtschaftliche, aber auch gesellschaftspolitische Schäden nach sich ziehen", sagt Thorsten Polleit, Europa-Volkswirt von Barclays Capital. Er fordert die Abkehr vom staatlichen Papiergeldsystem und stattdessen eine Währung, die durch Sachwerte etwa Gold gedeckt ist - ein radikaler Ansatz.

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