Demographie lässt Markt wachsen
Analysten setzen auf Pflegeheimbetreiber

Da immer weniger Menschen von ihrer Familie betreut werden, nimmt der Bedarf an Pflegestellen enorm zu. Auch für Anleger ist diese Entwicklung interessant. Denn einige der privaten Anbieter sind an der Börse notiert – und profitieren von dem Wachstumsmarkt.

DÜSSELDORF. Die Lebenserwartung der Menschen steigt beständig. Mädchen, die in diesem Jahr geboren werden, sollten durchschnittlich 82 Jahre alt werden. In zehn Jahren wird die Lebenserwartung noch zwei Jahre höher liegen. Doch damit wächst stetig die Zahl der pflegebedürftigen Menschen. Sind bisher rund 1,9 Millionen Deutsche täglich auf die Hilfe anderer angewiesen, dürften es 2020 schon rund drei Millionen sein, schätzt Hartmut Schmidt, Analyst für den Gesundheitsbereich bei HPS Research.

Zwar sind noch immer rund 60 Prozent der Einrichtungen in kommunaler oder gemeinnütziger Hand. „Angesichts der klammen Kassen wird der Anteil der öffentlichen Einrichtungen in den kommenden Jahren aber stark sinken“, sagt Schmidt.

Zu den größten börsennotierten Pflegeheimbetreibern gehören die Marseille-Kliniken mit mittlerweile 58 Einrichtungen in ganz Deutschland. „Damit ist Marseille zwar einer der größten privaten Anbieter, kommt aber dennoch nur auf einen Marktanteil von unter einem Prozent“, verdeutlicht Schmidt das Potenzial für die Aktie.

So hat sich der Kurs allein in den letzten zwölf Monaten fast verdoppelt und notiert zurzeit bei rund acht Euro. Und damit sei die Rallye längst nicht beendet, sagen die Analysten. Denn noch ist die Wachstumsgeschichte intakt.

Oliver Drebing von SES Research stuft die Aktie mit dem Urteil „outperform“ ein und gibt als fairen Wert 15 Euro an. Auch Jens Jung von Independent Research zählt zu den Optimisten und empfiehlt den Titel zum Kauf. „Die privaten Anbieter werden mit Sicherheit deutlich schneller wachsen als der Markt“, sagt der Analyst.

Eine ähnlich positive Prognose geben die Finanzexperten für die Anteilsscheine von Curanum, das mit insgesamt 6000 Betten ebenfalls zu den größten privaten Pflegeheimbetreibern zählt. „Curanum ist im Pflegebereich ähnlich stark positioniert wie die Marseille-Kliniken", sagt Jung. Sein Anlagevotum lautet daher ebenfalls „kaufen“.

Positiv bewerten die Finanzexperten bei beiden Titel neben der günstigen Bewertung mit einem einstelligen Kurs-Gewinn-Verhältnis auch die hohe Dividendenrendite von über vier Prozent. Daran wird sich wohl auch in naher Zukunft nichts ändern, schätzt Jung. Curanum und Marseille gelten als zuverlässige Zahler, sagt der Analyst. Der Grund seien vor allem die jeweiligen Großaktionäre, die bei beiden Gesellschaften über 70 Prozent der Anteilsscheine halten und stets auf die Ausschüttungspolitik achten.

Ein Minuspunkt ist es jedoch, wenn der Großaktionär weder vom Fach ist noch als berechenbar gilt. So raten die Analysten unisono von dem dritten börsennotierte Betreiber von Pflegezentrum, der Maternus AG, ab. Grund: Über 50 Prozent der Aktien des Hannoveraner Unternehmens liegen bei der angeschlagenen Immobilien- und Beteiligungsgesellschaft WCM. „Für WCM ist Maternus ein reines Spekulationsobjekt“, sagt Schmidt. Vor allem konservativ ausgerichtete Anleger sollten das Materuns-Papier daher meiden.

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