Der Markt für Kreditderivate boomt – Herabstufung von General Motors und Ford verunsichert Anleger
Fehlende Bonität gefährdet Investment

Der Markt für Kreditderivate boomt seit Jahren. Getrieben wird er von zwei Seiten: „Banken wollen unter dem Druck von Basel II ihre Kreditausfallrisiken reduzieren und verkaufen oder hedgen sie. Versicherungen und Hedge-Fonds interessieren sich für hohe Risikoprämien oder Arbitragemöglichkeiten und kaufen“, beschreibt Helmut Kaiser, Leiter Investment Private Asset Management der Deutschen Bank in Frankfurt, die Marktteilnehmer.

HB DÜSSELDORF.Nach einer Studie der British Bankers' Association betrug das Marktvolumen an Kreditderivaten Ende 2004 rund 5 021 Mrd. Dollar. Bis Ende 2006 soll es auf 8 206 Mrd. Dollar ansteigen. Wenn dies zutrifft, hätte sich der Markt von 2003 bis 2006 nahezu verdreifacht.

Bisher sind Kreditderivate weitestgehend institutionellen Anlegern vorbehalten. Eingeführt wurden sie Mitte der 90er Jahre von Banken als Instrument zur Risikoabsicherung und Diversifizierung. „Nach Deutschland kamen sie mit der Euro-Einführung 1999. Richtig gestartet ist der Handel aber erst 2001“, sagt Kaiser. Kreditderivate werden bilateral – over the counter – gehandelt. „Grundlage sind Kredite oder Anleihen von etwa 3 000 Schuldnern weltweit, überwiegend von Unternehmen. Schuldner können aber auch Banken oder Staaten sein“, sagt Kaiser. Nachdem der Handel, nicht zuletzt durch die Aktivitäten großer Hedge-Fonds, sehr liquide geworden ist und Indizes für mehr Transparenz sorgen, werden Kreditderivate auch für Privatanleger interessant. Allerdings können private Investoren nur Derivate auf Kreditderivate erwerben. So gibt es zum Beispiel strukturierte Produkte auf die Kreditderivate-Indizes Dow Jones iTraxx und Dow Jones iBoxx.

In den vergangenen Wochen geriet der Markt für handelbare Kreditrisiken in heftige Turbulenzen. Die Herabstufung der Bonität von General Motors (GM) und Ford durch Standard & Poor’s sorgte für viel Unruhe und Bewegung. Branchenkenner – insbesondere die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) – hatte schon früher darauf hingewiesen, dass die Verknüpfung des Finanzsektors über Kreditderivate erhebliche systematische Gefahren berge. Falls große Unternehmen bankrott gingen, könnte es zu Kettenreaktionen kommen, die schlimmstenfalls das gesamte internationale Finanzsystem gefährden. „Diese Befürchtungen haben sich zum Glück nicht bestätigt, obwohl die Angst verständlicherweise groß war. Allein General Motors hat Anleihen im Umfang von rund 115 Mrd. Dollar und Ford von rund 97 Mrd. Dollar ausstehen. Die beiden Unternehmen machen zusammen zirka 13 Prozent des US High Yield Marktes und 28 Prozent des europäischen Hochzinsmarktes aus“, sagt Arndt Muthreich, Leiter Credit Research bei Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW).

Wie aber funktionieren Kreditderivate im Einzelnen und welche Produkte gibt es überhaupt? „Die Produktpalette ist sehr breit. Allen Kreditderivaten ist gemein, dass sie auf synthetische Weise Kreditrisiken übertragen. Unterschieden werden die einzelnen Produkte nach Art der Verbriefung – zum Beispiel CDS und CDO – und nach Art des Underlyings – beispielsweise Unternehmen, Banken und Länder-Schulden“, sagt Kaiser von der Deutschen Bank.

Seite 1:

Fehlende Bonität gefährdet Investment

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%