Depot-Contest
Keine Angst vor dem 17. Oktober

Kaum gibt es erste Hoffnungsschimmer, dass der US-Haushaltsstreit beigelegt wird, herrscht an den Weltbörsen gute Laune. Auch Vermögensverwalter sind optimistisch. Allerdings ist die Gefahr noch nicht gebannt.
  • 5

DüsseldorfDer Durchbruch war es noch nicht, aber immerhin ein Hoffnungsschimmer. Als am Donnerstagnachmittag Washingtoner Zeit die Nachricht die Runde machte, die zerstrittenen Politiker in der US-Hauptstadt seien zu Gesprächen bereit, versetzte das die Märkte in Feierlaune. Der Dow Jones legte um mehr als zwei Prozent zu. In Japan kletterte am Morgen der Nikkei. Und auch der Dax legt zu.

Börsianer spekulieren darauf, dass sich Demokraten und Republikaner am Ende doch noch zu einer Lösung im zermürbenden Haushaltsstreit durchringen können. Auch Michael Stegmueller von der Performance IMC Vermögensverwaltung rechnet mit einem positiven Ausgang „just in time“, also kurz vor dem 17. Oktober. An diesem Tag erreichen die USA die Schuldenobergrenze – ohne Anhebung droht erstmals in der Geschichte der Vereinigten Staaten die Zahlungsunfähigkeit.

Dass es so weit kommt, glaubt Stegmueller nicht. „Die tragische Komödie der politischen Eliten in den USA sollte sich nicht zum globalen Katastrophenszenario ausweiten“, so der Vermögensverwalter. „Dafür steht trotz aller ideologischer Demagogie und der tiefen Spaltung der amerikanischen Gesellschaft zu viel auf dem Spiel.“ Karl-Heinz Geiger von SVA Vermögensverwaltung ergänzt: „Die USA ist sich bei allem internen Ärger ihrer weltpolitischen Rolle bewusst und wir gehen davon aus, dass die handelnden Personen schlussendlich im Sinne der Weltwirtschaft entscheiden werden.“

Doch noch ist die Gefahr nicht gebannt, die Zahlungsunfähigkeit nicht abgewendet. Sollte es wider Erwarten nicht zu einer Lösung kommen, drohen erhebliche Turbulenzen an den Märkten. Geiger ist überzeugt, dass es dann alle Anlagesegmente trifft – mit einer Ausnahme. „Einzig das Gold sollte davon dann eher positiv betroffen sein“, so der Vermögensverwalter. Gold gilt gemeinhin als sicherer Hafen in Krisenzeiten. In Jahren der Finanz- und Schuldenkrise legte das gelbe Edelmetall eine beeindruckende Rally hin. Im September 2011 markierte der Goldpreis sein bisheriges Rekordhoch von 1921,15 Dollar je Unze.

Seither ist der Goldpreis allerdings um gut 30 Prozent abgestürzt. Vor allem in den vergangenen Monaten ging es abwärts. Doch Geiger bewahrt die Ruhe: „Wir haben seit einigen Jahren einen gewissen Grundstock als Goldreserve im Depot, den wir auch in diesem Jahr, trotz des teilweise heftigen Rückgangs seit Jahresbeginn, nicht reduziert haben“, sagt er. „Im Gegenteil, wir haben die Schwäche des Goldes für weitere Zukäufe genutzt.“

Doch weder Geiger noch Stegmueller rechnen mit dem Worst-Case-Szenario – im Gegenteil. „Eine klare Lösung, das heißt die Anhebung der Verschuldungsgrenze – und das nicht nur für zwei Monate, sondern für einen mittelfristigen Zeitraum –, sollte in Verbindung mit guten Quartalszahlen der Unternehmen, eine auch signifikante Aufwärtsbewegung einleiten können“, sagt der IMC-Experte. Er rechnet damit, dass eine solche Aufwärtsbewegung bis zum Jahresende anhalten könnte. An den Anleihemärkten rechnet er nicht mit signifikanten Ausschlägen.

 

Welche Anlagestrategie die beiden Experten verfolgen und wie sie auf die aktuelle Haushaltskrise in den USA reagieren, können Interessierte beim Depot-Contest der Münchener DAB-Bank verfolgen. Noch bis zum Jahresende messen sich mehr als 30 Vermögensverwalter in den Kategorien „Sicherheit“, „Ausgewogen“ und „Chance“.

Jessica Schwarzer
Jessica Schwarzer
Handelsblatt / Chefkorrespondentin Börse

Kommentare zu " Depot-Contest: Keine Angst vor dem 17. Oktober"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die 16,.... Billionen sind Kredite internationaler Banken. Und die wollen bedient werden. Also bleibt nur Drucken solange noch Papier vorhanden ist. Könnte eigentlich jeder angelernte Grafik Designer.
    Schwieriger ist es natürlich, den Haushalt zu konsolidieren. Und das ist nun mal schwierig, wenn man jahrzehntelang die Sozialversicherungssysteme nicht bedient hat. Obama hat durch seine fulminanten Versprechen, endlich alle zu versorgen, seine Wahlstimmen geholt. Aber "Yes we can" scheinen nur Worthülsen zu sein. Offenbar so eine Art "Ungedeckte Schecks" wie auch beim bedruckten "In God we trust" - Papier.

    Wenn die Sozis (Demokraten) den Geldadel dazu bringen könnten, ihr Schärflein beizutragen - Buffet, Sorros & Co. haben doch schon mal in diese Richtung getönt - könnte Obama mit einer kleinen Korrektur wieder deklamieren "Yes - they can".

  • Um so grausamer wird das Erwachen!

    Es wird Zeit dem AUF-PUMP-LEBEN ein Ende zu setzen.

  • Die erneute Anhebung der Schuldenobergrenze kann nicht die Lösung sein. Richtig ist es, endlich die US-Finanzen zu konsolidieren und die Obama Schuldenorgie (6 Billionen neue Schulden in 4 Jahren!!) zu stoppen.

    Obaqma braucht jedes Jahr eine Billion Dollar mehr als er einnimmt. Was ist das? Warum tut er das? Wie will er zu einem ausgeglichenen Haushalt kommen?

    In Europa konsolidieren wir doch auch, und keiner sagt, die Welt explodiert. Nein, gerade Obamas Schuldenpolitik wird die Welt ins Verderben stürzen und nicht der Schuldenstopp der Republikaner.

    Spätere Generationen werden den Republikanern für einen Schuldenstopp dankbar sein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%