Der Rückgang des Erwerbspotenzials drückt auf das Tempo des Wirtschaftswachstums – Geld für die Altersvorsorge fließt zunehmend in Dividendentitel
Börsianer sehen Aktienkurse durch die Überalterung purzeln

Geht es um die private Altersvorsorge, führt an der Aktie kaum ein Weg vorbei. Auf lange Sicht, so die Erfahrung der Vergangenheit, kann ihr keine andere Anlageform in punkto Rendite das Wasser reichen. Zudem kommt der Umbau des Rentensystems in Richtung private Vorsorge zwar langsam, aber unaufhaltsam in Gang.

DÜSSELDORF. Und im kommenden Jahr wird der Deutschen liebstes Vorsorgeprodukt, die Kapitallebensversicherung weniger attraktiv, weil der Steuervorteil wegfällt. Immer mehr Anlagegelder, die für die Rente bestimmt sind, werden nach Ansicht von Experten daher künftig direkt oder über Fonds in Dividendentitel fließen.

Doch ob sich die Hoffnungen der künftigen Rentner auch erfüllen, ist für viele Wissenschaftler und Bankexperten mehr als fraglich. „Der demographische Wandel, vor dem die deutsche Bevölkerung steht, drückt die Finanzmärkte“, sagte Stefan Schneider, Chefökonom der Deutschen Bank, kürzlich auf einer Podiumsdiskussion zum Thema Kapitalanlage und demografische Entwicklung. Auf die Aktienbörsen rollt die „Age-Wave“ zu: Auf Grund der niedrigen Geburtenrate werden im Jahr 2040 den 20-bis 59-jährigen Erwerbstätigen in etwa genauso viele mehr als 60-jährige gegenüber stehen. „Das führt zu einem massiven Einbruch der potenziell Erwerbstätigen“, sagt Stefan Schilbe, Chefvolkswirt von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Die Folge: Das Wachstumspotenzial der Wirtschaft fällt.

Das sinkende Angebot des Produktionsfaktors Arbeit kann nicht durch Produktivitätsfortschritte und Kapitalinvestitionen ausgeglichen werden – da sind sich die Experten einig. „In alternden Gesellschaften ist außerdem das Innovationstempo geringer“, meint Schneider. Zudem konsumieren Rentner wegen ihres geringeren Einkommens weniger. Das sinkende Erwerbspotenzial kostet Deutschland nach Schneiders Rechnung je nach Zuwanderungsszenario und bei unverändertem Erwerbsverhalten zwischen 0,75 und 1,25 Prozentpunkte des Wirtschaftswachstums. „Selbst wenn sich das Produktivitätswachstum nicht verlangsamt, wird das deutsche Wachstum in den Jahren 2020 bis 2030 bestenfalls bei rund einem halben Prozentpunkt pro Jahr liegen, schlimmstenfalls sogar um die gleiche Rate schrumpfen“, so Schneiders düstere Rechnung.

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