Depot-Contest: Rendite bei Hochzinsanleihen schmilzt dahin

Depot-Contest
Rendite bei Hochzinsanleihen schmilzt dahin

Die ultralockere Geldpolitik zwingt sicherheitsorientierte Anleger erneut zum Umdenken. Nach Staatsanleihen sind nun auch klassische Unternehmensbonds und Hochzinsanleihen out. Wo Vermögensverwalter noch investieren.
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DüsseldorfFür die Europäische Zentralbank (EZB) hat an diesem Mittwoch eine neue Ära begonnen. An dem Tag begann die europäische Währungsbehörde mit dem Umzug an ihren neuen Sitz im Frankfurter Osten. Die kapitalismuskritischen Proteste hielten EZB-Chef Mario Draghi nicht davon ab, mit einem souveränen Lächeln das Band durchzuschneiden und den Doppelturm damit offiziell einzuweihen. Schon bald wird Draghi aus dem 40. Stock Europas geldpolitische Strippen ziehen.

Es ist noch gar nicht so lange her, da hat auch für Anleger eine neue Ära begonnen: die der extrem niedrigen Zinsen. Getrieben durch die ultralockere Geldpolitik der EZB – seit März kauft die Behörde monatlich auch Anleihen im Wert von 60 Milliarden Euro an – sind die Renditen von Staatsanleihen auf neue Tiefststände gefallen. Die zehnjährige Bundesanleihe notiert noch bei 0,14 Prozent. Die Renditen von zweijährigen und zuletzt auch fünfjährigen deutschen Staatsbonds liegen mittlerweile im Minusbereich.

Auch im restlichen Europa – mit Ausnahme Griechenlands – rentieren Staatsanleihen so niedrig wie nie zuvor. Längst sehen Kapitalmarktexperten die Spreads zur deutschen Anleihe als viel zu gering an. Die mickrigen Renditeaufschläge würden das Risiko, das mit den Papieren einhergeht, längst nicht mehr auffangen. Bei Anlageexperten, so auch bei den Teilnehmern des Depot-Contest der Münchner DAB Bank, hat nicht zuletzt diese Beobachtung zu einem gewissen Umdenken geführt – und das gleich in zweierlei Hinsicht.

Zum einen sind mittlerweile selbst Staatsanleihen der europäischen Peripherie, die bislang für einige Anlagemanager des sicheren Depots zumindest eine Option waren, aus dem Rennen. „Staatsanleihen der Euro-Zone spielen in der Portfoliosteuerung gar keine Rolle mehr“, sagt zum Beispiel Ingo Theismann von der Consulting Team Vermögensverwaltung. Auch Ingo Schweitzer von der AnCeKa Vermögensbetreuung hält sich unter den gegebenen Umständen von Staatsanleihen „völlig fern“.

Zum anderen verlieren für die Anlageprofis auch klassische Unternehmensanleihen großer, finanzstarker Unternehmen aus dem Euro-Raum, aber auch Hochzinsanleihen schlechterer Schuldner an Attraktivität. Noch vor einem Jahr, also noch bevor Draghi Anleihekäufe ernsthaft ins Auge fasste, hatten nicht wenige Teilnehmer des Depot-Contest Unternehmensbonds aus der Euro-Zone als Renditetreiber im sicheren Depot. Mittlerweile sieht das anders aus. Viele Vermögensverwalter gewichten solche Bonds heute geringer als früher.

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